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Der Feind auf meinem Teller

Feldkirch – 13 Jahre lang litt Alice Mansfield (47) aus Feldkirch an Ess-Brech-Sucht. Ihre Erfahrungen veröffentlicht sie nun in zwei ­Büchern.
Mansfield präsentiert Bücher

“Es war ein Horror”, erzählt Alice Mansfield (47) aus Feldkirch über ihre Jugendjahre. 13 Jahre lang litt sie an Bulimie. Am Morgen und am Mittag aß sie fast nichts. Das Abendessen erbrach sie. Sie hatte unkontrollierte Fressattacken, bei denen sie Unmengen verschlang und Unmengen wieder auskotzte. Als die gebürtige Amerikanerin mit 26 Jahren gegen die Krankheit ankämpfte, hatte sie von richtigem Essen keine Ahnung mehr. Ihr Sättigungsgefühl war zerstört. Sie fühlte sich nie satt und hatte immer Hunger. Mansfield musste neu lernen, wie man isst. Deshalb beobachtete sie ihre Mitmenschen. Wieviel aßen diese zum Frühstück, wieviel zum Abendessen? Anhand dieser Beobachtungen erstellte sie einen Plan, was und wieviel sie zu den einzelnen Mahlzeiten zu sich nehmen könne. Nach gut drei Monaten stellten sich das Sättigungsgefühl sowie ein normaler Hunger wieder ein.

Betroffenen Mut machen

50 Tagebücher schrieb Mansfield während ihrer Krankheit und Genesung. Daraus hat sie nun zwei Bücher gemacht: „Tanz mit dem Tod: Tagebuch einer Bulimiekranken“ und „Tanz mit dem Leben: Bulimie und das Leben danach“ (siehe Kasten links). „Ich will zeigen, wie tief jemand fallen und wieder emporsteigen kann. Hoffentlich können dadurch andere Betroffene neuen Mut fassen“, erklärt die Autorin. 34 Jahre sind seit Ausbruch der Ess-Brech-Sucht vergangen. Offen, ruhig und ohne Selbstmitleid spricht die 47-Jährige heute über diese Zeit. Die Krankheit hinterließ keine Spuren in ihrem Gesicht. Im Gegenteil: Die zierliche Frau sieht gut zehn Jahre jünger aus als sie ist. Als Mansfield elf Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. „Scheidung kommt bei ganz vielen Bulimiekranken vor. Bei uns dauerte das Scheidungsdrama drei Jahre und machte mich kaputt.“ In dieser Zeit bekam die Amerikanerin die ersten Kurven. Wie viele Mädchen in diesem Alter wollte sie dünn sein. Sie machte Diäten, aber nahm nicht ab. Wie gut hatte es da doch ihre Cousine, die essen konnte, was sie wollte und trotzdem schlank war. Mansfield fragte ihre Mutter nach dem Geheimnis der Verwandten. „Sie kotzt“, war die Antwort. „Da dachte ich ‚super‘. Das mache ich auch“, erzählt die studierte Psychologin. So begann der Teufelskreis aus Essen und Brechen. Nach drei Jahren gestand Mansfield ihrer geschockten Mutter, dass sie ein Problem habe. Das kranke Mädchen ging daraufhin zur Therapie. Das Essproblem bekam sie nicht in den Griff. Ansonsten sei die Therapie aber eine Hilfe gewesen, weil sie dadurch einige Sachen besser verarbeiten konnte. „Das Essen ist immer nur ein Symptom, hinter dem etwas anderes steckt“, erklärt Mansfield. „Es ist ein Bewältigungsmechanismus: Meine Situation war unerträglich und ich konnte sie nicht kontrollieren. Das Essen aber hatte ich unter Kontrolle.“ Als sie dann erwachsen war und ihr Leben eigenständig gestalten konnte, war es schon zu spät. Sie war süchtig.

Von 62 auf 49 Kilo

Die junge Frau kotzte und hungerte sich von ursprünglich 62 auf 49 Kilo herunter. Sie hatte oft Ohrensausen, Schwindel und konnte kaum aufstehen. Hinzu kam, dass sie ihre sozialen Kontakte vernachlässigte, weil sie vollkommen von den Themen Essen und Schlank sein vereinnahmt war. Außerdem gab sie ihr ganzes Geld fürs „Fressen“ aus. Als sie 26 Jahre alt war und bereits ihr halbes Leben an der Krankheit gelitten hatte, zog sie einen Schlussstrich. „Mir reichte es. Ich wollte alles Notwendige tun, um gesund zu werden“, sagt Mansfield. „Wichtig dabei war, dass dieser Wunsch von mir und nicht von jemand anderem kam.“ Angehörige können laut Mansfield nicht viel machen. „Dasein ist alles, was sie tun können.“ Mansfield ging zur Therapie. „Ohne kann man nicht aus diesem Teufelskreis herauskommen.“ Nach zirka einem Jahr, in dem vor allem die psyschischen Probleme behandelt wurden, war die Amerikanerin über das Gröbste hinweg und wurde schließlich gesund.

Essen mit Genuss

Heute isst die zweifache Mutter ganz normal und mit Genuss. Angst vor einem Rückfall hat sie nicht. Vor einigen Jahren hat sie ihre Liebe zur Musik entdeckt. „Diese Liebe war immer schon vorhanden, aber sie schlummerte, weil ich mich nicht traute.“ Die Betreuerin von Menschen mit Behinderung komponiert, singt und spielt Gitarre. Zusätzlich schreibt sie in ihrem Bulimie-Blog und bis vor kurzem an den Büchern. „In den Jahren der Krankheit konnte ich gar nichts tun. Doch jetzt kann ich es nachholen“, meint die sympathische Frau.

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