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Drama "Automatenbüfett" im Akademietheater

Barbara Frey versetzt das Drama in eine künstliche Zwischenwelt
Barbara Frey versetzt das Drama in eine künstliche Zwischenwelt ©APA (BURGTHEATER)
16 Jahre ist es her, dass Anna Gmeyners 1932 uraufgeführtes Drama "Automatenbüfett" am Theater in der Josefstadt seine Österreichpremiere feierte. Seit Freitag steht das Werk im Akademietheater auf dem Programm. Barbara Frey hat das kleinbürgerliche Milieu radikal in eine künstliche Zwischenwelt gehoben, aus der Maria Happel, Michael Maertens und allen voran Katharina Lorenz herausstrahlen.

Hoch oben unter dem Schnürboden, unter einem schmalen Steg, liegen die Tiefen jenes Teichs, aus dem der Amateurfischer Leopold Adam die junge Eva fischt und somit vor dem Selbstmord gerettet hat. In seiner Unbeholfenheit schleppt er sie mit nach Hause (das sich auf Bühnenniveau befindet), wo seine resolute Ehefrau mit dem Erbe ihres Vaters ein Automatenbüfett führt. Schnell wird klar, wer hier die Zügel in der Hand hält. Während Maertens als verschrobener Herr Adam von seiner Idee träumt, in den hiesigen Teichen eine Fischzucht anzulegen, sucht die forsche Frau Adam (Happel) jenen Betrüger, der die mit Wurst und Bier gefüllten Automaten mit Vorhangknöpfen füttert. Doch merken beide bald, dass sich seit der Ankunft der verstörten jungen Frau (Lorenz) etwas zu ändern beginnt. Magisch angezogen von ihren Reizen tummelt sich bald das halbe Dorf - und damit seine Entscheidungsträger - im Lokal.

Für Frau Adam ein Geschäft, für Herrn Adam die Chance seines Lebens. Willfährig verführt die schöne Fremde alle vom Landstreicher über den Lokaljournalisten bis zum Bürgermeister, um sie für Herrn Adams Fischzuchtprojekt zu gewinnen. Doch ihre erotischen Bemühungen sorgen auch für Eifersucht uns Missgunst, das Projekt kommt nicht richtig in Fahrt. Zu sehr ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht, statt das Gemeinwohl - kollektiver Reichtum durch Fischexport - im Auge zu haben.

Hoch oben und tief unten, wie auf einem horizontal gesplitteten Bildschirm, manchmal hinter einem transparenten Schleier und stets von Livemusik eines Pianisten auf dem Klavier begleitet (den man übrigens auch aus dem Automaten drücken muss), schafft Barbara Frey eine Welt, in der das Entrückte Standard ist und das Gewöhnliche keine Chance hat. Verkrümmt tänzeln und tanzen die Figuren durch das in diffuses Lichtspiel getauchte Setting und zelebrieren ihre Andersartigkeit. Während Maertens den geprügelten, aber von seinen Ideen beseelten Pantoffelhelden gibt, liefert Katharina Lorenz mit einer bis in die letzte Reihe spürbaren Körperlichkeit, die aber in keiner Sekunde wahre Unterwürfigkeit verspricht, die Performance des Abends.

Als Antagonistin steht ihr Maria Happel als geiziger Hausdrache gegenüber, der seine weiche Seite jedoch nicht immer verbergen kann. Ein Störfaktor in diesem Getriebe von Macht und Ohnmacht ist Christoph Luser als hintertriebener Hausgast Pankraz, der scheinbare körperliche wie geistige Beeinträchtigungen geschickt zur Täuschung nutzt. Flankiert wird dieses schräge Quartett von allerlei Dorfbewohnern, von denen besonders Dörte Lyssewski als Obdachloser Puttgam und Annamaria Lang als Lokalredakteur in Hosenrollen zu begeistern wissen. Martin Zehetgruber hat eine nüchterne, trostlose, aber doch geheimnisvolle Kulisse geschaffen, in der allzu deutlich wird: Bei diesen Menschen muss man nur wissen, welche Knöpfe man drucken muss. Und wenn man sie mit der richtigen Münze füttert, gehen ihre Türen weit auf...

Das Publikum spendete nach zwei pausenlosen Stunden langen, herzlichen Applaus. Vielleicht war es für den einen oder anderen die letzte Premiere, bevor die Coronamaßnahmen wieder für geschlossene Theater sorgen. Das diffuse Gefühl des Abschiednehmens strömte beim Schlussapplaus jedenfalls auch von der Bühne.

(APA)

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