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Der Maulwurf und der grüne Daumen

Gotthard und Snezana Schätzer haben sich den Traum eines Naturparadieses erfüllt.
Gotthard und Snezana Schätzer haben sich den Traum eines Naturparadieses erfüllt. ©Gerty Lang
Gotthard und Snezana Schätzer haben sich den Traum vom Naturgarten erfüllt.
Naturgarten im Hohenemser Ried

Hohenems. “Zeige mir deinen Garten, er ist das Spiegelbild deiner Seele”. Wer die Vögel singen und die Frösche quaken und wer den Bienen bei der Arbeit zusehen will, sollte einen Besuch bei Familie Schätzer im Hohenemser Ried, Nähe des Flugplatzes, machen. „Heimische Pflanzen und vielfältige Strukturen sind unsere wichtigsten Magneten im Garten. Von den Tieren, die sich angezogen fühlen, bekommt der Gärtler eine Menge zurück“, lacht Gotthard.

Die einen bestäuben Blüten, andere vertilgen Schädlinge. Wer Tiere in seinen Garten lockt, kann eigentlich nichts falsch machen: Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge bestäuben Obstbäume und Beerensträucher und sorgen so für viele Früchte. Vögel halten die Insektenschar in Schach. Igel, Spitzmaus, Eidechse und Molch machen sich gerne über Nacktschnecken her. Marienkäfer- und Florfliegenlarven sind die größten Feinde der Blattlaus, Schlupfwespen der Schrecken der Raupen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was einst ein monotoner Wiesenstreifen war, ist erfüllt mit Leben. Das Natur-Biotop in der Mitte des 1200 Quadratmeter großen Anwesens wird vom Grundwasser gespeist, hat also keine Folie. „Wenn es regnet, kann der Wasserspiegel bis zu einem halben Meter steigen. Wo Wasser ist, ist auch Leben. Lurche, Molche, Kröten und Schnecken haben dort ihren Lebensraum gefunden. Wir setzen absolut keine Chemie ein. Wir bewirtschaften lediglich ein Drittel des Gartens mit Obst und Gemüse. Den Rest überlassen wir der Natur, halten diese lediglich im Zaum.“

Zwischen blühenden Stauden gedeihen Äpfel und Birnen. Salbei, Rosmarin und Minze verbreiten ihren Duft. Daraus wird Kräutersalz hergestellt „Angefangen hat es eigentlich mit einem Schrebergarten. Doch wir haben uns einen Garten gewünscht, in dem wir unseren Traum leben können“, erzählt der Betriebsschreiner, der sich selbst als Gartenmaulwurf bezeichnet. „Ich komme aus der Landwirtschaft, aber meine Snezana hat den grünen Daumen. Die Natur ist sehr geduldig und hilfsbereit, verzeiht fast jeden Fehler. Mit der Natur muss man eine Beziehung eingehen, sie beobachten und verstehen.“ Beim Rundgang durch das Naturparadies fällt die Begrenzungshecke ins Auge. „Das ist totes Holz und muss jedes Jahr wieder aufgefüllt werden. Sie wird so zur Nahrungsquelle vieler Vögel, Insekten und Mäuse. Auch in den Wintermonaten. Die Johannes- und Jostabeeren teilen wir uns mit unseren fliegenden Freunden. Die Hummeln leben in den Hügeln rund um den Teich.“

Plötzlich stehen wir vor einem Erdhügel mit einer Holztüre. „Das ist ein Erdkeller“, sagt Gottfried und öffnet das „Verlies“. Modrige mir Luft schlägt mir entgegen. „Vor Spinnen darfst du aber keine Angst haben,“ grinst der Gartenfreund schelmisch. Der Raum ist dunkel, lediglich das Licht der kleinen Taschenlampe fixiert einen Punkt im feuchten Gehölz an der Decke. „Schau, viele heimische Schneckenarten, darunter auch Nacktschnecken wie der Tigerschnegel, leben vor allem von abgestorbenen Pflanzenteilen. In diesem Raum finden sie die besten Voraussetzungen. Unseren Nachkommen möchten wir eine naturbelassene Oase hinterlassen, damit sie sich dort zurückziehen und erholen können.”

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