„Durchhaltevermögen ist gefragt“

Zeugnisverteilung des Pflichtschulabschluss "Leuchtturm"
Zeugnisverteilung des Pflichtschulabschluss "Leuchtturm" ©Gerty Lang
Das Projekt „Leuchtturm“ ist für viele Teilnehmer oft die letzte Möglichkeit, ihren Pflichtschulabschluss nachzuholen.
Zeugnisverteilung "Leuchtturm"

 

 

Dornbirn. Rundum strahlende Gesichter. Die 12 Mädchen und 12 Burschen haben es geschafft und können voller Stolz ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen. Jugendliche ohne Pflichtschulabschluss erhalten durch das Projekt „Leuchtturm“ eine reale zweite Chance. Dies gilt überraschenderweise für alle Teilnehmer/innen gleichermaßen, also zum Beispiel unabhängig von deren Alter, Geschlecht oder Migrationshintergrund. Damit leistet das Projekt der Dornbirner Jugendwerkstätten (DJW) auch einen wichtigen Beitrag zur Integration. „Zwei Leute können sich jetzt auf A2 Niveau in Wort und Schrift ausdrücken, d.h. sie können Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, können Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit und nähere Umgebung geben. Denn im Sommersemester hatten wir sieben Asylwerber und auch zwei Bleibeberechtigte“, erzählt DJW Geschäftsführer Elmar Luger. Die meisten haben jedoch B2 Niveau in Mathe, Deutsch und Englisch. Dann kommen noch die Wahlfächer Gesundheit, Soziales, Kreativität und Gestaltung sowie Berufsorientierung dazu. 22 Absolventen schafften die Prüfungen in einem halben Jahr, zwei brauchten etwas länger. Auch haben acht „Schüler“ als Zusatzqualifikation parallel zur Ausbildung den Staplerführerschein gemacht.

 

Das Projekt „Leuchtturm“ leuchtet seit 24 Jahren

Fachlich und prüfungstechnisch unterstützt werden sie dabei von Direktor Christian Purin von der Dornbirner Mittelschule Lustenauerstraße. Gefördert wird das Projekt vom AMS Vorarlberg, dem Land Vorarlberg und der Stadt Dornbirn. Das Mindestalter für die Teilnahme liegt bei 16 Jahren. Auch AMS-Dornbirn Chef, Herbert Johler, kam als Ehrengast in die Jugendwerkstätten. „Lernen macht Sinn!“, so Johler. „Wir stellen immer wieder fest, dass über zwei Drittel unseres Klientels keine Ausbildung oder nur den HS-Abschluss haben. Für diese Menschen ist es schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“ DJW-Projektkoordinator Ingo Schrank weist darauf hin, dass viele der Kursteilnehmer aus einem extrem schwierigen Umfeld kommen, sei es Psychiatrie, prekären Familienverhältnissen oder Gefängnis. „Wir sprechen von Menschen, die es in ihrem kurzen Leben hart getroffen hat. Hier gilt meine ganze Bewunderung den Kursleiterinnen Elisabeth Schwendinger und Stefanie Helm, die es in relativ kurzer Zeit schaffen‚ geschickte und lernwillige’ Menschen, aus den Teilnehmern zu machen. Sie bereiten die jungen Menschen in Intensivgruppen auf die Prüfungen vor“. Auch die Erfolgsquote kann sich sehen lassen: über 60 Prozent werden vermittelt oder haben bereits einen fixen Arbeitsplatz oder Lehrstelle. Jeweils im September und Februar wird mit einem neuen Kurs gestartet. Die Zeugnisübergabe fand in einem feierlichen Rahmen statt. „Schön, dass wir euch begleiten durften“, waren sich alle Protagonisten einig.

 

Was bringt dir der HS-Abschluss

 

Laura Mathis (16)

Ich möchte mich für eine Lehrstelle bewerben und benötige deshalb einen Schulabschluss. Mit meinem Zeugnis bin ich zufrieden. Vorher hatte ich Probleme in der Schule. Aber in dieser Gruppe habe ich neue Stärke dazu gewonnen. Es war schon schwer. Aber mit Lernen sind auch die Prüfungen zu schaffen.

 

Masuma Shafie (23)

Ich komme aus Afghanistan und bin seit 2 ½ Jahren in Österreich. Ich lebte im Iran und habe dort auch maturiert. Ich habe hier den Pflichtschulabschluss nachgeholt, weil ich meine Deutschkenntnisse verbessern und neue Menschen kennen lernen will. Wichtig ist für mich eine gute Ausbildung. Später möchte ich vielleicht auf die Uni.

 

Seluk Köse (42)

Mein Ziel war der HS-Abschluss. Für mich war das gar nicht so einfach. Jetzt habe ich auch den Staplerschein. Ich möchte gerne wieder in den Beruf einsteigen und kann ein gutes Zeugnis meinem zukünftigen Arbeitgeber vorlegen. Am liebsten würde ich in der Natur arbeiten. In einer Gärtnerei oder Forstbetrieb.

 

Rebecca Kohlhaupt (24)

Nach vier Jahren habe ich endlich den HS-Abschluss geschafft. Nach der Sonderschule war das für mich schwer. Jetzt ist es mir möglich, in die Berufswelt einzusteigen. Ich liebe Tiere über alles, deshalb wäre es schön, wenn ich etwas mit Tieren machen könnte. Mein Traum wäre, im Tierheim oder beim Fressnapf zu arbeiten.

Kontakt:

Mag.(FH) Elisabeth Schwendinger 
Pflichtschulabschluss Leuchtturm
Projektleiterin
Bildgasse 18
6850 Dornbirn 
Telefon: +43 676 833068884

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