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Die Chor- und Orgeltage überzeugten auf allen Linien

Roman Summereder
Roman Summereder ©VMH
Hohenems. Die sorgfältig programmierten Chor- und Orgeltage haben am Wochenende mit ihrer 19. Ausgabe eindrucksvolle Ergebnisse erzielt.

Drei Konzerte brachten neue Einsichten und Ereignisse für eine größer werdende Zahl von Freunden dieses kleinen Festivals mit der Gollini-Orgel im Zentrum. Nach einem komplexen Bach-Abend mit dem Wiener Organisten Roman Summer­eder machten Domorganist Johannes Hämmerle und erstmals Markus Pferscher mit seiner „tonart“-Sinfonietta deutlich, welch aufregende Dinge man mit einer Orgel und einem Streichorchester anstellen kann. Da geht es nicht nur um barocke Begleitung, da wird um die Wette gespielt, kommt es auch zu Konfrontationen und Verflechtungen, bei denen die großräumige Akus­tik der Pfarrkirche St. Karl behutsam berücksichtigt, aber auch effektvoll genutzt wird. So gleich am Beginn mit dem spätromantischen „Grand Choeur Dialogué“ von Eugène Gigout, einer mächtigen Zwiesprache zwischen Orchester im Altarraum und Orgel.

Orchesterarbeit

Markus Pferscher, Leiter der Musikschule Mittleres Rheintal, gründete die Sinfonietta als oberste Stufe seiner Orchestererziehungsarbeit 2005 zur Eröffnung des Markus-Sittikus-Saales. Fortgeschrittene Musikschüler und Pädagogen finden sich seither projektbezogen zusammen, mit einem Ergebnis, das sich in punkto Technik und Ausgewogenheit inzwischen auch auf Konzertreisen durchaus hören lassen konnte. Der selbst noch junge Dirigent gibt den Musikern in seiner kompetent unaufgeregten Art, oft auch nur mit einem Lächeln, das Gefühl absoluter Sicherheit. So wird auch ein Orgelkonzert von Händel zum scheinbar lockeren Spaziergang mit einem überlegen virtuos gestaltenden Johannes Hämmerle. Dieser beweist dann faszinierende Größe bei Bach, indem er die strenge Architektur des a-Moll-Präludiums in der folgenden Fuge tänzerisch abmildert. Das kompakt gebaute Orgelkonzert (1993) des St. Gallers Paul Huber als österreichische Erstaufführung hinterlässt in seiner aufgeraut sakralen Tonsprache wohl den stärksten Eindruck.

Vocale Neuburg

Ein Werk des 20. Jahrhunderts, die „Son of God Mass“ des Engländers James Whitbourn, dominiert auch das Chorkonzert am Sonntag mit dem renommierten Kammerchor „Vocale Neuburg“, der sein Antreten zu einem imponierenden Leistungsbeweis nutzt. Die neunteilige Messe ist mit Elementen der Jazz- und Popularmusik auf raffinierte Art für den Zuhörer leicht verständlich gehalten, stellt aber die Interpreten vor hohe Anforderungen. Ostinate offene Bassquinten bilden ein Fundament, über dem bis zu sechsstimmige Akkorde jazzig von einem Sopransaxophon (inspiriert: Martin Franz) umrankt und von zupackend farbigen Orgelklängen (souverän: Bernhard Loss) kontrastiert werden. Oskar Egle formt in seiner beschwörend intensiven Art die Stimmen zu meditativ schwebenden oder bestürzend bedrohlichen Klängen, stellt vor allem die spirituelle Kraft dieses Werkes in den Mittelpunkt. Alle guten Eigenschaften der Wiedergabe romantischer Acapella-Chormusik zeigt „Vocale Neuburg“ in seinem typischen Sound davor anhand von Mendelssohn-Motetten: Klarheit, weite Spannungsbögen, makellose Intonation. Und kann am Ende die Standing Ovations einer vollbesetzten Kirche für sich verbuchen.

Bericht: VN, Fritz Jurmann

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