Doch kein missglückter bewaffneter Drogenraub

Zwei der sechs Angeklagten wurden freigesprochen
Zwei der sechs Angeklagten wurden freigesprochen ©APA
Feldkirch - Gericht wertete versuchte Abzocke bei Haschisch-Deal nur als Betrug und Nötigung. Freisprüche für zwei der sechs Angeklagten.

Die Mindeststrafe für den 23-jährigen Erstangeklagten hätte bei einer Verurteilung wegen des angeklagten versuchten schweren Raubes fünf Jahre Gefängnis betragen. Der fünffach vorbestrafte Montafoner kam aber gestern mit vier Monaten Haft wegen Nötigung, fahrlässiger Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes davon.

Denn das Landesgericht Feldkirch wertete den Vorfall vom 27. März in Bürs nicht als missglückten bewaffneten Drogenraub, sondern zum einen als Betrug und zum anderen als Nötigung, jeweils zum Nachteil von Dealern. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Angelika Prechtl-Marte ging nur davon aus, dass der 23-Jährige mit der vorgehaltenen Machete einen Afghanen dazu genötigt hat, sich vom Fluchtauto mit zwei betrügenden Drogenkäufern wegzubewegen. Der junge Afghane griff in die Machete und verletzte sich dabei schwer.

Ebenfalls nur wegen Nötigung schuldig gesprochen wurde der mit zwei Vorstrafen belastete Zweitangeklagte. Dafür erhielt der 20-Jährige zwei bedingte Haftmonate und eine unbedingte Geldstrafe von 960 Euro (240 Tagessätze zu je vier Euro). Er hatte dem Afghanen auf den Kopf geschlagen.

Der Dritt- und der Viertangeklagte hatten 100 Gramm Haschisch erhalten, dafür den Kaufpreis von 1000 Euro aber nicht bezahlt. Für den Betrug wurden die beiden unbescholtenen 20-Jährigen zu Geldstrafen verurteilt: 400 Euro, davon 200 Euro unbedingt für den Drittangeklagten, 320 Euro für den Viertangeklagten.

Im Zweifel freigesprochen wurden der 17-jährige Fünftangeklagte und der siebenfach vorbestrafte 23-jährige Sechst­angeklagte. Ihnen konnten keine Tathandlungen nachgewiesen werden.

Keines der insgesamt sechs Urteile ist rechtskräftig. Ursprünglich hatten einige der Angeklagten an einer angekündigten großen Schlägerei zwischen Afghanen und Türken in Bludenz teilnehmen wollen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Daraufhin bestellten der Dritt- und Viertangeklagte Haschisch.

Keine Raub-Schuldsprüche

Die Verteidiger German Bertsch, Gernot Klocker, Andreas Fußenegger, Edgar Veith, Clemens Achammer und Chris­toph Schneider haben erfolgreich Raub-Schuldsprüche verhindert. Bertsch meinte, es liege beim Erstangeklagten nur eine schwere Nötigung vor. Der Schöffensenat stellte sogar lediglich eine einfache Nötigung fest. Dazu merkte Richterin Prechtl-Marte an: „Wir konnten uns zum Urteil der schweren Nötigung nicht durchringen.“

(Quelle: NEUE/Seff Dünser)

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