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Doppelschlag gegen FIFA: Razzia wegen WM-Vergabe und Funktionäre verhaftet

Razzia im Hauptquartier der FIFA.
Razzia im Hauptquartier der FIFA. ©EPA
Die FIFA wird wieder von einem Skandal erschüttert. Ermittler nehmen sieben Funktionäre, darunter zwei Vize-Präsidenten fest. In der Zentrale werden wegen der WM 2018 und 2022 Dokumente beschlagnahmt. Dennoch: Die FIFA und ihr Chef Blatter wollen weitermachen wie gehabt.

Laut US-Justizministerium und Schweizer Behörden sind Mittwochfrüh in Zürich insgesamt sieben Personen, allesamt aktuelle oder ehemalige hochrangige Fußball-Funktionäre, festgenommen worden. Ihnen wird von den US-Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen und droht damit die Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Im Visier der US-Justiz stehen insgesamt 14 Personen. Neun davon sind oder waren FIFA-Funktionäre, fünf sind Chefs von Sportmarketing-Firmen. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren wegen organisierten Verbrechens, Betrugs, Geldwäsche und Bestechung.

FIFA sperrt elf Funktionäre vorläufig für alle Aktivitäten

Am Mittwochabend wurde bekannt, dass die FIFA insgesamt elf Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußball-Aktivitäten gesperrt hat. Darunter seien auch die FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, teilte der Weltverband nach einer Entscheidung seiner Ethikkommission mit. Die elf Personen sind: Jeffrey Webb, Eugenio Figueredo, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Jack Warner, Rafael Esquivel, Jose Maria Marin, Nicolas Leoz, Chuck Blazer und Daryll Warner.

Schwarzer Mittwoch für die FIFA

An einem der schwärzesten Tage in der FIFA-Historie haben Festnahmen und Ermittlungen von Justizbehörden aus den USA und der Schweiz den Fußball-Weltverband erschüttert. Offiziell verkauft die FIFA das Geschehen als “positives Ereignis” zur Schaffung juristischer Klarheit. Doch der Imageschaden kurz vor dem Kongress ist fatal. Joseph Blatter will dennoch am Freitag in Zürich für eine fünfte Amtszeit kandidieren.

UEFA fordert Verschiebung der Präsidentenwahl

Eine Verschiebung der Präsidentenwahl fordert die europäische Fußball-Union (UEFA). Das gab UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nach einer Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees am Mittwochabend in Warschau bekannt. “Die UEFA ist der Meinung, dass der FIFA-Kongress verschoben und die Wahl des Präsidenten in sechs Monaten abgehalten werden soll”, erklärte Infantino.

“Die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die FIFA und beschädigen das Image des Fußballs”, hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Der Kongress drohe zur Farce zu werden. Deshalb sollten die europäischen Verbände darüber nachdenken, die Versammlung der 209 FIFA-Mitgliedsländer zu boykottieren. Die FIFA brauche eine neue Führung. “Deshalb sollte der Kongress verschoben und eine neue Präsidentenwahl innerhalb der kommenden sechs Monate organisiert werden”, forderte die UEFA.

Razzia: Verdacht auf “ungetreue Geschäftsbesorgung” und Geldwäsche

Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete am Mittwoch ein Strafverfahren rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Wenige Stunden zuvor waren sieben FIFA-Mitglieder, darunter in Jeffrey Webb auch einer der Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter, festgenommen worden. Die Verfahren und polizeilichen Maßnahmen stehen allerdings in keinem Zusammenhang.

Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben seien im Hauptquartier der FIFA in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt worden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Es bestehe der Verdacht “der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt”. Die Ermittlungen würden nicht gegen konkrete Personen laufen, hieß es.

Vorher sei bereits bei verschiedenen Finanzinstituten in der Schweiz “die Erhebung der betreffenden Bankunterlagen angeordnet” worden, hieß es von der Bundesstaatsanwaltschaft. Verbandsjuristisch waren die umstrittene WM-Vergaben an Russland und Katar eigentlich abgeschlossen, geraten jetzt aber erneut in den Fokus.

“Die heute sicher gestellten elektronischen Daten und Akten sowie die erhobenen Bankunterlagen dienen sowohl dem Schweizer Strafverfahren als auch ausländischen Strafverfahren”, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

“Verhaftete haben Fußball korrumpiert”

Die US-Justizministerin Loretta Lynch hat nach der Festnahme mehrerer Fußball-Funktionären von Korruption seit mindestens 24 Jahren gesprochen. “Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern”, sagte sie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York. “Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.”Lynch kündigte an, die Korruption im Weltfußball rigoros bekämpfen zu wollen. Sieben FIFA-Funktionäre oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren am Mittwoch in Zürich festgenommen worden.FBI-Direktor James Comey betonte, dass es sich bei den Untersuchungen um einen “langwierigen Prozess” handle, “der erst am Anfang steht”. Comey kündigte harte Schritte an. “Wenn sie mit ihrem korrupten Unternehmen in unser Land kommen, werden sie zur Rechenschaft gezogen werden”, so der FBI-Chef. “Dieses so beliebte Spiel wurde gekidnappt”, sagte Comey.

