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Diese fünf Gründe führten zum Rücktritt des Hypo-Chefs Michael Grahammer

Rücktritt hatte mehrere Gründe.
Rücktritt hatte mehrere Gründe. ©VOL.AT/Steurer
Paukenschlag in der Causa "Panama Papers" um die Hypo Vorarlberg: Der Vorstandsvorsitzende Michael Grahammer gibt seinen Rücktritt bekannt. Der Druck durch die "öffentliche Diskussion" wurde einfach zu groß. Doch dies dürfte nicht der einzige Grund für seinen Abgang sein.
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Michael Grahammer zieht die Reißleine: “Ich trete zurück, weil die öffentliche Diskussion ein solches Ausmaß angenommen hat. Dies ist keine spontane Entscheidung, sondern eine, die ich schon länger mit mir herumtrage“, sagt er im VN-Exklusiv-Interview. Grahammers Ankündigung schlägt ein wie eine Bombe: bislang war das offizielle “Wording”, er – Grahammer – werde dann zurücktreten, wenn die Hypo-Prüfer “etwas finden” sollten. Gegenüber dem ORF hatte er Geschäfte mit Firmen ausgeschlossen, die auf Sanktionslisten stehen. Allerdings wirkte er schon im diesbezüglichen Interview mit dem ORF aufgekratzt, unsicher. Die Berichte haben merkbar Schleifspuren hinterlassen. Jetzt also sein Abgang. Doch es wäre verkürzt zu sagen, dass die Causa “Panama Papers” der alleinige Grund für seinen Rückzug waren. VOL.AT nennt die fünf Hauptgründe:

1.) Gescheiterte Fusion mit der Dornbirner Sparkasse

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Es schienen geradezu unglaubliche Informationen zu sein, die im Jänner 2015 die Gerüchteküche in den Ländle-Bankenkreisen zum Brodeln brachten: Demnach sollten die Hypo Landesbank Vorarlberg und die Dornbirner Sparkasse eine sehr enge Zusammenarbeit prüfen. Wie eng, sollten die kommenden Wochen zeigen. Die Banken dachten über eine Fusion nach. Die Zusammenarbeit sollte nicht nur das operative Tagesgeschäft, sondern auch eigentumsrechtliche Verschränkungen umfassen. Endpunkt der Entwicklung wäre laut Planern eine neue, gemeinsame Vorarlberger Regionalbank gewesen. Einer der “Masterminds” des Projekts: Michael Grahammer. Dieser ortete ein hohes “Synergiepotenzial”, weil etwa die Dornbirner Sparkasse ihren Schwerpunkt bei Privatkunden, die Hypo aber bei Firmenkunden hätten. Doch schon von Anfang an gab es Widerstand, nicht zuletzt von der Erste Bank als Spitzeninstitut des österreichischen Sparkassensektors. Die Fusion wurde schließlich verworfen. Grahammer bezeichnet das Scheitern rückblickend als “frustrierend”.

2.) Hypo-Moratorium

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Auch so eine Nachricht mit angesagtem “Knalleffekt”: Anfang März 2015 verhängte die Finanzmarktaufsicht (FMA) ein Zahlungsmoratorium für die Schulden der HETA, der Bad Bank der Hypo Alpe Adria. Zugleich gab sie bekannt, selbst die Abwicklung der HETA zu übernehmen. Vom Moratorium sind auch die Pfandbriefe betroffen, die von der Pfandbriefstelle der Hypothekarbanken begeben wurden. Für diese haften die anderen Landes-Hypos solidarisch, im Hintergrund garantieren die Bundesländer für ihre Landeshypos. Bis zum Ablauf des Moratoriums wären 800 Mio. Euro an Heta-Pfandbriefen fällig. Schon damals sorgte die Entscheidung für Kritik – Landeshauptmann Markus Wallner bekannte, eine “ordentliche Wut” im Bauch zu haben, für einen Schaden herangezogen zu werden, “für den man gar nichts kann”. Es sei keine Frage, jemanden zu unterstützen, der unverschuldet in Not geraten sei. “Aber einem zu helfen, der über Misswirtschaft und Korruption einen beispiellosen Skandal angerichtet hat, das macht keine Freude.” 100 Millionen Euro waren anteilsmäßig von der Landes-Hypo zu stemmen. Auch Verlustprognosen machten der Bank in Folge zu schaffen. Michael Grahammer sah in Folge des Hypo-Alpe-Adria-Debakels auch den Namen Hypo ramponiert. Umbenennungspläne wurden öffentlich ventiliert. “Die Marke Hypo hat gelitten in den letzten Jahren. Wir müssen etwas tun”, lässt er sich im November 2015 zitieren. Im VN-Interview bezeichnet er das Moratorium als “sehr herausfordernd” – die Turbulenzen der Pfandbriefbank hätten zur Staatskrise führen können.

