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Ein Friedhof für Fettleibige an der Copacabana

Ein Friedhof für Fettleibige an der Copacabana
Ein Friedhof für Fettleibige an der Copacabana ©APA
In der Haut der Sargträger möchte man nicht stecken. Wer will schon über 250 Kilo schwere Leichen in das Grab wuchten. 1,30 Meter breit, 2,40 Meter lang sind die XXL-Gräber, die Alberto Brenner Junior, Chef des Friedhofs Penitencia, ganz neu im Angebot hat. "52 Prozent der erwachsenen Brasilianer sind heute übergewichtig", meint Brenner mit Blick auf offizielle Studien.

Und das in der Olympiastadt 2016. Rio de Janeiro. Stadt des Körperkults. Sehen und Gesehen werden an der Copacabana. An welchem Strand der Welt gibt es schon alle paar hundert Meter Stahlgerüste, an denen frühmorgens bereits Klimmzüge gemacht werden? Zum Sonnenaufgang ist das hier ein großer Joggertreff. Doch Burger und Süßes sind auch sehr beliebt. In den vergangenen neun Jahren ist die Zahl übergewichtiger Brasilianer laut Gesundheitsministerium um 23 Prozent gestiegen.

Brenner empfängt am Eingang des Friedhofs, der direkt am Hafen der Sieben-Millionen-Metropole liegt. Er hat sozusagen sechs XXL-Vorführgräber – im Rahmen eines Ausbauplans sollen 1.260 solcher Gräber, die meisten in mehreren Etagen übereinander angeordnet, errichtet werden.

Obergrenze: 500 Kilogramm

Sie sollen über zwei Quadratmeter mehr Platz als herkömmliche Gräber bieten. Die größeren Gräber aus Granitgestein sollen mindestens bis 350 Kilogramm schwere Leichen beherbergen können. Die Obergrenze beträgt sogar 500 Kilogramm. Der vergangenes Jahr verstorbene Mexikaner Manuel Uribe galt mit zeitweise bis zu 560 Kilogramm Körpergewicht als der schwerste Mensch der Welt. Er musste eingeäschert werden, weil es für ihn keinen Sarg gab.

Auch ein Krematorium soll gebaut werden, das einen 24-Stunden-Service anbieten soll. Etwas despektierlich meint Brenner: “Bei Übergewichtigen brauchen sie etwas mehr Zeit.” 55 Millionen Reais (15,9 Millionen Euro) sollen die Ausbaumaßnahmen des 1865 eröffneten Friedhofs kosten, auf dem sehr viele portugiesische Familien bestattet sind. Teils in sehr edlen Mausoleen, es ist auch ein Streifzug durch die brasilianische Kolonialgeschichte.

Immerhin sterben in Rio und Umgebung jeden Monat 5.500 Menschen, berichtet Brenner. 11.000 seien in Penitencia begraben. Wie viele Tote jetzt schon kaum in normale, 80 Zentimeter breite Gräber passen, kann er nicht sagen. Und das bisherige Rekordgewicht auf dem Friedhof? “Ich schätze so 250 Kilogramm”, meint Brenner.

große Aufmerksamkeit für Brenners Pläne

Immer wenn er von Sepultura, dem portugiesischen Wort für Grab spricht, kommt einem die bekannte brasilianische Heavy-Metal-Band in den Sinn. Die große Frage ist: Braucht es am Ende überhaupt solche Gräber? Brenner genießt die Aufmerksamkeit für seine Pläne – und versteht es gut, sie zu verkaufen. Mal sehen, was daraus am Ende wird. Ob wirklich eine Nachfrage dafür bestehen wird.

Zumindest hat er seinen Friedhof so in die Schlagzeilen gebracht. Und was soll so ein XXL-Grab kosten? “75.000 Reais.” Das sind immerhin 21.700 Euro. Ein teures Ende für ein gewichtiges Leben.

(APA)

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