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Skigebiete fürchten Verlängerung des deutschen Lock-Downs

Liftbenutzung erlaubt, kostenfreies Rodeln verboten
Liftbenutzung erlaubt, kostenfreies Rodeln verboten ©dpa
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) denkt laut darüber nach, den Lock-Down im wichtigsten Gästeland Österreichs bis auf Ostern auszudehnen. Für die heimischen Bundesländer wären die Auswirkungen unterschiedlich. So hat der Anteil deutscher Gäste in Niederösterreich in den Vorkrisenjahren von Jänner bis März etwa vier Prozent betragen, rechnete heute Niederösterreichs Tourismuslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) auf APA-Anfrage vor.

Für die Wintersaison in Kärnten wäre es hingegen ein harter Schlag. Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten Werbung, erklärte heute, er habe gerade erst ein Online-Meeting mit rund 250 Hotelbetreibern gehabt. Die überwiegende Zahl der Hotelbetreiber wolle am 25. Jänner aufsperren, wenn es denn möglich sei. Der Anteil der österreichischen Gäste liege normal bei 38 Prozent, das sei mit Abstand der stärkste Markt. Urlauber aus Deutschland stellen die zweitstärkste Gruppe mit 23,5 Prozent.

Auch in der Steiermark blickt man sorgenvoll nach Deutschland. Die Steiermark hat zwar im Vergleich zu westlichen Bundesländern nicht so viele deutsche Touristen, doch wenn die in der Saison zur Gänze ausfallen sollten, "dann ist das natürlich ein schwer zu verkraftender Brocken, da Deutschland der mit Abstand wichtigste Auslandsmarkt für die Steiermark ist", so Erich Neuhold, Geschäftsführer des Steiermark Tourismus. Die Grüne Mark würde dadurch über 200.000 deutsche Gäste mit etwa einer Million Nächtigungen verlieren. Auf den anderen internationalen Märkten sehe es nach derzeitigem Stand auch nicht besser aus.

In Oberösterreich wird der Wegfall von rund einer halben Million Nächtigungen gegenüber den vorangegangen Jahren befürchtet. Nimmt man die letzte "normale" Wintersaison 2019 her, so hatte das Land damals rund 580.000 Nächtigungen von deutschen Urlaubern, rechnete eine Sprecherin des Oberösterreich Tourismus vor. Das waren rund 18 Prozent aller Nächtigungen und 44 Prozent aller ausländischen Gäste. Man gehe davon aus, dass dann rund 90 Prozent der deutschen Nächtigungen in dieser Wintersaison wegfallen würden. Die österreichischen Gäste könnten das nicht wettmachen, schon gar nicht, solange auch die Gastronomie geschlossen sei, hieß es.

In Salzburg wird bereits über ein vorzeitiges Saisonende nachgedacht. Falls auch in Österreich der zunächst bis 24. Jänner verordnete Lock-Down noch verlängert wird, dann werden die Hotels vermutlich nicht mehr aufsperren, reagierte Walter Veit, Vizepräsident und Salzburger Landesvorsitzender der Österreichischen Hoteliervereinigung, auf die Hiobsbotschaft aus Deutschland. "Wenn wir nicht am 25. Jänner aufsperren können, ist der Wintertourismus bei uns gelaufen", sagte Veit. "Ab 31. Jänner beginnen die Semesterferien. Wenn wir da nicht aufsperren können, ist das aber das Ende."

Und auch der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, Christoph Walser, sieht für die Wintersaison schwarz. "Realistisch gesehen wird die Wintersaison nichts mehr werden", sagte er am Dienstag im APA-Gespräch. Ohne die deutschen Gäste - die immerhin rund die Hälfte der Nächtigungen ausmachen - sei die Saison nicht mehr zu retten. Sollte sich bis Mitte Februar in den Nachbarstaaten bei den Reisebeschränkungen nichts ändern, müsse man neue Vergütungsmodelle für den Tourismus verhandeln.

Düster ist auch der Ausblick in Vorarlberg. Deutschland sei der größte Markt - wenn der wegbreche, könne man sich ausrechnen, was passiert, so Markus Kegele, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Inlandsgäste machen laut Kegele in Vorarlberg rund zehn Prozent des Gästeaufkommens aus. Dazu kommen normalerweise rund 14 Prozent aus der Schweiz.

Die Bilder von Menschenmassen vor Liften und die 17 Verdachtsfälle der britischen Coronavirus-Mutation im Tiroler Jochberg haben heute die Opposition auf den Plan gerufen - und auch von den Grünen gab es Kritik. "Wir haben mit der Öffnung der Skigebiete einen mutigen Schritt gesetzt und den Betreibern einen Vertrauensvorschuss gegeben. Jetzt müssen auch die lokalen Gesundheitsbehörden mutige und vielleicht nicht unbedingt populäre Schritte setzen und Skigebiete, in denen es immer wieder zu Verfehlungen kommt, konsequent schließen", so Barbara Neßler, Tourismussprecherin der Grünen. Wenn Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Österreichischen Seilbahnen, immer wieder von "Einzelfällen" spreche, "dann muss ich hier ganz klar widersprechen", so Neßler.

Kritik kam heute auch von der SPÖ. Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sprach von einer "türkis-grünen Chaostruppe", die nichts aus den Vorfällen im Tiroler Ischgl gelernt habe. "Auch in der Causa Jochberg wurde beschwichtigt, es gibt viel mehr ungeklärte Fragen als Antworten", so Deutsch. Und auch die FPÖ nimmt den "Briten-Cluster in Tirol" zum Anlass für eine Schelte. "Während die Österreicher einen Lock-Down nach dem anderen über sich ergehen lassen müssen, versagt der Gesundheitsminister beim Schutz des Landes", so FPÖ-Obmann Norbert Hofer. Er verweist darauf, dass Österreich beim Landeverbot für Maschinen aus Großbritannien später dran gewesen sei als andere Länder.

(APA)

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