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Die Gunst der Stunde genutzt

Das Haas-Quartett bei der Schubertiade Hohenems.
Das Haas-Quartett bei der Schubertiade Hohenems. ©Schubertiade

Die Neuentdeckungen für das Festival-Programm sorgten für Begeisterung.

Schubertiade Hohenems. Für Überraschung beim Final-Wochenende sorgten ein Einspringer und eine Debütantin, ein Pianist und eine Sängerin. Beide waren hierzulande auch Insidern kaum bekannt, was sich freilich bald ändern dürfte. Denn sie verstanden die Gunst der Stunde zu nutzen und überzeugten mit herausragenden Leistungen. Der deutsche Pianist David Theodor Schmidt, für ein durch widrige Umstände entfallenes Konzert von Kaliber Ian Bostridge innert zwei Tagen eingesprungen, fettete damit die diesmal mit nur einem von 17 Konzerten stark unterbelichtete Klavierfraktion auf. Der 28-jährige Erlangener weist bereits Rezitals im Ausland, wichtige Wettbewerbsstationen und eine erste CD beim Renommier-Label Sony auf. Auf der Bühne erscheint ein höflicher junger Mann, der mit Bachs prächtiger Partita Nr. 2 c-Moll sogleich eine brillante Visitenkarte ablegt: unprätentiös, federleicht, glasklar im Anschlag, in der Gewichtung der Akzente, in der kontrapunktischen Stimmführung. Manchmal mit einem Hang zum Swing.

Berufener Liszt-Interpret

Dagegen wird auch ihm, wie seinem bereits berühmteren Kollegen Martin Stadtfeld, Schubert zum Prüfstein. Etwas überhastet geht er die Drei Klavierstücke D 946 an, verzärtelt das Thema des zweiten, kommt erst langsam ins richtige Fahrwasser. Die Reife, die Schmidt danach bei Beethovens “Pathetique” auch im sanglichen Adagio beweist, wird ihm eines Tages bestimmt auch den Zugang zu Schubert öffnen. Treffsicherheit und überlegene Technik qualifizieren ihn heute schon zu einem berufenen Liszt-Interpreten, der in dessen Variationen über Bachs “Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” unter dem Tastendonner auch den vorhandenen Tiefgang findet.Von einem noch wesentlich höheren Qualitätslevel geht Christiane Karg bei ihrem Debüt aus. Die aus Bayern stammende 30-jährige Sopranistin mit beachtlichem künstlerischen Vorleben u. a. bei Harnoncourt besitzt bereits alle erwünschbaren Eigenschaften einer ausgereiften Sängerpersönlichkeit: Eine fast lieblich helle, flexible Stimme, die sie nach Bedarf auch perfekt abzudunkeln versteht, eine berührende Pianokultur, ein tolles Volumen und eine Aussprachedeutlichkeit, dass man das Textheft unbesorgt beiseite legen kann.

Balsam auf den Seelen

Ihr Programm mit sorgsam ausgewählten Frühlings- und Blumenliedern von Schubert und Schumann ist Balsam auf die Seelen aller momentan Wettergeplagten, der großartig präsente Wolfram Rieger zaubert dazu Naturbilder samt Lerche aus dem Steinway. “Er ist’s” von Schumann nach Mörike stattet Karg mit strahlend sicheren Spitzentönen aus, in Schuberts “Viola” nach Schober erzählt sie wie in einer kleinen Theaterszene die Geschichte vom Schneeglöcklein so ausdrucksstark und anschaulich, dass man ihr noch stundenlang hätte zuhören können. Bei beiden Debütanten erhofft man sich ein Wiederhören nächstes Jahr in Schwarzenberg!

Nächste Schubertiade Hohenems: 14. bis 17 Oktober; Schubertiade Schwarzenberg: 18. bis 27. Juni, 27. August bis 12. September

Quelle: VN – Fritz Jurmann

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