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Die Vollmondbraut

Der Mond war da, hoho haha, der volle Mond, seit gestern Nacht in voller Pracht, hihi haha. War er wirklich da? Was hat er gemacht? Er hat gelacht, hihi haha. Sonst auch noch was? Ja, das: Kurz vor Mitternacht ist er, der Volle, der Liebestolle mit Taxi aus einer fernen Galaxi in einem Porsche vorgefahren, der forsche. Was sagt die Gerti Senger dazu? Nichts, denn er kam nicht zu ihr, wie sie‘s gern hätte, in die Krone, ob mit oder ohne. Dieser Vollmond stieg im Seidenhemd aus, der Gent, und in Silberkrawatte und in weißer Hose (Stretch 7/8) mit einer Rose in der Hand, damit eine Schöne ihn erblicke, auf dass er sie. Oh? Was lese ich da, sprach der Pfarrkirchenrat. Unkeuschheit! Das ist zuviel, der Baron ist toll! So etwas schreibt man nicht im Vol.

Dem neuen Vollmond war das egal. Er schwamm fahl & fool unmittelbar nach Erscheinen, kurz vor der Geisterstunde, im Swimmingpool von Gmeiners Garten eine Runde. Da entdeckte Frau Gmeiner, sie war die Erweckte, den liebestollen Vagant, genannt Erdtrabant. Die Gmeinerfrau , mit Vornamen Lea, lechzte gerade nach Liebe und erträumte sich im Schlaf das Glück, das sie seit Jahren im wachen Leben misste. Oh, dass einer doch käme und sie herzhaft nähme und küsste. Ihr Mann, der Frank, neben ihr schlief tief und stank nach Alk und Zigaretten. Flirt! Ein Hohn. Orange Jugendstilpackung! Danke. Der einzige Ton, den Lea im Ikea-Schlafzimmer hörte, war das Schnarchen, das penetrante, das Lea in- und auswendig kannte. So war es am Samstag Nacht immer bei Gmeiners. Das ist nicht romantisch, schimpfte Lea im Traum, stand auf und sah direkt auf den silbernen Baum im Garten neben dem Pool, in dem, wie lieb, grad der Vollmond schwamm und dabei leise sang: „Cherchez la femme!“ Sucht er mich? Da wurde aus dem Baum ein Bäumchen: „Rüttel Dich und schüttel mich, wirf Silber und selber dich über mich! Halleluja Aus Schluss Amen!“ Sie lehnte sich weit aus dem Fenster und fiel aus dem Rahmen. Gespenster flogen ums Eck und flüsterten munter: Wirf doch dein H&M-Nachthemd hinunter! Das tat sie und stand plötzlich nackt vor dem schwimmenden Mond, dem vollen, dem liebestollen, der gestern Nacht um 23 Uhr 14 mit Taxi aus einer fernen Galaxi ihr Unruh gebracht. Noch dazu war er einem silbergrauen Porsche entstiegen, der forsche. Frank stank und schnarchte noch immer im IKEA-Schafzimmer. Liebeskrank eilte sie in die Küche, trank – einen Krütletee und las im Mondbuch von Johanna P., um mit Lesen zu genesen. Dort stand: „Alles setzen, was nach oben wächst; Säfte steigen auf!“ Jetzt war die Gmeinerin nicht mehr zu halten, pfiff auf den inzwischen auch pfeifenden Alten, setzte sich zu allem entschlossen auf den glitschigen Mond und ritt, igittigitt, auf weißen Rossen vorbei an güldenen Sternen in galaktische Fernen, nicht zu zählen. Da kommt man doch tatsächlich ins Schwärmen. Lea hieß fortan Bea.

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