Die letzte Ehre

Herlinde Kempf und German Baldauf wurden mit polizeilichen Ehren beerdigt. Hunderte Freunde und Kollegen gingen mit ihnen den letzten Gang. Polizeiliche Ehren  |  Abschied:    | Unglück:    |  | Kondolenz:   

Vor dem Altar steht eine schlichte Urne aus hellem Holz. Daneben liegt ein Kranz aus roten und weißen Rosen. Sechs Polizisten stehen Spalier. Ein Foto im Silberrahmen zeigt German Baldaufs Gesicht. Hinter dem Altar leuchten noch die geschmückten Weihnachtsbäume. Bereits 30 Minuten vor Beginn des Trauergottesdienstes ist die Lochauer Kirche voll. Über 200 Polizisten und rund ebenso viele Freunde, Bekannte und Familienmitglieder erweisen dem Verstorbenen die letzte Ehre.

„Eine Spur der Verwüstung“

„Wie ein Sturm, der eine Spur der Verwüstung zurück gelassen hat, haben wir die Tage seit dem 29. Dezember erlebt“. So beginnt der Lochauer Pfarrer Gerhard Mähr seine Predigt.

Gruppeninspektor German Baldauf, Inspektorin Herlinde Kempf, Bestatter Manfred Petschenig und ein 18-Jähriger Wolfurter wurden am vergangenen Freitag auf den Lochauer Bahngleisen von einem EuroCity überrollt. Alle vier wurden am Donnerstag beigesetzt. Am Tage seines Begräbnisses hätte der 63-jährige German Baldauf sein 36. Dienstjubiläum bei der Polizeiinspektion Lochau feiern können.

„German war mit Leib und Seele Polizeibeamter. Die Kollegen schätzten seine hilfsbereite, fröhliche und gesellige Art“, so Pfarrer Mähr. Die Fotografi e war Baldaufs Leidenschaft. Seine Freizeit verbrachte er am liebsten im eigenen Garten. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. „Auch wenn wir uns heute von seinem Körper verabschieden, sein Geist wird immer noch unter uns sein“, erklärte einer seiner Kollegen vom Obst- und Gartenbauverein.

„Dieser Tod hat besondere Tragik“

Auch Landeshauptmann Herbert Sausgruber würdigte die verstorbenen Polizisten. Baldaufs kriminalistischen Fähigkeiten in der Spurensicherung seien über die Landesgrenzen hinaus bekannt gewesen. „Es ist eine besondere Tragik, dass German Baldauf und Herlinde Kempf bei der Erfüllung ihrer Dienste ihr Leben lassen mussten. Es gibt Geschehnisse, die unser Menschenverstand nie wirklich verstehen wird“, verdeutlichte Landespolizeikommandant Manfred Bliem.

Hubert Gorbach überbrachte Beileidsbekundungen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Ganz Österreich sei über den tragischen Unfall geschockt. Der Verkehrsminister erinnerte in seinen beiden Ansprachen auch an die verstorbene Innenministerin Liese Prokop, die ebenfalls an den Vorarlberger Trauerfeiern hätte teilnehmen wollen.

In Lochau sangen die Angehörigen „Wir sind nur Gast auf Erden“. „Der Titel dieses Liedes entspricht der Realität“, verkündete Pfarrer Gerhard Mähr.

Lindls Lieblingslied

In Andelsbuch hatte sich der Lebensgefährte von „Lindl“, wie Herlinde genannt wurde, für sie ihr Lieblingslied gewünscht. Die Polizeimusik Vorarlberg spielte „Nothing else matters“ von Metallica.

„Herlinde und ihr Freund wollten bauen. Vor zwei Wochen erst haben sie die Pläne für ihr neues Haus bekommen“, so eine Bekannte der Verstorbenen zur NEUE. Die 32-jährige Lindl war gelernte Restaurantfachfrau. Erst vor drei Jahren trat sie ihren Traumjob an: Polizistin. Die Spurensicherung war ihre Leidenschaft.

Der Andelsbucher Pfarrer Edwin Matt gab zu, dass das Unglück sprachlos mache. „Warum musste so ein blühendes Leben so ein jähes Ende nehmen?“, fragte auch Manfred Bliem. Die großgewachsene, hübsche, junge Frau sei unkompliziert, verlässlich und im Herzen immer eine Wälderin geblieben.

Lindl war mit ihrem offenen und freundlichen Wesen bei ihren Polizeikollegen in Hard sehr beliebt. „Das zeigt auch die überwältigende Anteilnahme heute hier in der Kirche“, so der Pfarrer. Das Andelsbucher Gotteshaus war so voll, dass sogar die Seitengänge und der Mittelgang besetzt waren. Als Abschlusslied sang die Trauergemeinde „Von dunklen Mächten wunderbar geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Die letzte Ehre
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.