Die Zukunft miterschaffen

496 Frauen haben 2020 in Vorarlberg ein Einzelunternehmen gegründet, ein Anteil von 48,2 Prozent. Warum Frauen noch etwas zurückhaltender sind, wenn es um den Weg in die Selbst­ständigkeit geht? Wir haben darüber mit Autor und Coach Matthias Strolz gesprochen.

Woran liegt es, dass Frauen noch zaghafter sind? Dies mag zum einen am Naturell, zum anderen an der Sozialisierung liegen. Über Tausende Jahre hatten Frauen eher die nährende und schützende Rolle, die Männer gingen stärker ins Außen, in aggressivere Tätigkeiten. Das ist wohl genetisch, jedenfalls epigenetisch in den Geschlechtern so gespeichert. Das wirtschaftliche Treiben hat mitunter eine Grundaggressivität, die von Frauen als nicht so attraktiv empfunden wird.

Wie könnte man Frauen den Schritt erleichtern? Wir sollten an einem anderen Bild und Selbstverständnis der Wirtschaft arbeiten. Es braucht mindestens so viel Kooperation wie Wettbewerb, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Der Mensch ist ein radikal soziales Wesen. Wir sind Kinder der Postmoderne. Wir haben so viele Möglichkeiten, wie keine Generation in der Geschichte unserer Spezies zuvor. Natürlich haben wir dadurch auch die erhöhte Qual der Wahl. Wir sollten uns Menschen – egal ob Frau oder Mann – als schöpferische Wesen begreifen. Die Frauen haben heute die Freiheit und Möglichkeit, sich selbstbewusst für ihre Wege zu entscheiden. Das halte ich für einen großen Fortschritt – und als Vater von drei Töchtern für eine große Freude.

Wie erkenne ich, ob ich für die Selbstständigkeit überhaupt ­geeignet bin? Ich halte es für wichtig, mit dem Kopf hinzudenken sowie mit dem Bauch und dem Herzen hinzuspüren. Selbstständigkeit braucht sicherlich Initiative, Freude am Tun, ein Grundlevel an Strukturiertheit und Selbstorganisation, vor allem aber sachliche Leidenschaft für das jeweilige Gebiet. Unsere Berufung liegt –  frei nach Aristoteles – dort, wo unsere Talente auf die Bedürfnisse der Zeit treffen.

Welchen Tipp haben Sie für Frauen, die noch „hadern“? Folge der Stimme deiner Intuition und deines Herzens. Und dann geh beherzt ins Anpacken! Schritt für Schritt. Es ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen.

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