Ermittlungen “erst der Anfang”

Laut der US-Justizministerin Loretta Lynch sind allein im Zusammenhang mit der Copa America 2016 in den USA rund 110 Mio. Dollar (101 Mio. Euro) an Bestechungsgeldern geflossen. Sie äußerte sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz in New York enttäuscht, dass auch die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika 2010 durch kriminelle Handlungen beschädigt worden sei.

Die Copa America findet 2016 erstmals außerhalb von Südamerika statt. Das Turnier wird anlässlich des 100. Geburtstages des südamerikanischen Verbandes erstmals als Gemeinschafts-Event Copa America Centenario in den USA ausgetragen. In Bezug auf die Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 sagte Lynch, die FIFA müsse “tief in ihre Seele blicken”. Die amerikanischen Behörden seien damit aber nicht befasst.

Der New Yorker Staatsanwalt Kelly Currie erklärte, dass die aktuellen Ermittlungen “erst der Anfang” seien. “Diese Art der Korruption und der Bestechung im internationalen Fußball läuft seit zwei Jahrzehnten.” Alle Angeklagten hätten das US-Finanzsystem für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. “Was sie gemein hatten, war die Gier.”

Die laut US-Justizministerium sieben festgenommenen Beschuldigten und ihre Positionen im internationalen Fußball:

1) Jeffrey Webb (Cayman-Inseln/50 Jahre) ist FIFA-Vizepräsident, Präsident des Fußball-Verbandes von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF), FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied, Chef der Anti-Diskriminierungs-Task-Force der FIFA und Präsident des Verbandes der Cayman-Inseln.

2) Eugenio Figueredo (Uruguay/83 Jahre) ist FIFA-Vizepräsident, ehemaliger Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes (CONMEBOL), FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied und Präsident des uruguayischen Fußball-Verbandes.

3) Jose Maria Marin (Brasilien/83 Jahre) ist bei der FIFA zuständig für die olympischen Fußball-Turniere, ehemaliger Präsident des brasilianischen Fußball-Verbandes (CBF) und des Organisationskomitees der Fußball-WM 2014 in Brasilien.

4) Eduardo Li (Costa Rica) ist designiertes Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees und Präsident des Fußballverbandes von Costa Rica.

5) Julio Rocha (Nicaragua) ist bei der FIFA zuständig für Entwicklung und Präsident des nicaraguanischen Fußballverbandes.

6) Rafael Esquivel (Venezuela) ist CONMEBOL-Exekutivkomitee-Mitglied und Präsident des venezolanischen Fußballverbandes.

7) Costas Takkas (Großbritannien) ist der Attache des CONCACAF-Präsidenten Webb.

FIFA-Delegierte in Zürich festgenommen

Am selben Tag hatte die Schweizer Polizei auf Antrag der USA in Zürich mehrere FIFA-Funktionäre festgenommen. Einen Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen gibt es laut der Schweizer Behörden nicht. Mehr dazu: “FIFA-Delegierte in der Schweiz festgenommen”. Die Polizeiaktion fand am frühen Mittwochmorgen im Zürcher Nobelhotel Bar au Lac statt.

Polizeieinsatz gegen FIFA-Funktionäre. Links. Festnahme eines Funktionärs in Zürich. Fotos. AP
Polizeieinsatz gegen FIFA-Funktionäre. Links. Festnahme eines Funktionärs in Zürich. Fotos. AP ©Polizeieinsatz gegen FIFA-Funktionäre im Züricher Nobelhotel Bar au Lac. Links: Einer der Funktionäre wird, verdeckt von einem Tuch, von der Polizei abgeführt. Fotos. AP

Im Falle der sieben Festgenommenen bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz, dass die Verdächtigen in Auslieferungshaft genommen wurden. Ihnen droht die Abschiebung in die USA – die Ermittlungen gehen von Amerika aus. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen.

Auch Blatters Vize Jeffrey Webb unter Verdacht

Zu den Verdächtigen gehören auch FIFA-Vizepräsidnet Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo aus Uruguay – beide Stellvertreter von FIFA-Boss Joseph Blatter, bestätigte die US-Justiz. Insgesamt seien 14 Personen wegen organisierten Verbrechens und Korruption beschuldigt, teilte das US-Justizministerium mit.

»“Das ist ein großer Sumpf. Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen.” Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, heute noch im FIFA-Exekutivkomitee, über den FIFA-Skandal.«

Auch der brasilianische Spitzenfunktionär José Maria Marin – maßgeblich an der WM-Organisation 2014 beteiligt – soll unter den Beschuldigten sein. Zudem steht das designierte FIFA-Exko-Mitglied Eduardo Li aus Costa Rica und der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago unter Verdacht.

Zumindest Webb ist ein ganz enger Vertrauter des Schweizers Blatter. Webb, der Präsident der Nord- und Mittelamerika-Konföderation, vergleichbar mit der Position von Michel Platini in Europa, ist auch Chef der von Blatter hochgelobte Anti-Diskriminierungs-Task-Force und Mitglied des inneren Machtzirkels der FIFA.

