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Ein Engel der Geschichte

Das Bild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.
Das Bild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen. ©Julie Walser
Eine Skulptur des Künstlers Günther Blenke wird nun dauerhaft den historischen Kern der Stadt Hohenems mitgestalten.

Bereits im August des Vorjahres wurde das Werk vor dem früheren Gasthaus Engelburg platziert. Das Jüdische Museum Hohenems konnte die Skulptur nun mit Mitteln der „Ars Rhenia – Stiftung zur überregionalen Förderung von Kunst und Kultur“ erwerben. Gemeinsam mit der Stadt Hohenems und dem Hohenemser Verkehrsverein, und mit Unterstützung des Landes Vorarlberg, wird die Skulptur nun ab 20. Mai 2021 dauerhaft im Brunnen vor der Engelburg installiert, dort wo einstmals die historische „Judengasse“ und „Christengasse“ – heute Schweizer Straße und Marktstraße – zusammentrafen.

Der 1965 in Hohenems geborene Bildhauer Günther Blenke arbeitet vor allem mit Metall in Kombination mit anderen Materialien und erkundet in seinen Skulpturen das Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner Umwelt, aber auch zwischen Mythos und freier, abstrakter Form. Seit 2006 leitet er ein offenes Atelier und arbeitet häufig mit anderen Kunstschaffenden, insbesondere auch Laien und Jugendlichen zusammen. Für seinen „Engel der Geschichte“ hat Blenke Holz als Material gewählt: Ausgehend von dem Stück eines verbrannten Baumes aus der Schweiz, in den ein Blitz eingeschlagen ist – und dessen Astloch wie ein weit aufgerissenes Auge zurück in die Geschichte blickt. Das Haus, vor dem es steht, das ehemalige Gasthaus Engelburg, gehörte im 19. Jahrhundert zeitweise der mütterlichen Familie von Stefan Zweig, den Brettauers. Dort sind, im Schubertiade-Museum, auch Dokumente zu Stefan Zweig zu sehen, dem es gelang, aus Europa zu fliehen, der sich aber 1942 im Exil ebenfalls das Leben nahm. An Walter Benjamin und seinen Begriff der „letzten Europäer“ erinnert 2020/21 auch eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems. In seinen „Thesen über den Begriff der Geschichte“ schrieb Benjamin 1940: „Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen.“

Bürgermeister Dieter Egger freut sich über den gelungenen Abschluss des Projekts: „Ich danke dem Jüdischen Museum, dem Verkehrsverein und Künstler Günther Blenke für die Initiative und das Engagement. Kunst im öffentlichen Raum ist ein wichtiger Bestandteil der Identität der Stadt, zumal an Orten, die wir als Begegnungszone für alle Menschen definiert haben.“ 

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museum Hohenems, betont, wie sehr Günther Blenkes Brunnenskulptur am Schnittpunkt von Christengasse und Judengasse zugleich das Eingedenken in eine Geschichte von Katastrophen und die Hoffnung auf ein gutes Zusammenleben in Verschiedenheit repräsentiert.

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