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Ein Höllenritt mit Happy End

Feldkirch - Helmut Eiterer ist ein sehr erfahrener Tourengeher. Sein Jahrespensum ist beachtlich: Etwa 100.000 Höhenmeter bezwingt der Thüringer auf seinen Fellen während einer Wintersaison.

Der 54-Jährige kennt sich aus mit der Materie, ist topfit und plant seine Touren sorgfältig. Und doch: Bei seinem vorläufig letzten Aufstieg am Sonntag zog er seinen Ski einmal zu viel durch. Er trat eine Lawine los, die ihn 350 Meter weit mitriss. Er hat überlebt. Aber nur mit sehr viel Glück, wie er den „VN“ in einem Exklusivgespräch schildert.

Lawine bricht los

Rückblende: Langen am Arlberg, 14. Dezember, 9.30 Uhr. Helmut Eiterer bricht mit seinem 30-jährigen Sohn, dessen Freundin und einem Kollegen zu einer Skitour auf. Das Ziel: die 2753 Meter hohe östliche Eisentälerspitze im Arlberggebiet. Im hinteren Nenzigasttal muss die vierköpfige Skitourengruppe eine etwa 35 Grad steile und 30 Meter breite Mulde überqueren. Es ist kurz nach Mittag. Der erfahrene Alpinist geht vor­aus. „Es herrschten perfekte Bedingungen: Pulverschnee, nicht zu tief. Plötzlich bin ich im Schnee eingebrochen und habe mir gedacht – jetzt wird es gefährlich. Da ich aber nur noch vier oder fünf Meter vor mir hatte, probierte ich einen weiteren Schritt“, schildert der Tourengeher. Als er dann doch umdrehen will, nimmt das Unglück seinen Lauf. „Das Schneebrett brach los, ich wollte noch rausfahren“, erinnert sich der 54-Jährige. Doch es ist zu spät. Seine drei Begleiter – darunter sein Sohn – müssen zusehen, wie er von den Schneemassen mitgerissen wird. Durch eine Steilrinne bis zum Talboden. Eiterer bekommt alles mit: „Ich versuchte immer wieder an die Oberfläche der Lawine zu schwimmen. An einer Kante hob es mich dann aus und ich flog etwa 20 bis 30 Meter durch die Luft. Als ich gegen einen Felsen prallte, hörte ich, wie meine Knochen zerbrachen.“ Nach 350 Metern kommt die Lawine zum Stillstand. Eiterer befindet sich knapp unter der Schneedecke. „Ich habe sofort versucht, mir vor dem Gesicht ein Luftpolster freizuschaufeln. Mit einer Hand konnte ich die Schneedecke durchbrechen, schildert er die bangen Minuten. Seine Begleiter setzen sofort einen Notruf ab und fahren entlang der Aufstiegsspur zum Verunglückten. Sie schaufeln ihn so gut es geht frei und warten auf den Notarzthubschrauber. Eiterer hat große Schmerzen im rechten Bein. Die Rettung gestaltet sich jedoch äußerst schwierig aufgrund des starken Föhnsturms. Mehrmals versucht der Notarzthubschrauber „Gallus 1“ einen Landeanflug. Ohne Erfolg. Eine rund 30-köpfige Mannschaft der Bergrettung wird auf der Nenzigastalpe abgesetzt, um dem Verunglückten auf dem Landweg zu Hilfe zu kommen.

Glück im Unglück

Schlussendlich – zweieinhalb Stunden nach dem Unglück – klappt die Rettung per Helikopter doch noch. Sozusagen in letzter Minute, wie Eiterer sagt. „Ich war schon sehr entkräftet und unterkühlt. Ich glaube nicht, dass ich das noch lange durchgestanden hätte“, so der 54-Jährige im „VN“-Gespräch. Oberarzt Dr. Alexander Gohm, Unfallchirurg am LKH Feldkirch, hat den Thüringer operiert. „Außer einem Oberschenkelhals-trümmerbruch hatte er nicht einen Kratzer. Der Mann hatte wirklich Glück im Unglück“, so Gohm. Auf die Frage, ob er jemals wieder auf die Bretter steigen wird, antwortet der leidenschaftliche Tourenskigeher mit einem klaren Ja. „Aber ich sicher nie mehr alleine. Denn wäre ich am Sonntag ohne Begleiter unterwegs gewesen, wäre ich jetzt nicht mehr hier“, sagt Helmut Eiterer einen Tag nach dem spektakulären Lawinenunfall.

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