Blatter und Valcke nicht unter Verdächtigen

Bei den Ermittlungen gegen FIFA-Funktionäre in den USA und in der Schweiz nicht zu den verdächtigen Personen gehören FIFA-Joseph Blatter und Generalsekretär Jérôme Valcke, erläuterte -Medienchef Walter de Gregorio und wies Forderungen nach einem Rücktritt von Blatter zurück. “Warum soll er zurücktreten? Er wird nicht verdächtigt”, so de Gregorio.

»“Er tanzt natürlich nicht in seinem Büro.” (FIFA-Kommunikationschef Walter de Gregorio am Mittwoch über den Gemütszustand von Präsident Joseph Blatter nach den Polizeimaßnahmen gegen FIFA-Mitglieder in Zürich)«

Behörden: Bestechungszahlungen seit den 90er Jahren

Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 150 Millionen Dollar seit den 90er Jahren. Ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Justiz sagte, das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten. Die Namen der Festgenommenen sollen noch am Mittwoch offiziell bekanntgegeben werden.

FIFA begrüßt Maßnahme, aber: “Das Timing ist nicht das beste”

Der Fußball-Weltverband begrüßte die Maßnahmen der Schweizer Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 zwar generell. Allerdings räumte Kommunikationschef Walter de Gregorio bei einer Pressekonferenz am Sitz der FIFA in Zürich ein: “Das Timing ist nicht das beste: Die Eröffnung des Strafverfahrens gleichzeitig mit dem FIFA-Kongress.” Dieser beginnt an diesem Donnerstag und wird auch wie geplant mit der Wahl des FIFA-Präsidenten am Freitag fortgesetzt.

FIFA-Sprecher Walter De Gregorio während einer Pressekonferenz am Mittwoch. AP
FIFA-Sprecher Walter De Gregorio während einer Pressekonferenz am Mittwoch. AP ©FIFA-Sprecher Walter De Gregorio während einer Pressekonferenz am Mittwoch. AP

De Gregorio: “… FIFA die beschädigte Partei”

De Gregorio stellte noch einmal klar, dass die FIFA den Generalstaatsanwalt im November vergangenen Jahres gebeten habe, das Verfahren zu eröffnen. “Das ist gut für die FIFA. Es nicht gut für das Image, wegen des Rufes. Im Sinne der Transparenz, dass es bereinigt wird, ist es gut”, sagte de Gregorio. “In diesem Kontext ist die FIFA die beschädigte Partei.”

Präsidenten-Wahl: 65. FIFA-Kongress findet trotzdem statt

Der 65. Kongress mit der Wahl des FIFA-Präsidenten am Freitag soll allerdings “definitiv” stattfinden, sagte FIFA-Sprecher Walter De Gregorio. “Wir machen weiter mit unserer Agenda.”

Der 79-jährige Blatter geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim FIFA-Kongress. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem praktisch keine Siegchancen eingeräumt werden. Der FIFA-Kongress soll am Donnerstagnachmittag mit einer Feier in einem Zürcher Theater beginnen. Al-Hussein drückte in einer ersten Reaktion seine Sorge aus. “Heute ist ein trauriger Tag für den Fußball.” Für eine detaillierte Bewertung der Vorfälle sei es aber noch zu früh.

Die Rolle Blatters

EPA
EPA ©FIFA-Cef Joseph Blatter stellt sich unbeirrt der Wahl am Freitag. EPA

Joseph Blatter gehört nicht zu den Beschuldigten. Gegen ihn wird nicht ermittelt. Damit gleichen die Fälle allen anderen Skandalen unter der Regentschaft des FIFA-Chefs. Und wieder stellt sich der Schweizer auch als Opfer da. “Die FIFA ist die Geschädigte”, lautete am Mittwoch das offizielle Statement. Unbeirrt will sich Blatter am Freitag zur Wahl stellen.

Im Aussitzen von Skandalen ist er ein Weltmeister. Dennoch bleibt wieder die Frage, warum der 79-Jährige offensichtlich schwerwiegende kriminelle Vergehen in seiner Organisation nicht registrierte oder – wie in jedem anderen Weltunternehmen – dafür geradesteht.

Und die Konsequenzen?

Anzunehmen ist, dass der Ruf nach einer grundlegenden Erneuerung des Weltverbandes wird wieder laut erschallen. Aber: Der Kongress findet statt. Die Präsidentschaftswahl findet statt. Die FIFA will ihr Programm einfach durchziehen. Sogar die mit Spannung erwartete Verteilung der WM-Startplätze für 2018 und 2022 am Samstag durch das neue Exekutivkomitee soll wie geplant vorgenommen werden, obwohl in Webb und Figueredo zwei Konföderationspräsidenten entweder fehlen werden oder deren Ruf zumindest massiv beschädigt ist. Die Frage ist, ob sich innerhalb des Weltverbandes nun eine Opposition bilden kann, die an Blatters Thron wirklich rütteln kann und vor allem will. (red/APA/dpa)

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