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Die große Schlacht der Silhouetten

Lukas Wagner veranstaltet am 22. Februar im Kulturhaus Dornbirn die Schattenschlacht.
Lukas Wagner veranstaltet am 22. Februar im Kulturhaus Dornbirn die Schattenschlacht. ©Emir T. Uysal
Interview mit Lukas Wagner (25) über Träume, Pläne und das bevorstehende Großevent.

DORNBIRN Am 22. Februar findet die Schattenschlacht im Dornbirner Kulturhaus statt. Lukas Wagner (Slamlabor Vorarlberg) ist Veranstalter und Moderator des Poetry Slams. Das Besondere: Die Künstler werden nicht gezeigt. Nur ihre Silhouetten sind für das Publikum sichtbar. Wagner stellte sich für die VN-Heimat und VOL.AT Rede und Antwort.

Was fasziniert Sie an Poetry Slam?

Wagner: An Poetry Slam? Wenig. An Sprache: Alles. Wie unglaublich ist es, dass der Mensch, egal woher er kommt, im Grunde mit jedem anderen Menschen auf verbale Art und Weise kommunizieren kann? Mit meinen Veranstaltungen rund um das Thema Sprachkunst möchte ich Erlebnisse schaffen, die mit dieser Sprache verbunden sind. Ich denke, dass Sprache ein Schlüssel ist und Türöffner sein kann und bin ein riesiger Fan von Geschichten, die das Leben schreibt. Umso schöner mit meinen Events selbst zum Teil fremder Geschichten zu werden. 

Sie nehmen nun oft den Part des Moderatoren ein. Fehlt es Ihnen, ihre eigenen Texte vorzutragen?

Wagner: Haha, tatsächlich! Ganz ehrlich? Ich würde gerne einfach mal bei meiner eigenen Veranstaltung im Publikum sitzen und den Texten lauschen und mich vor Ort um nichts mehr kümmern müssen. Wenn man als Veranstalter gleichzeitig auch moderiert, sind zwar die Gespräche in der Pause etwas unterhaltsamer, als gedacht („Was machst du eigentlich beruflich?“), der Druck aber ein ganz anderer. Auf der Bühne musst du funktionieren, du musst Brücken bauen zwischen den Künstlern, die nicht wertend sind, ein großes Publikum bei Laune halten und bist als Veranstalter dann auch noch gleichzeitig Ansprechpartner, falls mal etwas nicht ganz so läuft, irgendwelche Fragen sind, usw. Ich möchte aber mit meinen Veranstaltungen Kunst auch authentisch auf Augenhöhe zugänglich machen und da gehört es für mich dazu, dass ich viele meiner Veranstaltungen selbst moderiere, weil einfach kein externer Moderator die Events so gut kennt, wie ich. Was aber stimmt an dieser Frage: Ich vermisse tatsächlich das Auftreten mit eigenen Texten, bin aber grundsätzlich im Jahr für etwa 30-50 Shows gebucht. Das sind zwar meist keine Poetry Slams mehr, dafür aber Weihnachtsfeiern, Hochzeiten, Workshops für Schulen, Lehrlinge, usw. Gerade letzte Woche bin ich mit altem Spirit knapp 10 Stunden ins Wallis in die Schweiz gefahren, um an einem Poetry Slam teilzunehmen, den ich dann am Ende auch gewinnen konnte. Aber um den Sieg bei einem Slam geht es mir schon lange nicht mehr, das ist irgendwann etwas verblasst.

Warum „Schattenschlacht“?
Wagner: “Poetry Slam” und das Erzählen von Geschichten im Wettbewerb ist mittlerweile bereits so populär geworden, dass der wahre Kunst-Kern zu Teilen hinter oberflächlichen Facetten verloren scheint. Die Schattenwand schafft es, Sprachkunst und viele weitere Talente und Fähigkeiten wieder in ihrer Pracht aufleben lassen. Endlich mal wieder “abschalten” und den Fokus auf Stimme und Textinhalt richten: Ein weltweit einzigartiges Format, welches eines verspricht: Unvergesslich zu sein!“

Woher kommen dieses Mal die Sprachkünstler? Was wird sonst noch auf der Bühne geboten?

