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Den Straßennamen der Stadt auf der Spur

Jung-Historiker Sebastian Schwald untersuchte im Rahmen seiner Diplomarbeit sämtliche Straßennamen von Bludenz. Die aufwendige Recherche fand auch in den Bludenzer Geschichtsblättern des hiesigen Geschichtsvereins ihren Niederschlag.

Kürzlich erschien in der Reihe der Bludenzer Geschichtsblätter (Nr. 131/132) der neueste Band, in dem Sebastian Schwald die Benennung der 145 Bludenzer Verkehrsflächen genauer untersuchte. Der Bludenzer bettet dabei seine Abhandlung in die Thematik der Erinnerungskultur ein und beleuchtet die Beweggründe, die zur Benennung der jeweiligen Straßen führten. Im Gespräch mit dem Bludenz Journal gibt der junge Autor Einblick in seine Herangehensweise, historische Hintergründe und Besonderheiten bei der Namensgebung.

Wie kamen Sie zu diesem Thema? Was hat Sie daran gereizt?

Sebastian Schwald: Seit Beginn meines Studiums in Innsbruck faszinieren mich die dortigen Straßenschilder, auf denen Zusatzinformationen zum jeweiligen Straßennamen angebracht sind. Ich fand heraus, dass es sich hierbei um ein eigenes historisches Projekt zu Straßennamen handelte. Als ich dann feststellte, dass es für meine Heimatstadt noch keine solche Abhandlung gab, war für mich der Fall klar, dass ich mich damit beschäftigen wollte.

Welche Quellen wurden dafür herangezogen?

Sebastian Schwald: Der Großteil der verwendeten Quellen stammt aus dem Bludenzer Stadtarchiv. Es ging unter anderem darum, die Protokolle der Stadtvertretungssitzungen aus den letzten 100 Jahren zu durchforsten und Interessantes zu den einzelnen Straßen herauszufinden.

Wie aufwendig war die Recherche? Gab es dabei größere Probleme?

Sebastian Schwald: Sagen wir so: die Pandemie hat mir definitiv nicht in die Karten gespielt, da der Zugang zu Bibliotheken und Archiven erschwert war. Durch eine sehr gute Kooperation mit dem Stadtarchiv wurde aber sehr vieles möglich gemacht, wofür ich mich im Nachhinein recht herzlich bedanken möchte.

Sind Sie bei der Forschung auf überraschende Erkenntnisse gestoßen?

Sebastian Schwald: Definitiv! Die ganze Arbeit steckte für mich voller Überraschungen, was es schwer macht, einzelne herauszuheben. Eine spannende Erkenntnis war beispielsweise, dass in den Frühphasen der offiziellen Bludenzer Straßenbenennung zum Teil mehr als 15 Straßen an einem Tag benannt wurden.

Lassen sich Besonderheiten in der Bludenzer Straßenlandschaft erkennen?

Sebastian Schwald: Besonders für Bludenz – gerade im Vergleich mit anderen Städten von ähnlicher Größe in Österreich – ist, dass es sehr wenige Benennungen nach Personen gibt; auch sind Zusammenhänge mit Kunst und Kultur eher selten zu finden. Stattdessen zeigt sich auch in den Straßennamen, dass Industrie und Gewerbe Bludenz seit jeher massiv prägten.

Gibt es in Bludenz wie in anderen Städten historisch belastete Namen?

Sebastian Schwald: Herauszuheben wäre hier die Stuttgarter Straße, die zurückgeht auf eine Benennung durch die Nationalsozialisten. Passenderweise kam es in Stuttgart auch zur Benennung einer Bludenzer Straße, die sich ebenfalls bis heute hält.

Gibt es Ihrer Ansicht nach seitens der Stadt Handlungsbedarf?

Sebastian Schwald: Man könnte darüber diskutieren, die angesprochene Stuttgarter Straße umzubenennen. Meine Vision ist jedoch vielmehr die Erstellung neuer Straßenschilder mit einer kurzen Erklärung, denn jede Straße hat ihren individuellen Hintergrund. So würden die gesammelten Informationen von den Bücherregalen hinaus auf die Straße wandern und dort aktiv die Geschichte der Stadt miterzählen. Ein sehr niederschwelliger und gleichzeitig unkomplizierter Zugang zur Geschichte wäre die Folge.

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