Kalter Krieg in Vorarlberg: Panzertürme beenden "Wacht" über Lingenauer Brücke

Über 30 Jahre lang wachten die Panzertürme über die Lingenauer Brücke in Vorarlberg.
Über 30 Jahre lang wachten die Panzertürme über die Lingenauer Brücke in Vorarlberg. ©Bundesheer
Egg-Großdorf. Die nahe Festungsanlage war in der Bregenzerwälder Gemeinde ein offenes Geheimnis. Nun wurde das einzige Überbleibsel des Kalten Krieges in Vorarlberg abgerüstet.
Feste Anlage Großdorf wird abgerüstet

In der Hochphase des Kalten Krieges war sich Österreich bewusst, dass es den vereinten Armeen der Nato oder des Warschauer Paktes wenig entgegensetzen konnte. Der aus Salzburg stammende Armeekommandant Emil Spannocchi entwickelte daher die Doktrin der Raumverteidigung: Statt sich eine große Abwehrschlacht zu liefern, sollte das Bundesheer Schlüsselzonen innerhalb Österreichs verteidigen. Hunderte Bunker und Guerillataktiken sollten einen Einmarsch in Österreich bremsen und für den Feind so verlustreich wie nur möglich gestalten.

Deutschland als Bedrohung für Vorarlberg

Österreich sollte als Durchmarschgebiet so unattraktiv wie möglich werden. Kernelement dieser Strategie waren die “Festen Anlagen” (FAn) bei leicht zu verteidigenden Knotenpunkt, die vor allem ab den frühen 1970ern entstanden – auch in Vorarlberg. Zwei Panzertürme von ausgemusterten M-47 Patton des Bundesheeres wurden in Egg-Großdorf als Bunkertürme verbaut. Sie sollten deutsche und italienische Einheiten daran hindern, über die Lingenauer Brücke zu marschieren.

Bundesheer
Bundesheer ©Bundesheer

30 Jahre “Feste Anlage” Großdorf

Angelegt wurden die Bunkeranlage Anfang der 1980ern, erinnert sich Militärhistoriker Oberst Erwin Fitz vom Militärkommando Vorarlberg in der NEUEN vom Freitag zurück. Bemannt wurde sie im Einsatzfall von der Sperr-Milizkompanie Großdorf. Getarnt wurde die streng geheime Anlage durch unscheinbare Holzhütten. 1995 verfügte Österreich über hunderte solcher Anlagen, doch der Kalte Krieg war zu Ende – und man begann mit der Abrüstung der obsolet gewordenen Festungen.

Vorarlberger Bunker abgebaut

In den vergangenen Tagen wurde auch die Anlage in Egg “desarmiert”, sprich entwaffnet. Ausgebaut wurden die neun Tonnen schweren Panzertürme von Spezialisten des Verteidigungsministeriums und Pionieren des Militärkommando Vorarlbergs. Nun gibt es Überlegungen, einen der beiden M-47-Türme im Rahmen einer militärhistorischen Ausstellung im Militärkommando Bregenz für die Nachwelt zu erhalten, erklärt Heeressprecher Oberst Michael Kerschat. Der zweite wird durch das Bundesheer verschrottet.

 

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