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EHEC: "Das ist sicher beängstigend"

Schwarzach -  Erreicht der EHEC-Skandal auch Vorarlberg? Landesrat Schwärzler isst selbst zwar keine Gurken – gibt aber Entwarnung.
Aber der EHEC-Keim hat den Bodenseeraum bereits erreicht. In Lindau ist am Wochenende ein EHEC-Fall aufgetreten. Der Verlauf war nach Angaben des zuständigen Landratsamtes, aber harmlos. Auch in Ravensburg wurden zwei weitere harmlose Fälle bekannt, wie süddeutsche Medien berichten. 
Essen Sie derzeit Gurken und Tomaten, Herr Landesrat?

Schwärzler: Nein. Ich kann mich nicht erinnern, in den vergangenen zehn Tagen Gurken oder Tomaten gegessen zu haben. Das hat aber keinen bestimmten Grund, ist eher ein Zufall.

 
Laut einer Umfrage verzichten 78 Prozent der Österreicher auf Gurken und Tomaten. Die Verunsicherung ist groß.

Schwärzler: Es ist nachvollziehbar, dass die Bevölkerung auf Nummer sicher gehen will, nachdem man bei spanischen Gurken diesen Erreger festgestellt hat.

 
Haben heimische Landwirte derzeit Einbußen zu beklagen?

Schwärzler: Nach meinem Informationsstand nicht, weil der Konsument unterscheidet, woher die Lebensmittel kommen. Aber in Summe ist es absolut ein Schaden, weil es wieder zur Verunsicherung führt.

 
Inwieweit kann denn ausgeschlossen werden, dass EHEC-verseuchtes Gemüse auf den Vorarlberger Markt gelangt ist?

Schwärzler: Zu 100 Prozent kann nichts ausgeschlossen werden. Offenbar sind zwei Betriebe in Spanien betroffen. Dort istdas Bakterium nachgewiesen worden. Diese zwei Betriebe haben aber keine Bio-Läden in Vorarlberg beliefert. Nach dem derzeitigen Informationsstand haben diese Betriebe auch keine sonstigen Läden oder Handelsketten in Vorarlberg beliefert. Das wurde soweit erhoben. Nach derzeitigem Stand kann ich in Vorarlberg also Entwarnung geben.

 
Hat man in Vorarlberg denn Kontrollen durchgeführt?

Schwärzler: Die Behörden haben in Vorarlberg Handelsketten und Biobetriebe angeschrieben, ob sie von Spanien Gurken beziehen. Diese Meldungen gehen noch am Montag ein. Zudem hat man mit der AGES in Wien, auch mit dem mikrobiologischen Labor in Klagenfurt Kontakt aufgenommen.

 
Heißt das jetzt auf gut Deutsch, dass in Vorarlberg bis dato nicht kontrolliert worden ist?

Schwärzler: Man hat heute Proben gezogen, quer durch das Land, in Geschäften, die Gurken von anderen spanischen Betrieben bezogen haben.

 
Gibt es einen Krankheitsfall in Vorarlberg?

Schwärzler: Nein. Gott sei Dank haben wir weder einen Krankheitsfall noch einen verdächtigen Fall. Es gibt keine Meldung.

 
Die Serie der Lebensmittelskandale reißt nicht ab.

Schwärzler: Es ist eine schwierige Situation. Darum ist es auch so wichtig, dass man nicht zur Tagesordnung übergeht, sondern konsequent ermittelt. Für die Bekämpfung, aber auch für die strategische Vorbeugung istdas ganz entscheidend. Das sind wir auch den Konsumenten schuldig. Die Vorarlberger haben ein Recht darauf zu erfahren, auf was diese Krankheit zurückzuführen ist. Im Übrigen gibt es eine EU-weite Verantwortung, wenn Produkte auf den internationalen Märkten gehandelt werden.

 
Was läuft in Europas Landwirtschaft so falsch, dass sich mittlerweile ein Skandal an den anderen reihen kann?

Schwärzler:Das kann so nicht beantwortet werden, bevor man nicht die genaue Ursache dieser EHEC-Epidemie kennt. Aber es istsicherbeängstigend, dass gerade im Lebensmittelbereich die Märkte so international geworden sind. Es berücksichtigt auch niemand mehr den ökologischen Rucksack dieser Pflanzen, die beispielsweise quer durch Europa transportiert werden. Es ist doch einfach nicht notwendig, dass man bei uns alle Lebensmittel 365 Tage im Jahr im Regal findet. Man sollte den Mut haben, zu sagen, dass es bei uns zu bestimmten Jahreszeiten bestimmte Lebensmittel eben nicht gibt. Man sollte auf das warten, was die eigene Region hergibt. Und Tomaten wachsen bei uns nun eben nicht das ganze Jahr über. Diese Rückbesinnung auf die eigene Natur wäre wichtig. Das würde uns guttun, das brächte auch ein neues Wertgefühl für Lebensmittel. Wir müssen uns wieder stärker an die Naturgesetze halten.

 
Mit jedem neuen Skandal wachsen freilich auch die Chancen für das Bioland Vorarlberg, wachsen die Chancen für die heimische Landwirtschaft.

Schwärzler: Ja. Wobei das Tragische an diesem Fall ja ist, dass diese beiden spanischen Betriebe in Österreich 32 Bioläden beliefert haben – allerdings keinen in Vorarlberg. Aber die zwei spanischen Betriebe müssen damit ja auch Biobetriebe sein. Für Vorarlberg gilt: Je mehr internationale Lebensmittelskandale zunehmen, desto stärker wird die Sehnsucht der Konsumenten nach Regionalität und nach überschaubaren Märkten.

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