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Der Volk nimmt frei

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Seit ein paar Monaten fliegen winzige unsichtbare Kügelchen herum. Auf transparenten Stängelein, gespickt mit bunten Wärzchen tanzen sie und stieben in alle Richtungen. Hübsch. Dem Volke unsichtbar leuchten sie ins Elektronenmikroskop für‘s Fotoshooting. Die TV-Grafiker lassen sich begeistert infizieren und zeigen die hübschen Kleinen dem Volk hundertmal auf und ab im europaweiten TV-Corona-Kitsch-TV - bis zum Wegklicken. Das aber gelingt nicht. Auf jedem Sender kommt dasselbe Covid19-Gequake. Es gibt dabei nur eine Sicht: die pharmakalogische Staatsinformation.

Der beste Impfstoff ist Ausschalten, besonders wenn die drei Staatsschauspieler Kurz, Kogl und Hammer im ORF-Theater als Leim, Zwirn und Kneipp aufmarschieren und neue Volksexerzitien zu Verhinderung des bösen Kometen verordnen. Lumpazivagabundus special. Im Zentrum-Theater: Die Wichtigmacher, Strudl (Wirrologe), Flop (Verwirtschaftler), Fludribus (Geldhändler, Banker) Strudl (Lebensmittler), dilettieren live. Man hält sich gar für Lebensretter, welch Zynismus!

Die Kügelchen sausen zum x-ten Mal um die böse Steilkurve und enden in der guten Flachkurve. Kitsch pur. „Es reicht“, sagt Anton und dreht ab. Da bummsts! Fortuna, die Schicksalsfee erscheint. Hinter ihr aufgefädelt die Bleichgesichter der kleinkarierten VIP-Schickeria Vrrrlbrrrgs mit Linie im Steckbriefformat. Ma hilft. Ergeben wie immer und überall waschen die VIPs der Zeitung, die sich für das Land hält, in Unschuld die Hände mit gleichlautenden Wortspenden, um dem Volk klar zu machen, dass jetzt alles EINS ist, dass jetzt alle EINIG sein müssen, jetzt kein Streit Platz hat (!), alle in EIN Meter Abstand hinter EINEM ZIEL stehen müssen, das da lautet: #VORARLBERG HÄLT ZUSAMMEN. Es hallert. Ray & Mick singen „Proho Vorarlberg“. Ist denn „halten“ nicht verboten? Und „Zusammen“? Hust.

Die große Show geht ab. Der Volk tanzt Social DistDancing, Warzentanz aus China. KrisenberaterInnnen jonglieren Klorollen, ein Handwaschballett spritzt ab, die Polizei verteilt EINmeterstäbe, das ParlamEnd beschließt das Gassigehngesetz mit Spazierordung und Zusammenstehverbot. Der Finanzmister impft mit 39 Milliarden. Wen? ArlbergerInnen dürfen nicht mehr an die frische Luft. Endlich sind alle Grenzen zu, nicht nur die griechische, jubeln die FlüchtlingshasserInnen. Der Volk wird in Wohnungen arrestiert und soll „Danke“ aus den Fenstern singen. Fernseh-Programme werden gleichgeschaltet. Der Volk ist längst in den sozialen Medien daheim. Quarantäne als kollektiv autoritäre Freiheitsberaubung? Was ist da im Gange? Ist das gefährlich oder lächerlich?

„Stirbst stirb. Lebst leb. Lebst stirbst. Stirbst lebst.“, murmelt der Baron. Cui bono? Da beginnt der Volk plötzlich Donner zu grollen. Die Fee Amorosa, Beschützerin der wahren Liebe, erscheint und sperrt alle Gasthäuser auf. Sie sind für uns da.    

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