Ein Abgang mit klaren Worten

Bregenz - Am Mittwoch findet die erste Landtagssitzung in neuer Formation statt. Präsident Halder wird dabei seine letzte Sitzung leiten – und zieht Bilanz.

VN: Sie leiten heute Ihre letzte Landtagssitzung. Mit welchen Gefühlen?

Halder: Mit guten Gefühlen. Ich schaue mit Genugtuung auf 25 Jahre Landtagsarbeit zurück. Und ich freue mich auf die Arbeit, die mich erwartet. Das berühmte Pensionsloch sehe ich jedenfalls weit und breit nicht. Dort falle ich nicht hinein, sondern mitten in die Arbeit zwischen Kühen und Kälbern. Dank meiner acht Wochen alten Enkelin ist auch für Abwechslung gesorgt.

VN: Mit Ihnen scheiden heute 13 weitere Abgeordnete aus dem Landtag aus. Endet damit auch eine Ära?

Halder: Nein. Bei fast jeder Wahl gehen ein Drittel der Abgeordneten. Es findet also immer ein Wechsel statt. Daher beginnt auch mit jeder Periode wieder eine neue Ära. Und das ist in Ordnung so.

VN: Sie haben sich in Ihren 25 Jahren im Landtag oft kein Blatt vor den Mund genommen. Hat Ihnen das genützt oder geschadet?

Halder: Mir persönlich hat das immer genützt. Ich wollte aus meinem Herzen nie eine Mördergrube machen. Weder privat noch in der Politik. Und es ist mir immer gelungen, meine Meinung zu sagen. Ich bin den richtigen Weg gegangen.

VN: Wenn wir sagen, Sie waren in erster Linie Lobbyist für die Landwirtschaft, dürfte Sie das wohl freuen.

Halder: Ich bin im Herzen Bauer und Bauernvertreter geblieben, war fast 20 Jahre Landwirtschaftskammerpräsident. Diese Interessensvertretung habe ich in den Landtag mitgebracht. Die Folge waren harte Auseinandersetzungen, vor allem rund um den EU-Beitritt. Damals haben ja viele das Blaue vom Himmel versprochen. Wenn ich da nur an den späteren EU-Kommissar Fischler denke! Der hat immer gesagt, es werde nicht alles eintreten, was der Halder sagt. Dabei ist all das eingetreten, vor dem ich gewarnt habe. Eine der Spätfolgen ist, dass wir jetzt den schlechtesten Milchpreis aller Zeiten haben.

VN: Sie haben aus Ihrer Abneigung Fischler gegenüber nie einen Hehl gemacht.

Halder: Nein, habe ich nicht. Weil sich Fischler immer als der Bergbauer in Tirol mit der Mistkarrete fotografieren lassen hat. Dabei habe ich ihn besser gekannt. Er war nicht der Bergbauer, er war Direktor der Landwirtschaftskammer. Er hat sich als jemand anderer verkauft. Das mag ich nicht.

VN: Was hat Sie denn am meisten gefreut?

Halder: Die Verantwortung, die ich als Bauernvertreter und dann auch als Klubobmann 1999 hatte. Damals wollte niemand so richtig Klubobmann werden. Mich aber hat das gereizt, ich habe gesagt: ‚Was soll das! Da bringen wir schon etwas weiter.‘ Da hat mir meine Lebenserfahrung genutzt. Wer die Landwirtschaft zwei Jahrzehnte vertritt, weiß genau: Der, der am lautesten schreit, ist nicht immer der Schwächste. Das lässt sich auf alle Bereiche übertragen. Das habe ich als Lebensphilosophie mitgenommen.

VN: Bernadette Mennel gilt als große Favoritin auf Ihre Nachfolge. Welche Tipps geben Sie mit?

Halder: Dass es sich lohnt, die Eigenständigkeit der Länder hochzuhalten. Es ist nicht besser, wenn alles von Zentralen aus gemanaget wird. Es lohnt sich, weiterzukämpfen.

VN: Kann man dem Zentralismus einen Namen geben? Wer war denn der schlimmste Zentralist Ihrer Ära?

Halder: Franz Fiedler, der ehemalige Rechnungshof-Präsident. Der ist so wenig auf föderalistische Anliegen eingegangen, dass ich ihn ruhig als den Oberzentralisten bezeichnen darf.

VN: Wo waren Sie lieber: Im Stall oder im Landtag?

Halder: (lacht) Ich habe mich an beiden Plätzen wohlgefühlt. Im Stall habe ich mir immer die Kraft geholt.

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