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Der Wunderwuzzi Lehm

Lehm ist ein gesunder und alle Sinne ansprechender Baustoff. Er reguliert das Raumklima, kann ohne großen Energieaufwand verarbeitet und immer wieder rezykliert werden. Lehmbauexperte Kai Längle empfiehlt daher mehr Lehm in der Sanierung.

Warum ist Lehm so ein spannendes Material für die Sanierung?

Lehm schafft gesunde Innenräume. Er bindet Schadstoffe und gleicht Schwankungen der Luftfeuchte aus. Das mindert beispielsweise die Gefahr von Schimmel, ohne die für ein angenehmes Raumklima notwendige Feuchtigkeit zu stark zu reduzieren. Und Lehm kann super im Kreislauf geführt werden. Denn gerade bei einer Sanierung wird deutlich, wie aufwendig und teuer die Entsorgung von Verbundstoffen oder problematischen Baumaterialien ist. Und während die Kosten für diese Entsorgung in Zukunft weiter steigen werden, kann Lehm sehr einfach und beliebig oft aufbereitet und erneut verarbeitet – oder auch problemlos kompostiert und dem Naturkreislauf zurückgegeben werden.

Wo empfiehlst du bei einer Sanierung den Blick auf Lehm?

Grundsätzlich immer dort, wo Innenwände oder -oberflächen neu verputzt oder gestaltet werden. Damit der Lehmputz seine positive Wirkung aufs Raumklima voll entfalten kann, wird er idealerweise in einer etwas dickeren Schicht aufgebracht, statt „nur“ als Farbe auf eine Gipskartonplatte aufgetragen zu werden. Bei Aus- und Umbauten beispielsweise im Dachgeschoß können neue Innenwände aus einer Holzkonstruktion mit oder einem Mauer­werk rein aus Leichtlehmsteinen errichtet werden. Ob auf Sicht oder mit einem hochwertigen Lehmputz veredelt ist so eine Wand Wohlbefinden pur! Und interessant ist Lehm auch als Trittschalldämmung im Fußbodenaufbau, wo mit Leichtlehmschüttungen zum Beispiel Polystyrol ersetzt werden kann. Die Verarbeitung im Selbstbau ist hier besonders einfach und kostengünstig.

Wie setzt du Lehm am liebsten ein?

Besonders viel Sinn sehe ich darin, ein ­Bestandsgebäude mit hochwertigen, ökologischen und idealerweise vollregionalen Lehmputzen und -baustoffen aufzuwerten. Dadurch entstehen schöne, behagliche und gesunde Räume zum Wohlfühlen. Wo immer möglich verarbeite ich Lehmputze und -steine aus lokalem Lehm-Aushubmaterial. Geeigneter Aushub fällt in vielen Gegenden Vorarlbergs in großen Mengen an und kann meist zum Nulltarif regional bezogen werden. Mit Sand und Wasser vermengt, kann daraus ein selbst hergestellter Lehmputz werden. Weniger Energieaufwand, um einen Baustoff bereitzustellen, geht nicht.

Information:

Kai Längle

ist Architekt und vollständig begeisterter Lehmbauer. Seit seinem Studium forscht er zur modernen Anwendung des Baustoffs und gibt sein Wissen als Berater, Lehrender an der Uni und im Rahmen praktischer Lehmputz-Workshops weiter. Das Energieinstitut bietet zusammen mit Kai Längle einen Workshop an, in dem man Lehmputz herstellt.

Weitere Profis und Bezugsquellen

Wer sich da nicht drüber traut, findet im Land genügend weitere Bezugsquellen für fertige Baustoffe oder Profis, die ebenfalls wahre Wohlfühloasen aus Lehm zaubern können.www.energieinstitut.at/lehm

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