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Ein brillanter neuer Markt?

Diamanten sind das Symbol für die Ewigkeit und Unvergänglichkeit der Liebe – doch seit einigen Jahren ist es möglich, künstliche Vertreter zu erzeugen. Natürlich oder aus dem Labor? Eine aktuelle Innovation, die wir genauer unter die Lupe genommen haben.
Diamanten sind das Symbol für die Ewigkeit
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Steine aus der Dunkelheit der Erde oder dem gleißenden Licht des Labors? Diamanten gehören zu den härtesten Stoffen der Welt. Sie entstehen in Millionen von Jahren unter großem Druck, typischerweise in Tiefen zwischen 150 und 660 Kilometern, bei hohen Temperaturen von 1200 bis 1400 Grad Celsius und müssen später unter großem Aufwand aus diesen Minen geschürft werden. In den letzten Jahren wurde jedoch viel Aufwand betrieben, um die wertvollen Mineralien künstlich im Labor herzustellen. Die Vertreter, die oberhalb des Erdmaterials entstanden sind, sind aber keine Imitation des Diamanten wie ein Zirkonia. Sie haben die gleiche chemische Zusammensetzung, nur dass sie eben künstlich entstanden sind. In den letzten fünf Jahren wurden die Verfahren derart verbessert, dass die synthetischen Diamanten mittlerweile den Sprung in die Juweliergeschäfte geschafft haben. So verwendet Swarovski bei seiner Echtschmuck-Kollektion synthetische Edelsteine, die auch so gelabelt werden, um zu verdeutlichen, dass es sich um keine natürlich entstandenen Vertreter handelt. Ein Unterschied ist auch der Preis: Die im Labor hergestellten Diamanten kosten um die 30 bis 50 Prozent weniger, obwohl auf den ersten Blick kein Unterschied zu erkennen ist. So ist es nicht überraschend, dass Unternehmen wie De Beers, Rio Tino und andere Mitglieder der Diamond Producers Association diesem neuen Verfahren die rote Karte zeigen. Ihrer Ansicht nach sind Diamanten aus dem Labor nicht authentisch und glaubwürdig – eine Art Mogelpackung ohne Geschichte. Auf der anderen Seite argumentieren die Hersteller der Labor-Diamanten mit den Vorteilen für Umwelt und Mensch: Bei diesen Steinen muss sich der Kunde keine Gedanken um die Auswirkungen auf Minenarbeiter – Stichwort schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen – oder die Umwelt machen. Die neue Industrie versucht damit den wachsenden Nachhaltigkeitstrend zu bedienen und die Käufer mehr durch die Faktoren „verantwortungsvolles Handeln“ und „attraktive Preisgestaltung“ zu überzeugen, als durch die emotionale Botschaft „Ein Diamant ist für die Ewigkeit“. Die wachsende Popularität von Synthesen hat aber auch einen sozialen Nachteil: Wenn den Millionen Menschen, die Diamanten schürfen, die Steine nicht mehr abgekauft werden, verlieren sie auf unbestimmte Zeit ihre Lebensgrundlage.

Entlarvend ebenmäßig. Doch wie werden synthetische Diamanten hergestellt? Der Prozess kann in kurzer Zeit abgeschlossen werden, wobei es zwei Verfahren gibt. Das erste simuliert die Druckverhältnisse unter der Erde, dabei werden natürliche Bedingungen des Diamantwachstums, wie hoher Druck und hohe Temperaturen, in großen Pressen nachgestellt. Die zweite Methode funktioniert ähnlich einem 3D-Drucker, bei dem in einer Luftdruckkammer verschiedene Karbon-Schichten auf einen Kern aufgetragen werden. Das Ergebnis ist ein Diamant, der dieselben Eigenschaften hat wie ein natürlicher. Unterscheidbar ist lediglich das Muster des Steinaufbaus – mit bloßem Auge ist das nicht sichtbar. Erst ein spezielles Prüfgerät zeigt die Unterschiede: Der natürliche Diamant hat eine unregelmäßigere Wachstumsstruktur, den künstlichen entlarvt seine Ebenmäßigkeit.