Wagner: Was mir an meinen Veranstaltungen ganz besonders gefällt ist, dass ich mir die Events im Grunde eigentlich komplett selbst konzipieren kann. Außerdem binde ich auch das Feedback meiner Gäste in die Veranstaltung mit ein, weil es mir einfach ein Anliegen ist, nicht nur stringent eine Linie zu fahren, sondern auch anzuerkennen und wahrzunehmen, dass man sich stets weiterentwickelt. Fehler machen ist gänzlich okay, sind Fehler im Grunde einfach auch nur „Zeitinvestitionen mit negativem Ausgang“. Jede Zeitinvestition ist eine Erfahrung und jede Erfahrung ist positiv, weil sie dich vorantreibt und dich dorthin-bringt, wo du gerade stehst.

Im Line-Up sind wie-gewohnt hochkarätige Slam-Poeten wie Tom Candussi (dem Trize-Meister bei den deutschsprachigen Slam-Meisterschaften) aus Wien und Martin Weyrauch (aus Etzen-Gesäss), als auch Ines Strohmaier (Vorarlbergs U20 Star-Küken) und natürlich auch Maurice Massari (Berlin) am Start. Außerdem sind zwei Überraschungen noch im Poeten-Line-Up, auf die man sich ebenso freuen darf.

Abseits davon haben wir eine Akrobatik-Show mit im Programm. Der „ganz kleine Zirkus“ von Stefan Schlenker ist mit ins Programm involviert. Ganz ehrlich? Mitunter das Schönste, was ich diesbezüglich fühlen darf, denn ohne die Arbeit von Stefan Schlenker im Kleinen Zirkus wäre ich bei Weitem nicht da wo ich jetzt bin. Vier Jahre war ich selbst Teil des Kleinen Zirkus und war als Tuchakrobat und Jongleur einer der wenigen Männer, die sich auch in das Tuch „getraut“ haben. Stefan ist ein großes Vorbild in der Arbeit mit Künstlern und Erarbeitung von Regie und konzeptioneller Kleinkunst. Er hat mir gezeigt, was entstehen kann, wenn man junge Leute frei ihr Stück quasi selbst entwickeln lässt. Umso schöner für mich mit der Integration des Programmpunktes, etwas zurückzugeben und anderen Mut zu machen, an ihre Träume zu glauben.

Außerdem ist für die Halbzeit-Show noch was ganz anderes großes geplant. Und da pumpt mein Herz gewaltig, denn das gab es in Vorarlberg noch nie. Eine Shadow-Mapping Show ist eine angepasste Show, wo mit Schatten und Kunst gespielt wird. Die Lichtinstallation wurde von Chris Cross entwickelt, der bei der Schattenschlacht als Tänzer auftreten wird. Er gehört mit seiner Kunst zu den besten Tänzern weltweit und konnte Österreich bei den Weltmeisterschaften in den USA gut vertreten, wo er sich Gold holte und somit Weltmeister im Showtanz wurde. Als ich die Show gesehen habe wusste ich „ Den Mann brauchen wir für das Programm!“ ich freue mich so sehr auf diesen Halbzeit-Act.

Ist das Kulturhaus Dornbirn nicht ein unüblich großer Veranstaltungsort für einen Poetry-Slam?

Wagner: Dass das nicht irgendein Poetry Slam ist, ist wahrscheinlich schon beim Lesen der ersten Zeilen aufgefallen. Mein Anliegen ist es nicht irgendwelche Wettbewerbe zu konzipieren, sondern mein Traum ist es Kultur in ihrer schönsten Form, so groß wie möglich strahlen zu lassen. Der Poetry Slam in Dornbirn – die Schattenschlacht – ist ein unglaubliches Event mit dem großen Traum von mir, aufzuzeigen, was in uns allen steckt – was in Vorarlberg steckt! In „üsram Ländle“! Denn wenn der Saal mehr als 500 Menschen fasst, dann sind wir nicht nur unglaublich vollgepackt in der Location, sondern gleichzeitig der größte Poetry Slam Österreichs und diesen Titel hole ich mir gerne dorthin, wo es hingehört: Nach Vorarlberg, in meine Heimat!

 „Herzblatt“, „Schattenschlacht“, MED-Slam … Woher kommen die ausgefallenen Ideen?

