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"Drogen kommen aus der Schweiz zu uns"

Egal ob Cannabis, Kokain oder Heroin: Die Klassiker werden grammweise über die Schweizer Grenze nach Vorarlberg geschafft.
Egal ob Cannabis, Kokain oder Heroin: Die Klassiker werden grammweise über die Schweizer Grenze nach Vorarlberg geschafft. ©APA
Bregenz – Hochrechnungen zufolge werden in Vorarlberg jährlich rund 700 Kilogramm Heroin konsumiert. Die Drogenbeschaffung hat sich von Zürich nach St. Gallen und in das Rheintal verlagert.

„Wenn man davon ausgeht, dass die circa 2000 Drogensüchtigen täglich im Durchschnitt ein Gramm zu sich nehmen, dann sind das allein zwei Kilo am Tag“, schätzt Drogenexperte Bernhard Amann. Doch wie findet der „Stoff“ eigentlich den Weg ins Ländle?

Niederlande, Spanien, Belgien

Die Herkunftsorte sind unterschiedlich. „Mal deckt sich jemand in den Niederlanden ein, mal kommt ein Dealer aus Wien vorbei. Vereinzelt bringen Konsumenten die Ware auch aus Spanien oder Belgien mit“, erklärt Oswald Wachter, Leiter der Abteilung Suchtmittelkriminalität beim Landeskriminalamt Vorarlberg. Allerdings gibt es ein Nachbarland, das vor allem bei den Klassikern hervorsticht. „Cannabis, Kokain und Heroin gelangen größtenteils aus der Schweiz zu uns“, gibt der Experte zu verstehen. Überraschenderweise sind die professionellen Dealer dabei nicht die Hauptschmuggler. Meistens handle es sich um Privatpersonen, die den Eigenbedarf für die nächsten zwei, drei Tage decken.

Beunruhigende Entwicklung

Während Zürich vor einigen Jahren noch die erste Adresse für die Drogensüchtigen war, konnte Wachter aktuell eine Verlagerung feststellen. Die Beschaffungsmöglichkeiten seien näher an die Grenze gerückt – St. Gallen und das Rheintal würden mehr und mehr als Umschlagplätze dienen. Eine Entwicklung, die den erfahrenen Ermittler beunruhigt: „Die Verfügbarkeit wird immer besser. Die Qualität dagegen immer schlechter. Wir kämpfen gegen ein großes Problem.“

Medikamente auf dem Markt

Eine noch größere Problematik stellt der Schwarzmarkt des Medikamentenhandels dar. Einerseits verkaufen Substitutions-Klienten ihre nicht benötigten Kapseln, Tabletten und Pulver weiter. Andererseits kommt es zu einem starken Austausch mit der Wiener Szene, klärt Wachter auf. Zudem sei im Bereich „Research Chemicals“ das rechtliche Problem zu berücksichtigen: „Je nach chemischer Zusammensetzung fällt die Substanz entweder unter das Arzneimittelgesetz oder eben nicht.“ Falls nicht, handelt es sich rein rechtlich um legale Ware, der Besitzer kann folglich nicht belangt werden.

Kaum Drogen aus Deutschland

Die Gefahren, die von den unerforschten Gemischen ausgehen, sind vor allem den Jugendlichen nicht bewusst. Langzeitfolgeschäden oder unverhältnismäßige Reaktionen des Körpers sind nicht vorhersehbar. Und Gegenmaßnahmen im Fall der Fälle für Mediziner nur sehr schwierig einzuleiten. Auffällig ist, dass aus Bayern und Baden-Württemberg kaum illegale Drogen über die Grenze nach Vorarlberg gelangen. Eine mögliche Erklärung sieht der Suchtmittelspezialist im restriktiven Vollzug. „Die Strafen sind in Deutschland einfach sehr hoch. In der Schweiz herrscht dahingehend eine liberalere Politik.“

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