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Diese Welle steht bis Sommer

Bregenz - "Wir wussten am Abend der Volksabstimmung, dass das Projekt nun weiterentwickelt werden muss", schildert der Geschäftsführer der Hafen Bregenz GmbH, Jakob Netzer, exklusiv im "VN"-Gespräch. Grafik   | Die neue Welle | Bürgermeister Linhart im VOL Live-Interview

Der Auftrag an die Architekten Nägele, Waibel, Ritsch und Spagolla war klar: “Es muss die Welle bleiben, aber das Gebäude muss die Anforderungen der Schifffahrt erfüllen und für die Bürger ganzjährig verwendbar sein”, sagt Netzer. Und so präsentieren die Illwerke als 95-Prozent-Eigner der Hafen-Bregenz-GmbH eine neue Welle, dieses Mal die entgültige Version. Baubeginn: So rasch wie möglich. Fertigstellung: “Im Sommer”, sagt Netzer.

Elegantes Hafengebäude

Wie die “VN” exklusiv in Erfahrung bringen konnten, teilt sich das Hafengebäude in drei Ellipsen aus Glas, nur das geschwungene Dach aus Holz und die beiden Inseln im Baukörper sind nicht durchsichtig. Die Abgrenzung zu den Seeanlagen und zum Hafenbecken passiert so dezent und fließend wie möglich: So ist nicht nur der Bodenbelag im Gebäude derselbe wie auf dem Hafenplatz, die einzelnen, vier bis fünf Meter hohen Glaselemente können geöffnet werden (siehe “VN”-Grafik). “Die ganzjährige Nutzung ist uns wichtig. So sind nicht nur Schifffahrts-Kunden im Gebäude willkommen, denn die kleine Espresso-Bar soll zum Treffpunkt werden”, erläutert Netzer. Zudem wolle man die Stadt einladen, Palmen in der gläsernen ,Welle‘ überwintern zu lassen. “Dann hätten wir im Winter einen Orangerie-Charakter”, schwärmt der Geschäftsführer. Firmen sollen dann das nachts attraktiv beleuchtete Hafengebäude für Veranstaltungen oder Vorträge buchen können.

“Welle” entpolitisieren

Entpolitisieren habe man das Projekt in erster Linie wollen, sagt Netzer. Von dem monatelangen Hickhack hatten nicht nur Bürger, sondern wohl auch die Projektbetreiber genug. Und so stellten sie die neue Welle bereits am Freitag in der von Walter Fink moderierten Werkstattgruppe vor, während die Bregenzer Stadtvertreter erst gestern Abend einen Blick auf das Modell werfen durften. “Wir haben am Freitag ganz bewusst nur den nicht-politischen Teil der Gruppe eingeladen, zusätzlich aber auch die Bürgerplattform, die sich bei der Volksabstimmung für das Projekt eingesetzt hat”, sagt Moderator Fink auf “VN”-Anfrage. Bürger reagierten schließlich anders als Politiker, so Fink: “Die Teilnehmer waren begeistert. Das Projekt ist jetzt ja auch unvergleichlich besser.”

Netzer ist froh, dass der Wille der Bürger Niederschlag gefunden hat: “Die von den Bürgern der Gruppe meistgewünschten Gebäudeeigenschaften waren: hell, attraktiv, offen und leicht”, schildert Netzer und fügt hinzu: “Das haben die Architekten im vorliegenden Entwurf sehr gut umgesetzt.”

Zusätzlich bügelt die neue “Welle” – sie soll maximal eine Million Euro kosten – die kritisierten Unpässlichkeiten des Vorgängers aus: Es gibt keinen Keller, der bei Hochwasser vollaufen könnte, und keine Dachrampe, die zum Abenteuerspielplatz wird. “Damals ist das unter einem unglaublichen Zeitdruck entstanden”, befand Fink.

Die gestern bei den Illwerken erfolgte Präsentation für Stadtvertreter war gut besucht. “Es war aber kein Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion hier”, sagt Fink und fügt süffisant hinzu: “Das war schade, zumal ich heute Nachmittag drei SPÖ-Stadträte in der Stadt gesehen habe.”

“VN”-Kommentar

Das ist die perfekte Welle
Gerold Riedmann

Die geschwungene, luftige Glasfassade wirkt so unbeschwert wie ein Sommerspaziergang in den Seeanlagen. Die leicht gewellte Holzbedeckung imitiert den fröhlichen Wellengang des Bodensees. Und die scheinbar fließenden Gebäudegrenzen sind ein Genuss. Wie der frische Espresso, den das kleine Café an der Info-Theke direkt am See brühen wird.

Niemand hat damit gerechnet: Nachdem die kantige Pergola schnell politisch fallengelassen wurde und die von Walter Klaus‘ Buntstift inspirierte, eilig geplante “Welle” zwar zu einer emotionalen Volksabstimmung führte, aber dennoch schnell an (Begeisterungs-)Kraft verlor, ziehen die Illwerke nun den mittlerweile dritten Plan für ein Hafengebäude aus dem Hut. Und das Beste: Dieses Mal soll die “Welle” auch wirklich so gebaut werden. Noch heuer.

Es sieht gut aus: Denn die Bürger wollen ein Hafengebäude – das haben sie per Stimmzettel kundgetan. Schiffle-Besitzer Walter Klaus will einen funktionierenden Ticket-Schalter und ausreichend Personalräume anmieten. Und die Illwerke als Bauherr sind Willens, in den kommenden paar Monaten bis zu einer Million Euro in das Gebäude zu investieren. Nun tut sich eine Chance für Bregenz auf: Ein sinnvolles, zweckmäßiges und gleichzeitig schön-modernes Wahrzeichen entsteht und macht die politische Endlos-Diskussion vergessen.

Für alle – außer die Fensterputzer – ist‘s also vor allem eines: die langersehnte, perfekte Welle!

Bürgermeister Markus Linhart im VOL Live-Interview

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