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Ein Dorf in Bewegung

©Neue/Adolf Bereuter
Im Mai 1999 zerstörte ein Murstrom in der Sibratsgfäller Parzelle Rindberg 20 Häuser. Der Georundweg veranschaulicht die Ereignisse.

Es ist anfangs gar nicht so leicht, das Gleichgewicht zu halten. Vor allem auf der Treppe. Stufen, Böden, Wände – alles befindet sich in Schieflage und vermittelt das Gefühl, sich auf einem sinkenden Schiff zu bewegen. Doch die Fenster gewähren keinen Ausblick auf das stürmische Meer, sondern auf die heimische Bergwelt. Es handelt sich auch nicht um ein Schiff, sondern um ein Gebäude, das schwere Schlagseite hat. Felbers schiefes Haus in der Bregenzerwälder Gemeinde Sibratsgfäll. Dieses ist nicht der Fantasie eines Architekten entsprungen, sondern Resultat entfesselter Naturgewalt: Im Mai 1999 setzten sich die Berghänge in der Parzelle Rindberg in Bewegung und mit ihnen ganze Wiesenflächen und alles, was sich darauf befand.

Das ehemalige Ferienhaus hat sich insgesamt 18 Meter von seinem ursprünglichen Standort wegbewegt. Und das ohne nennenswerte Schäden, wie Konrad Stadelmann berichtet. Der Bauunternehmer ist Zeitzeuge und Gründer des Vereins „Bewegte Natur Sibratsgfäll“. Dessen Ziel ist es, Bestrebungen für den Erhalt der Lebensgrundlagen in Sibratsgfäll zu unterstützen sowie ein Bewusstsein für die Auswirkungen der Geologie auf das tägliche Leben zu schaffen. „Felbers Haus ist quasi auf dem Strom mitgeschwommen. Da haben wohl mehrere Faktoren mitgespielt, denn durch den gewaltigen Hangrutsch gingen insgesamt 20 Gebäude verloren. Einige Familien mussten ihr Zuhause verlassen. Das hat Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Landschaft, sondern auch in den Menschen“, erzählt Stadelmann während er sich seine Pfeife stopft. Vor dem Naturereignis im Mai 1999 fielen innerhalb von zwei Wochen zirka 20 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlages. Zugleich schmolz die noch vorhandene Schneedecke durch den Regen in kurzer Zeit ab. Am 18. Mai setzte sich schließlich der Murstrom unaufhaltsam in Bewegung.

Lesen Sie weiter in der heutigen Ausgabe der „NEUE am Sonntag“

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