Drohbrief an "Kronzeugin"

Bludenz/VN - Eine pensionierte Bedienstete des Bezirksgerichts Bludenz erhielt Todesdrohungen.
Schleppende Ermittlungen

Die Causa um mögliche Unterschriftenfälschungen in der Exekutionsabteilung des Bezirksgerichts Bludenz treibt immer seltsamere Blüten. Wie die VN in Erfahrung brachten, hat eine ehemalige Gerichtsmitarbeiterin – sie ist in Frühpension – einen Drohbrief erhalten. Sie erstattete Anzeige gegen Unbekannt, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gefährlicher Drohung. Der Brief werde kriminaltechnisch untersucht, so Behördensprecher Heinz Rusch gegenüber den VN.

„(…) sie werden einen langsamen und qualvollen Tod erleiden, viel früher als sie denken. Schlechte Menschen erleben nämlich einen schrecklichen Tod“, heißt es in dem Schreiben, das am Morgen des 24. Februar im Briefkasten der pensionierten Gerichtsbediensteten landete. „Die Drohung steht vermutlich in Zusammenhang mit den Vorkommnissen beim Bezirksgericht Bludenz und meiner damit verbundenen Rolle als Kronzeugin“, gab die 53-Jährige noch am selben Tag bei der Polizei Bludenz zu Protokoll. Die Frau, die in dem Brief auch als „charakterlose Lügnerin“ bezeichnet wird, nimmt die „Morddrohung“ offenbar sehr ernst. „Ich leide aufgrund des Inhalts an extremen Angstzuständen und fürchte um mein Leben“, schildert sie bei ihrer Einvernahme.

Fälschungen gemeldet

Die 53-Jährige hatte offenbar schon bei Gericht kein leichtes Leben. Nach Angaben ihres Rechtsanwalts, Michael Battlogg, wurde sie „jahrelang systematisch gemobbt und heruntergemacht“. Wie berichtet, soll die damalige Geschäftsstellenleiterin der Frau sogar mit Jobverlust gedroht haben, nachdem diese die rechtswidrigen Praktiken in der Exekutionsabteilung (mutmaßliche Unterschriftenfälschungen) gemeldet hatte. Die Geschäftsstellenleiterin wurde deshalb wegen schwerer Nötigung angezeigt, worauf sie ihr Amt zurücklegte und sich nach Feldkirch versetzen ließ.

Die 53-jährige Gerichtsbedienstete ging im September 2010 wegen Berufsunfähigkeit in Frühpension. Laut Battlogg stellte der Facharzt eine „schwere Erkrankung infolge Mobbings“ fest. Der Anwalt machte für seine Mandantin bereits Amtshaftungsansprüche gegen die Republik in der Höhe von 50.000 Euro geltend, die jedoch zurückgewiesen wurden. Vor kurzem wurde Klage eingebracht – auf Zahlung von Verdienstentgang und Schmerzengeld. Die Ermittlungen gegen den suspendierten Gerichtsvorsteher Erich Mayer, dessen Gehilfin und mögliche Mitwisser sind noch im Gange. Laut Martin Ulrich, Sprecher der Korruptionsstaatsanwaltschaft, gibt es insgesamt acht Beschuldigte. Mayer steht im Verdacht, die Kanzleileiterin dazu angestiftet zu haben, seine Unterschrift zu fälschen, um in seinem Namen Exekutionsbeschlüsse zu unterfertigen. Hunderte Bescheide könnten so zustande gekommen sein. Mögliches Motiv: Zeit- und Arbeitsersparnis.

Stein flog durch Gerichtsfenster

Auch ein Vorfall, der sich am Vormittag des 7. Jänner ereignete, beschäftigt mittlerweile die Staatsanwaltschaft. Laut Rusch warf eine unbekannte Person einen faustgroßen Stein durch das geschlossene Fenster der Strafkanzlei des Bludenzer Gerichtes. Das Büro war zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise nicht besetzt. Die Anklagebehörde ermittelt wegen schwerer Sachbeschädigung. Der Stein werde molekulargenetisch untersucht, so Rusch.

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