Der Stromhandel – ein Teamwork zwischen Mensch und Maschine

Der Vormarsch der erneuerbaren Energien verändert auch den Stromhandel. Moderne Technologien unterstützen die illwerke vkw dabei, in dem immer komplexeren und schnelleren Geschäftsfeld weiterhin erfolgreich tätig zu sein.

Wetterabhängig

Mal brennt die Sonne vom Himmel, mal bleibt sie verborgen hinter dichten Wolken. In der einen Minute ist es windstill, in der nächsten brandet ein Sturm auf. Aufgabe der Energiedienstleister ist es, bei aller Unberechenbarkeit der erneuerbaren Energiequellen weiterhin eine zuverlässige Energieversorgung zu sichern. Weicht die tatsächlich produzierte Strommenge von der ursprünglichen Prognose ab, müssen Erzeuger daher rasch reagieren – in der Regel über Zu- oder Verkäufe an der Energiebörse.

Gleichgewicht

Mit ihren hochflexiblen Wasserkraftwerken trägt die illwerke vkw dazu bei, Stromangebot und nachfrage im europäischen Netz in Balance zu halten. Bereits vor 1950 wurden bei der illwerke vkw die ersten Handelsgeschäfte getätigt. Der Bereich hat sich in der jüngeren Vergangenheit rasend schnell entwickelt: Allein in den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der Geschäftsabschlüsse verzehnfacht – auf eine Million pro Jahr. Manuell lässt sich diese Menge kaum mehr bewältigen.

Verstärkung

Ende Mai 2021 hat das Team des illwerke vkw Energiehandels mit dem Algotrader wertvolle Unterstützung bekommen. Dabei handelt es sich um eine Software, die im sogenannten Intradayhandel zum Einsatz kommt. Er bezeichnet den kontinuierlichen Kauf und Verkauf von Strom, der noch am gleichen Tag geliefert wird. „Der Algotrader erstellt automatisch Gebote, platziert diese an der Börse und informiert über abgeschlossene Geschäfte“, erklärt Projektleiter Simon Preuschoff.

Besserer Überblick

Die Software soll die Energiehändler keineswegs ersetzen, sondern ihnen vielmehr unter die Arme greifen. „Durch den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie wird der Stromhandel immer kleinteiliger und vor allem kurzfristiger“, informiert Preuschoff. Teilweise werden Geschäfte nur wenige Minuten vor Erfüllung durchgeführt. Die steigende Komplexität macht es für Händler zunehmend schwieriger, alle Entwicklungen über den Tag genau im Blick zu behalten. Am Markt werden daher immer öfter elektronische Handelssysteme wie der Algotrader eingesetzt.

Ideale Kombi

Diesen verwenden seit Juli nun einige Stromhändler der illwerke vkw. „Da das System sehr mächtig ist, braucht es jedoch seine Zeit, um es unseren Anforderungen entsprechend einzurichten und das gesamte Potenzial ausschöpfen zu können“, so Preuschoff. Denn: „Unser Ziel ist, menschliche Fähigkeiten und technische Möglichkeiten optimal zu kombinieren – einerseits den reichen Erfahrungsschatz der Mitarbeitenden, andererseits die Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit der Software.“

Controller

Wenngleich der Algotrader grundsätzlich in der Lage ist, voll automatisiert an der ­Börse zu handeln, so sind es bei der illwerke vkw nach wie vor Menschen, die sagen, wo es langgeht: „Unsere Expertinnen und Experten geben die Handelsstrategie vor, mit der die Software agiert, und können auch jederzeit in automatisierte Abläufe eingreifen“, hält Simon Preuschoff fest. Deren Tätigkeit wandelt sich mit dem rasanten technologischen Fortschritt und hat zunehmend strategisch überwachenden statt operativen Charakter.

Traditionsreiches Geschäftsfeld

Die ersten Handelsgeschäfte der illwerke vkw gehen weit in das vorige Jahrhundert ­zurück. Seit 2010, mit Beginn der selbstständigen Vermarktung von Teilen der Werksgruppe Obere Ill-Lünersee, hat sich die Bedeutung des Energiehandels nochmals erhöht. War die illwerke vkw zunächst nur tagsüber an Werktagen im Intraday-Handel tätig, werden seit dem Jahr 2012 rund um die Uhr Geschäfte abgewickelt. Untertags ist das sechsköpfige Energiehandel-Team an der Börse aktiv, in den Nachtstunden übernehmen diese Aufgabe die Dispatcher in der Kraftwerksleitstelle.

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