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"Der Rest bleibt auf der Strecke"

Seit Jahren habe sich abgezeichnet, was die PISAStudie nun belege, kritisiert der Vorsitzende der Aktion Kritischer Schüler (AKS), Jakob Lingg. Gehandelt habe niemand, ein Systemwechsel sei notwendiger denn je.

VN: Die PISAStudie wird am Dienstag offiziell präsentiert. Bereits im Vorfeld war klar, dass Österreich schlechter abschneiden wird als je zuvor.

Lingg: Der negative Trend hat sich seit zehn Jahren abgezeichnet. Das Problem war am Tisch, gehandelt hat niemand. Außer Schuldzuweisungen ist nichts passiert. Dabei braucht es dringend einen Systemwechsel, eine Schulreform.

VN: Was ist am derzeitigen Schulsystem so schlecht?

Lingg:Unser System differenziert, unser System selektiert. Wer bei uns die Schule schafft, hat das goldene Los gezogen, der Rest bleibt auf der Strecke. In Finnland und Kanada beispielsweise ist das anders – diese Länder wollen es sich nicht leisten, auch nur einen einzigen Schüler zurückzulassen. Dort werden Kinder und Jugendliche speziell gefördert.

VN: Ein Weg, den auch Österreich beschreiten sollte?

Lingg: Ja. Wir fordern ein Umdenken ein, den vorher erwähnten Systemwechsel: Nicht die Schüler haben sich der Schule anzupassen, das Schulsystem muss sich den Schülern anpassen – wir müssten im Mittelpunkt stehen.

VN: Was läuft denn bei uns ganz konkret falsch?

Lingg: Die Klassen werden immer größer, die Zahl der Pflichtschullehrer kleiner, die Berufsschulen werden wie Stiefkinder behandelt, der Förderunterricht in den Volks- und Hauptschulen ist gekürzt worden. Und in der Oberstufe gibt es sowieso keinen Förderunterricht. Entweder ist man ein guter Schüler, oder hat Eltern, die sich Nachhilfestunden leisten können. Ansonsten hat man ein gröberes Problem. Das ist der Selektionscharakter unseres Schulsystems. Der soziale Hintergrund des Einzelnen wird nicht berücksichtigt. In keinem anderen Land in Europa hängt der Bildungsweg so stark von der sozialen Stellung und der finanziellen Ausstattung der Eltern ab, wie in Österreich – das zeigen sämtliche OECD-Studien.

VN: Die Schüler kritisieren Ministerin Gehrer.

Lingg:Sie will in ihrer reaktionären Einstellung alles beim Alten belassen und ist nicht bereit, von ihrer Haltung auch nur einen Millimeter abzugehen. Selbst wenn gute Vorschläge kommen. Und was das Land Vorarlberg betrifft: Landesrat Stemer schiebt alles immer nur auf den Bund ab. Förderunterricht, Schwerpunkte im Unterricht, Mitbestimmung der Schüler – das Land könnte Akzente setzen, nutzt aber den eigenen Handlungsspielraum nicht.

VN: Was könnte Österreich denn von Finnland lernen?

Lingg: Das Grundsatzdenken: Jeder einzelne Schüler ist etwas wert. In Finnland ist der Schüler Hauptaufgabe des Schulsystems, werden die Schüler gefordert. Und bei uns? Da sagt Gehrer, dass die Eltern mehr gefordert seien, mit ihren Kindern zu lernen. Und lässt völlig außer Acht, dass mittlerweile jedes dritte Kind allein erzogen wird, oder fast ausnahmslos beide Elternteile berufstätig sind. Und die Kinder kommen heim, und fangen an Computer zu spielen. Das ist die Realität.

VN: Und der Ausweg?

Lingg:Schulfrust und Schulverdrossenheit nehmen stetig zu. Das muss sich ändern. Wir wollen ja keine Revolution. Wir wollen nur, dass Österreich sein Schulsystem nach dem Vorbild anderer Länder modernisiert. Es wäre hoch an der Zeit. „Wir wollen keine Revolution. Wir wollen nur, dass Österreich sein Schulsystem nach dem Vorbild anderer europäischer Länder modernisiert.“

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