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Der pandämliche Anton

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Das ist eine Geschichte, die ebenso wahr wie unwahr ist. Ein angeblich heimtückischer Virus sucht sich Menschenopfer, hüpft wie der Schnupfen „Pitschü“ von Morgensterns Terrasse und bleibt drinn im Leib, damit die Opfer von der pandemlichen Gesundheitssicherheitsbezirksunterkommission mit Atemschutzmasken versehen, eingehüllt und in den schon lang wartenden Quarantänekäfig Nr. 13, der nach vielen Übungen endlich zum Zug kommt, mit Begleitschutz eingesperrt werden können. Tür zu. „Ciao, bis in 14 Tagen!“ Da sitzt jeder desinfizierte Handgriff.

Rundherum wird alles desinfiziert, was nicht schon desinfiziert ist. Die Leute vom Virusjagddienst sind wirklich gut eingespielt. Jeder Schritt ist pressebegleitet und ganz hinten im Bild lugt ein Sicherheits-Plotikeri der Landesvirussicherheitskommission Oberes Unterland pandämlich in die Kamera. „Wir haben alles im desinfizierten Griff.“

Das alles sieht ein Zweifler, der sich zwar nicht viel, aber doch täglich drei Gedanken macht, kriegt ein Ängstchen und geht darauf sicherheitshalber in die Kirche, nimmt am Eingang Weihwasser, stellt erschrocken fest, dass das Weihwasserschälchen leer ist, weil Gott kurz zuvor auch schon desinfiziert worden ist und drum nix mehr zu holen ist, nicht einmal ein Tröpfchen virusfreies Weihwasser. „… der für uns desinfiziert ist worden. Amen“, denkt er sich. In der Messe streckt er die Hand aus und will ein Zeichen des Friedens holen und geben, da ist aber keine Hand mehr, weil auch der Frieden desinfiziert ist, denn es ist Krieg. Schon schießt ihm ein Geistesblitz in seinen ver-virten Kopf.

„Ich hab’s“, ruft der ver-virte Anton, „ich weiß jetzt, wo der Virus herkommt!“ Er holt die Zeitung, die täglich auf jeder Seite vom Virus da und Virus dort berichtet. Er legt die alten Zeitungen dazu, nimmt einfach alle, die er seit Ausbruch des Virus hat und geht ins Badezimmer. Ihm ist klar, dass der Virus in den Medien hockt. Deshalb muss jede Zeitung noch vor dem Lesen reingewaschen werden.

Er lässt die Badewanne volllaufen, schüttet einen Pack Totes Meersalz dazu, legt alle Zeitungen hinein, damit sie richtig weich werden, und beginnt Seite für Seite Viren herauszuwaschen. So wird die Zeitung entgiftet. Dann wringt er sie und hängt sie am Balkon neben dem noch zugedeckten Gasgrill zum Trocknen auf. Dann zieht er den Stöpsel. Das Badewasser saust mit den Viren Richtung Kläranlage.

Um auch die elektronische Virenverseuchung loszuwerden, legt er sein Handy, seinen PC, den Fernseher und das Radio in den großen Tiefkühlschrank neben die halbe Sau, die Schwarzwälder Kirschtorte, die 50 Kalbsbratwürste und die 100 Tiefkühlsemmel. Dann trinkt er wegen der Wahrheit ein Warsteiner Premium. So wehrt Anton die Pandämonie.

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