3.) Vorarlberg too small

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Wachstum ist natürlich auch bei einer Ländle-Bank die Direktive. Doch das ist in Vorarlberg, wo bereits in ländlichen Gegenden teilweise Bank an Bank steht, nur bedingt möglich. Die Hypo Vorarlberg sah Grahammer daher immer in einem Spannungsfeld zwischen Regionalbank und internationaler Geschäftstätigkeit stehen. Die Bank sei mittlerweile die zehntgrößte in Österreich mit Filialen in Wien, Oberösterreich, der Steiermark, Deutschland, der Schweiz und Norditalien. “Das starke Wachstum der letzten Jahre wäre allein in Vorarlberg nicht möglich gewesen”, so Grahammer. Die Vorarlberger Firmenkunden seien Exporteure, die im Auslandsgeschäft begleitet werden wollen. Dazu brauche die Bank das Akkreditivgeschäft mit chinesischen, russischen, tunesischen oder iranischen Banken. Dies werde allerdings ein zunehmendes Spannungsfeld mit der Politik. “Da muss man sich entscheiden, was man will”, stellte er fest.

4.) Panama Papers, Oligarch & Offshore-Deals

Symbolbild/Bilderbox
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Die FMA wird die Landeshypo Vorarlberg als Folge der publik gewordenen Offshore-Deals bei einer außertourlichen Prüfung unter die Lupe nehmen. Einer dieser Deals, der nach Russland führt, fiel der Finanzmarktaufsicht bereits in der Vergangenheit auf. Es handelt sich um den “Fall” des Putin-Vertrauten Gennadi Timtchenko, zu dem es in Österreich bereits 2012 Ermittlungen wegen Verdachts der Geldwäsche gab. Die Ermittlungen gegen den russischen Milliardär wurden mangels Beweisen eingestellt. Konkret hatte die Finanzmarktaufsicht (FMA) im Zuge einer Prüfung der Vorarlberger Landeshypo im Jahr 2012 eine Verdachtsmeldung an die Geldwäsche-Meldestelle beim Bundeskriminalamt erstattet. Diese Meldung wurde an die Staatsanwaltschaft Feldkirch weitergegeben. Der russische Milliardär mit finnischem Pass und Wohnsitz in der Schweiz machte laut den Enthüllungen aus den “Panama Papers” einen Deal mit der Southport Management Service auf den britischen Jungferninseln. Die Konten sollen laut der Berichterstattung über die Vorarlberger Landeshypo gelaufen sein. Timtchenko wurde im Frühjahr 2014 auf die Sanktionsliste der USA in Folge des Ukraine-Krim-Kriegs gesetzt. Die Berichterstattung darüber sorgte für einigen medialen Wirbel. Die Landeshypo hat in Folge ihre Geschäftsbeziehung mit Timtchenko für beendet erklärt. Man habe in gegenseitigem Einvernehmen einen Schlusspunkt gesetzt, auch “aufgrund bevorstehender Umstrukturierungen”, so Grahammer.

5.) Persönlicher Druck

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Als “keine spontane Entscheidung” bezeichnet Grahammer die Gründe für seinen Rücktritt. Jedoch sagt er selbst, dass die “öffentliche Diskussion” ein solches Ausmaß angenommen habe, dass er beschlossen habe, zurückzutreten. “Schon länger” würde er diese Entscheidung mit sich herumtragen. “Über das letzte Jahr haben sich Ereignisse kumuliert. Nach der jüngsten medialen Vorverurteilung sagte ich mir: Das muss ich mir nicht länger antun. Ich ziehe mich zurück, durchaus in der Hoffnung, dass das für die Bank mehr Ruhe bedeutet.”

» Zum ausführlichen VN-Interview
» “Stürmische See”: Zum Kommentar von Gerold Riedmann

(APA/Red.)

 

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