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"Die Ärmsten fallen durch"

Den Ausdruck leistbare Wohnungen kann sie nicht mehr hören. Ärgerlich klingt ihre Stimme und in der Tonlage unangenehm. Seit Monaten sucht die allein erziehende Verena K. eine Wohnung, die sie bezahlen kann.

Eine Chance bot sich in einer Vogewosi-Wohnung. Allerdings hätte sie einen Finanzierungsbeitrag von 2000 Euro hinlegen müssen.

„Woher soll ich das Geld nehmen?“, fragt sie. „Ich lebe am Rande des Existenzminimums. Natürlich gibt es die Möglichkeit einer Finanzierung über eine Kreditaufnahme, für die der Sozialfonds haftet. Unter diesen Voraussetzungen lehnte die Gemeinde plötzlich ab.

Solche Fälle kennt man bei der Caritas einige. Betroffen sind „working poor“ (Menschen, die arbeiten, aber der Verdienst reicht nicht), ältere Menschen, Arbeitslose. Bereichsstellenleiter Rainer Schumacher: „Sobald die Gemeinden hören, dass man die Ausfallbürgschaft des Sozialfonds in Anspruch nehmen will, sagen die meisten Nein. Dazu muss man wissen, dass sie den Fonds mit 40 Prozent finanzieren.“

Mehrere Probleme

Grundsätzlich sieht er mehrere Probleme bei der Zuteilung von Sozialwohnungen. „Da ist einmal der Finanzierungsbeitrag und dann die Voraussetzungen, um eine Wohnung erhalten zu können.“ In Feldkirch sei es etwa so, dass man fünf Jahre dort gewohnt haben muss. Das sei bei Menschen mit Problemen auf dem privaten Wohnungsmarkt schwierig, da gerade sie häufig umziehen würden. Wohnungswerbern, die in Notschlafstellen oder sozialen Wohngemeinschaften gelebt hätten, würde dieser Aufenthalts nicht angerechnet. „Die, die es am nötigsten brauchen, haben es am schwersten, eine Sozialwohnung zu bekommen“, so Rainer Schumacher.

Beim Sozialamt der Gemeinde Hard ist man da anderer Meinung. Christoph Meusburger sagt, es werde immer geschaut, dass es eine Lösung gebe, auch wenn es beim Finanzierungsbeitrag hapere. „Es kommt oft vor, dass jemand eine Sozialfonds-Bürgschaft erhält“, ergänzt er. Auf keinen Fall würde jemand deshalb abgewiesen.

Darlehen nicht sinnvoll

Differenziert sieht Martin Schwendinger von der Stadt Dornbirn das Finanzierungsproblem. „Ich finde die Bürgschaft nicht sinnvoll“, meint er. „Es handelt sich um ein Darlehen, das zurückbezahlt werden muss. Das heißt, es belastet den einkommensschwachen Menschen noch mehr.“ Deshalb versuche er die Leute immer dazu zu animieren, andere Quellen zu erschließen. Bürgschaften gebe es nur in Einzelfällen. Abgewiesen werde aber niemand. „Es gibt auch Wohnungen, wo keine Beiträge aufgebracht werden müssen, also schauen wir, dass wir ganz Finanzschwache dort unterbringen können.“

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