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Ein Baby trotz Behinderung

Bregenz - Vera und Thomas Intemann freuen sich, wie frischgebackene Eltern das eben tun. Dennoch ist die Geburt von Sarah-Sophia etwas Besonderes. Denn ihre Mutter kam mit einem offenen Rücken zur Welt und kann sich aufgrund dieser Behinderung nur im Rollstuhl fortbewegen.

Das hinderte die heute 32-Jährige aber nie daran, ihre Lebensziele zu verwirklichen. Nun hat sich der größte Traum von Vera Intemann erfüllt.

Dagegen geredet

Friedlich schlummert das winzige Bündel Mensch in dem am Rollstuhl befestigten Bettchen. Ein Kollege von Thomas Intemann sorgte mit einer kreativen Idee dafür, dass Sarah-Sophia stets in der Nähe ihrer Mutter ist. Auch der Kinderwagen, der zu Hause wartet, kann am Rollstuhl befestigt werden. „Wir sind gut gerüstet“, sagt Vera und strahlt dabei. Eine Familie stand auf ihrer Wunschliste immer ganz oben. Da konnte die eigene Mutter noch soviel dagegen reden. „Ich hatte einfach Angst“, gibt Edith Intemann zu. Dass sie jetzt Großmutter wurde, empfindet sie „wie ein Wunder“. Und sichtlich stolz merkt die Oma noch an: „Vera hat immer erreicht, was sie wollte.“ Sie absolvierte die Matura mit sehr gutem Erfolg und arbeitete dann in der Abteilung für Behindertenhilfe im Amt der Landesregierung. Daneben engagierte sich Vera Intemann immer wieder bei Sensibilisierungskampagnen zum Thema Folsäure. Ein Mangel davon kann nämlich zu einem offenen Rücken (Spina bifida) führen. „Deshalb sollte mit der Einnahme von Folsäure schon vor einer Schwangerschaft begonnen werden“, betont Primar Dr. Hans Concin, der Vera Intemann durch die Zeit der Schwangerschaft begleitete. „Früher wäre eine Schwangerschaft bei einer Behinderung mit einem nicht zu verantwortbaren Risiko verbunden gewesen“, sagt der Gynäkologe. Heute erlaube es der medizinische Fortschritt, auch solchen Frauen den Kinderwunsch zu erfüllen.

Vorher abwägen

Doch vorher sollten Für und Wider genau abgewogen werden. Vera und Thomas Intemann, die seit fünf Jahren verheiratet sind, haben das mit ihrem behandelnden Arzt gründlich getan. Vera erkundigte sich außerdem beim Internisten und Orthopäden. „Ich wusste ja nicht, ob ich das Sitzen im Rollstuhl neun Monate durchhalte“, erzählt sie unbefangen. Alle konsultierten Mediziner standen dem Babywunsch des jungen Paares positiv gegenüber. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Einziger Wermutstropfen: Die Behinderung ließ weder eine normale Geburt noch einen Kaiserschnitt in Regional­anästhesie zu. „Aus medizinischen Gründen musste eine Vollnarkose gemacht werden“, erklärt Concin. Der werdende Vater durfte derweil im OP-Vorraum warten. Als die Hebamme ihm dann zierliche 2420 Gramm und 49 Zentimeter in den Arm legte, musste Thomas „vor Freude und Glück erst einmal heulen“. Jetzt hat er drei Wochen Urlaub, in denen er das Familienglück voll auskosten will. Danach wird der jungen Mutter im Bedarfsfall eine Familienhelferin zur Hand gehen. „Nichts ist unmöglich, wenn man es nur will“, sagt Vera Intemann und drückt die Kleine in dem viel zu großen Strampelanzug zärtlich an sich.

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