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Die "Superjacht" von Vorarlberg

Spur führt nach Vorarlberg.
Spur führt nach Vorarlberg. ©youtube
82 Meter lang, Indoor-Pool, Heli-Landeplatz: Schon von der Bodenseejacht "Graceful" gehört? Nein? Dabei wird es wohl auch bleiben. Dennoch eignet sich das Ländle als perfektes Vehikel, die Superjacht zu verstecken. Wie das klappt, zeigen nun die Panama-Papers auf.

Allein die oberflächliche “Google”-Suche macht sicher: Die schicke Hochseejacht “Graceful” spielt alle Stückerl. Stapellauf, Kielgang, Knoten, Ausstattung – Netzseite um Netzseite müht sich an den Daten ab, dem geneigten Leser wird jedes nur noch so erdenkliche wissenswerte Detail präsentiert. Jedes? Nun, wem die Jacht eigentlich wirklich gehört, bleibt im Dunkeln. Ein Mysterium – vor allem auch für Steuerfahnder. Dank der “Panama Papers” wird der Vorhang nun aber etwas gelüftet. Der “ORF” widmet dem Mysterium einen ausführlichen Bericht. Es gibt sozusagen eine heiße Spur, welche zum Eigentümer führt. Und diese führt auch durch Vorarlberg. Genauer gesagt durch die Hypo-Passage 1, A-6900 Bregenz.

Verschachtelte Strukturen

Die verschachtelten Strukturen, die hinter den Eigentumsverhältnissen der “Graceful” stehen, sind symptomatisch. Auf dem Papier gehört die Jacht laut “ORF” einer Briefkastenfirma mit dem klingenden Namen Olneil Assets Corp., registriert auf den britischen Jungferninseln. Als Direktoren fungieren die Österreicher Christian W. und Reinhold O. Die Offshore-Gesellschaft Olneil wiederum gehört der Mischitos Investment S.A., die ihren Sitz in Panama hat. Und es geht munter in der Tonart weiter: Die Mischitos Investment gehört drei Personen – Präsident Roland Öhri, Schatzmeister Christian W. und Protokollführer Jan T. Christian W. fungiert somit in der Olneil Assets Corp. als auch in der Mischitos als Direktor. Würde man, so der ORF, nach den Nutznießern dieses Konstrukts fragen, würde man irgendwann an Roland Öhri und seine Treuhandfirma Sequoia Trust Reg. mit Sitz im liechtensteinischen Ruggell verwiesen. Diese hätte es sich zur Aufgabe gemacht, für Kunden nach steuerschonenden Modellen Ausschau zu halten. Die Sequoia-Mitarbeiter würden sich der Finanzaufsicht als Geschäftsführer der Vehikel, in der die Firma das Vermögen verstecke, präsentieren. Zurück zur “Graceful”: Für die Finanz gehört das Schiff der Sequoia – und der tatsächliche Eigentümer bleibt anonym.

Spur führt ins Ländle

In den Unterlagen zur Olneil Assets Corp. jedenfalls findet sich ein Dokument, das nach Österreich weist. Es handelt sich laut ORF um eine Rechnung von Mossack Fonseca & Co. über 270 US-Dollar für die Ausstellung eines amtlich beglaubigten Certificate of Good Standing. Dieses Zertifikat sei eine Art Führungszeugnis der Gesellschaft von den Behörden der Britischen Jungferninseln. Die Rechnung wurde nicht an Treuhänder Sequoia, sondernt an die Ländle-Hypo ausgestellt. Olneil, das die Jacht ja hält, habe ausdrücklich per Mail verlangt, dass die Firmenpapiere direkt auf die Ländle-Hypo auszustellen seien – diese habe schließlich die Papiere angefordert. Kein Einzelfall: So wiesen 52 von 218 Sequoia-Briefkastenfirmen laut Panama Papers eine Verbindung zur Ländle-Hypo auf. So wurden Rechnungen für beglaubigte Firmenpapiere direkt an sie gestellt. Auch erhielten Briefkastenfirmen Kontoauszüge von der Bank. Zudem wurden Rechnungen anderer Unternehmen von einem Hypo-Konto aus bezahlt. Hier stelle sich laut Bericht die Frage, warum eine österreichische Bank – zudem zu 76 Prozent im Landesbesitz – die Kosten für Identifikationspapiere von Briefkastenfirmen trage, die – wie in der Causa “Graceful” – dazu dienen könnten, Vermögensverhältnisse zu verschleiern.

Hypo beruft sich auf Bankgeheimnis

Grundsätzlich sind österreichische Banken vom Gesetz her verpflichtet, die wirtschaftlich Begünstigten der Gesellschaften zu kennen, die bei ihnen Konten eröffnen. Bei Papieren wie etwa dem Certificate of Good Standing gebe es aber laut ORF höchstens eine vage Spur zum eigentlichen Eigentümer der von Sequoia verwalteten Vermögenswerte – hier der Jacht. Auf Nachfrage, ob die Hypo Vorarlberg die eigentlichen Nutznießer der Gesellschaften kenne, für die Sequoia bei ihr Konten führen ließ, berief sich das Unternehmen auf das Bankgeheimnis. Verneint wurde jedenfalls die Frage, ob die Hypo die Liechtensteiner mit der Betreuung “heikler” Kunden beauftragt habe. Zudem könnten einige Kunden der Hypo laut ORF politisch heikel sein. So betreut Sequoia eine Briefkastenfirma, die seit 2015 wegen der Ukraine-Krise auf der Sanktionsliste des US-Außenhandelsministeriums steht. Auch diese halte ein Konto bei der Ländle-Hypo. Die Hypo verlautbarte bereits, dass sie keine Konten von Firmen führe, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Die sanktionierte Briefkastenfirma selbst gehöre Gennadi Timtschenko – jenem Oligarchen, mit dem die Hypo nun die Geschäftsbeziehungen abbrach und der als Putin-Vertrauter gilt.

Jedenfalls bleibt die Frage, wer nun Eigentümer der “Graceful” ist, weiter im Verborgenen. Allzu viele Personen dürften nicht in Frage kommen. Die Luxusjacht wurde in einer Werft hergestellt, auf der sonst russische Atom-U-Boote vom Stapel laufen.

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