Innovative Köpfe. Doch es ist nicht das erste Mal, dass Edel­steine synthetisch hergestellt werden. Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte der französische Chemiker Auguste Verneuil ein Verfahren zur Herstellung von Rubinen. Sein Verfahren wird auch dazu benutzt, synthetische Saphire zu erschaffen. Kulturperlen, bei denen ein Störelement in die Muschel eingesetzt wird, um eine Perle künstlich wachsen zu lassen, wurden in Japan im 19. Jahrhundert erstmals von Kokichi Mikimoto gezüchtet. Er war der erste, dem es gelang, vollrunde Perlen zu produzieren. Die ersten synthetischen Diamanten wurden in den 50er-Jahren für den industriellen Gebrauch von Unternehmen wie General Electrics entwickelt. Ihre Qualität war aber keinesfalls mit einem natürlich gewachsenen Stein vergleichbar. Erst in den letzten Jahren ist es Wissenschaftlern gelungen, Diamanten von einer so guten Qualität zu entwickeln, dass sie mit natürlichen Vertretern mithalten können.

Stichwort Wiederverkauf. Es gibt zwei Risiken, die Käufer von künstlichen Diamanten treffen könnten. Das erste ist die Möglichkeit zum Wiederverkauf. Ein Grund, echte Diamanten zu kaufen, ist ihre Wertbeständigkeit. Dieses Argument trifft vor allem auf Diamant-Raritäten oder größere Steine zu – auch auf Smaragde oder Saphire. Das zweite Risiko ist, dass Laien nicht unterscheiden können, ob sie nun einen künstlichen oder natürlichen Diamanten vor sich haben. Nur im Fachgeschäft ist gewährleistet, dass der Kunde für sein Geld auch das bekommt, was er möchte. Juwelier Matthias Praeg aus Bregenz, der wie die meisten Vorarlberger Juweliere, nur echte Diamanten im Geschäft hat, ist wenig besorgt über die Entwicklung mit den synthetischen Diamanten: „Ich habe kein Problem mit synthetischen Diamanten, sondern mit dem Mangel an Transparenz. Es sollen keine Verwechslungen auftreten können, d. h., jeder künstlich geschaffene Diamant muss eine Kennzeichnung haben. Hier ist es wichtig, dass der Käufer zu seinem Lieferanten Vertrauen hat. Dies ist bei einem Kauf im Internet nicht möglich.“ Swarovski markiert z. B. seine Steine mit einer winzigen Gravur, die nur unter dem Mikroskop sichtbar ist. In ihren Zertifikaten und auf Rechnungen müssen Labor-Diamanten als solche ausgewiesen sein. Was nicht heißt, dass sie minderwertige Produkte sind: Auch synthetische Diamanten haben einen Wert, denn es gibt keine Maschine, die sie wie am Fließband produzieren kann. Es braucht einen gewissen finanziellen Aufwand für die Herstellung. Allein der Unterhalt der Laboratorien ist kostspielig, daher ist auch das Endprodukt keinesfalls billig. Dass Synthesen in Zukunft den Markt dominieren werden, glaubt Praeg nicht. „Beim Diamantenkauf wird auch immer eine gewisse Wertbeständigkeit mitgeliefert, was beim Labor-Stein nicht der Fall ist.“ Als Wertanlage sei eine Synthese für ihn deshalb unbrauchbar. Hinzu komme der emotionale Aspekt: „Damit ein Diamant entstehen kann, müssen viele Faktoren in der Natur perfekt zusammenspielen. Wenn etwas, das normalerweise Tausende Jahre zur Entstehung braucht, innerhalb von kürzester Zeit nachgemacht wird, geht für mich als Juwelier die Faszination verloren.“ Praeg, Berufsgruppensprecher der Vorarlberger Goldschmiede, ist sich sicher, dass der Sekundärmarkt, also die Wiederverwendung bestehender Steine aus der Natur, in Zukunft von größerer Bedeutung sein wird. „Aber selbst wenn es zu einer natürlichen Verknappung der Steine aus der Natur kommt, werden Synthesen eine untergeordnete Rolle spielen, zumal auch synthetische Diamanten aufgrund des aufwendigen Herstellungsverfahrens recht hohe Preise erzielen. Wenn es etwas preiswerter sein soll, verwende ich lieber echte Steine mit einer natürlichen Färbung oder kleinen Einschlüssen.“

Erst in den letzten fünf Jahren ist es Wissenschaftlern gelungen, Diamanten von einer so guten Qualität zu entwickeln, dass sie mit natürlichen Steinen mithalten können.

Mit Ausnahme des Rings mit den roten Steinen (Swarovski), wurden bei allen in diesem Artikel abgebildeten Schmuckstücken natürliche Diamanten eingearbeitet.

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