Die Macht des Erzählens

Wolfgang Matz, Verena Brunner-Loss, Elisabeth Edl und Jürgen Thaler vor der Lesung.
Wolfgang Matz, Verena Brunner-Loss, Elisabeth Edl und Jürgen Thaler vor der Lesung. ©Andrea Fritz
Buchräsentation Arno Geiger

Das Vorarlberger Landestheater und das Franz-Michael-Felder Archiv luden Donnerstagabend zu Arno Geigers Buchpräsentation und Lesung “Der alte König in seinem Exil” ins Kornmarkttheater.

Intendant Alexander Kubelka und Wolfgang Matz vom Hanser-Verlag begrüßten das Publikum im bis zum letzten Platz ausverkauften Haus. Matz, der Arno Geiger seit “Die kleine Schule des Karussellfahrens” von Seiten des Hanser-Verlages begleitet, bezeichnete den neuen Roman als ein bedeutendes Stück Literatur, mehr als das – denn es ist eine sehr persönliche Geschichte. Weg von einer 1997 noch artifizielleren Sprache hin zur Erfahrung des nun über 40jährigen Sohnes der bekennt, dass er diesen Roman mit 30 nicht schreiben hätte können. Und nun, gerade halb so alt wie sein Vater, sei das Thema da, habe ihn “an der Gurgel gepackt”.

In eindrucksvollen Sprachbildern werden die Kindheit des Vaters und die Personen seiner Vorfahren – der strenge “Däta” und die arbeitssame Großmutter – lebendig. Von Kindern, die in Obstkisten das Laufen erlernten, der strengen Feldarbeit, geflickten Radreifen und der ersehnten Ernte, die den Hunger der großen Familie linderte. Dann die Geschichte des Vaters August, des Gemeindeschreibers, und dem langsamen, von der Familie unerkannten Heranschleichen der Demenz. In der Sprache des Autors “zieht die Krankheit ein Netz” und der Vater hält manches “mit der Miene eines Pferdes, das im Gewitter steht” aus.

Der an Alzheimer erkrankte Vater Geigers wird als Gestalt verständlich gemacht, seine Geschichte berührend, einfühlsam und liebevoll erzählt. Dass der Kuppelsaal der Landesbibliothek, vielfach verwendet für Arno Geigers Lesungen, mittlerweile zu klein ist, versteht sich übrigens von selbst: als einer der bekanntesten deutschsprachigen Autoren zieht der Wolfurter Literat (und ab Juni Friedrich-Hölderlin-Preisträger!) ein großes Publikum in seinen Bann.

Tief berührt von der Lesung zeigten sich nicht nur die in zwei Bussen angereisten Wolfurter Gäste, sondern auch jene Leser, die im Familienkreis mit dem Thema Demenz zu tun haben – nicht zuletzt aufgrund der Demographie gewinnt dies immer mehr an Aktualität. Jürgen Thaler vom Felder-Archiv, Susanne und Martin Sagmeister, Präsident des neuen Vereins der TheaterFreunde, Dramaturg Dirk Diekmann, Buchhänderlin Verena Brunner-Loss, Übersetzerin Elisabeth Edl, Ex-ORF-Mann Adi Fischer mit Elisabeth, Dr. Magnus Brunner mit Eva, Veronika Seifert und viele weitere Gäste ließen sich von der großartigen Liebeserklärung Geigers an seinen Vater begeistern. afp

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