Wagner: (lacht) viele Ideen stammen tatsächlich aus eigener Feder, entstehen dabei aber aus den spannendsten Gesprächen, oder Situationen und irgendwann gibt es dann immer mal ein beiläufiges „Warum machst du eigentlich darüber keine Veranstaltungen?“ Und schon plane ich damit, das geht dann schnell:„ Location suchen, Idee zusammenschreiben, anrufen, besprechen, Programm durchplanen, evtl. Event-Partner suchen/finden“.

Was mir sehr wichtig ist, ist es auf der Entwicklung von meinen Veranstaltungen mir Feedback einzuholen. Das mache ich nicht aus dem Drang bestätigt zu werden und durchgehenden Applaus einzuheimsen, sondern primär mit dem Zweck, dass ich diese Events immer schon als Gemeinschaftsprojekt wahrgenommen habe. Jede Veranstaltung ist für mich eine Vereinbarung zwischen meinem Gast und mir, dass wir gemeinsam einen tollen Abend haben werden und wenn da einer der Beiden etwas hadert, dann hilft man sich aus, schlägt Dinge vor und gibt einfach Ideen weiter. Was daraus entsteht weiß man im Vorfeld nie, aber Feedback egal in welcher Form schafft die Möglichkeit über sich hinaus zu wachsen und mit der richtigen Basis kann man das Fundament dann auch halten.

Slamlabor Vorarlberg feierte Ende 2018 sein 100. Event. Macht das irgendwann müde?

Wagner: Ich bin jetzt 25 Jahre alt und hab mir primär selbst mit der Anzahl der Veranstaltungen das Zeichen gesetzt, dass alles möglich ist, wenn wir an Träumen arbeiten. Ich bin im Grunde alleine im Organisationsteam. Je nach Veranstaltung kann es sein, dass noch eine zweite Person mitwirkt, aber die ganzen Tätigkeiten, wie Werbung, Programm-Organisation, Gäste-Koordination, Ticketing, usw. sind alles Dinge, die ich selbst mache. Manch einer ist manchmal verwundert, wenn man am Tag der Veranstaltung noch unsere Service-Line anruft und mich persönlich am Handy erreicht. Das Umsetzen dieser ganzen Veranstaltungen – bis zu 40 im Jahr – war ein Beweis an mich selbst. Im nächsten Schritt geht es mir darum mich persönlich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich faszinierend genug finde, sie mit der Masse zu teilen. Vorarlberg ist da noch immer mein liebster Platz, weil ich nicht nur „von hier komme“, sondern mich genauso limitiert habe, wie Vorarlberg sich sehr oft für sein „Sein“ rechtfertigen muss. Das habe ich vor allem in Salzburg gemerkt, wo im Grunde zwar Hochkultur besteht, aber alles neben Mozart und Sound of Music im Grunde keinen Platz hat, wenn man sich nicht mit großen Partnern aktiv damit auseinandersetzt.

Die Poetry-Slam-Szene wächst und Sie haben ihren Teil in Vorarlberg beigetragen. Was sind die nächsten Projekte?

Wagner: Ich sag immer „Sprache ist das letzte Werkzeug, was uns bleibt“ Egal wie sich die Technik weiterentwickelt. Apps und AI, … der Mensch bleibt auf der Strecke, wenn er sich nicht über seiner Sprache bewusst wird. Ich hab vor knapp 10 Jahren in Vorarlberg mit Poetry Slam angefangen, da gab es nur den Slam im Spielboden und den Poolbar-Slam. Mittlerweile sprießen überall Formate aus dem Boden. Das ist gut, denn di Vielfalt ermöglicht dem potenziellen Gast sich für ein Format zu entscheiden, was zu ihm passt und was ihn wirklich unterhält. Das können klassische Slams sein, oder aber meine Slam-Sonderformate. Von denen wird es in naher Zukunft so zwar weniger, aber umso schönere Veranstaltungen geben. Zum einen gibt es wieder den Herzblatt-Slam im Conrad Sohm, sowie den MED-Slam im November in der Kulturbühne AmBach, als auch eine weitere große Sache, die ich am Abend der Schattenschlacht preisgeben darf. Schauen wir mal, was da noch alles so kommt! ETU

Vielen Dank für das Gespräch!

Tickets zur Schattenschlacht gibt es auf Eventbrite.

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