Den Briten geht der Sprit aus

Mangel an Lkw-Fahrern löste Kraftstoffkrise in London aus
Mangel an Lkw-Fahrern löste Kraftstoffkrise in London aus ©APA/AFP
In London haben sich am Mittwoch trotz der von Premierminister Boris Johnson angekündigten Verbesserung der Versorgungslage wieder lange Schlangen vor Tankstellen gebildet. Die Engpässe liegen nicht an einem Mangel an Benzin. Vielmehr kann Treibstoff nicht in ausreichendem Umfang zu den Tankstellen transportiert werden, weil Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen.

Die Regierung hat 150 Tanklaster-Fahrer der Armee abkommandiert, die nach Medienberichten in den nächsten Tagen beim Sprit-Transport helfen sollen. Wegen der Engpässe wurden Forderungen laut, Ärzte, Krankenschwestern und Altenpfleger bevorzugt mit Benzin zu versorgen, damit deren Dienste gewährleistet würden. Dies hat Johnson bisher abgelehnt. Der Mangel an Lkw-Fahrern führte bei den Briten auch schon zu Lücken in Supermarktregalen.

Nach Angaben von Industrieverbänden herrscht die größte Sprit-Knappheit in London, im Südosten des Landes und anderen englischen Städten. Der Verband der Kraftstoff-Händler PRA, der etwa zwei Drittel aller 8.380 britischen Tankstellen vertritt, hatte am Dienstag erklärt, dass 37 Prozent seiner Tankstellen keinen Kraftstoff mehr hätten.

Die Taxifahrer in der britischen Hauptstadt haben wenig Hoffnungen auf eine schnelle Entspannung der Kraftstoffkrise. "Entgegen dem Wunschzettel von Boris Johnson wird es nicht besser", sagte der Chef der London Taxi Drivers Association, Steve McNamara, am Mittwoch dem Sender "BBC Radio 4". Am Dienstag hätten 25 bis 30 Prozent der Londoner Taxifahrer nicht arbeiten können.

"Taxifahrer ohne Sprit sind arbeitslos", sagte der Branchenvertreter. Die Schlangen vor den Tankstellen, die noch Kraftstoff hätten, seien weiterhin lang. Es brauche dringend Ausnahmeregeln für Berufe, die ohne Kraftstoff im Tank ihre Arbeit nicht ausführen könnten.

Seit in der vergangenen Woche einige Tankstellen wegen des Fahrermangels schließen mussten, kommt es zu Panikkäufen. Vor Tankstellen bilden sich lange Schlangen.

Johnson bemühte sich am Dienstag in einer knappen Videobotschaft, die Nation zu beruhigen. Die Lage stabilisiere sich bereits wieder, sagte der britische Premier. Er rief seine Landsleute auf, Panikkäufe zu vermeiden.

Die "Times" berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Industriekreise jedoch ebenfalls, es könne Wochen dauern, bis sich die Lage merklich entspanne. Der BBC zufolge werden derzeit Soldaten geschult, um im Zweifelsfall Tanklaster fahren und befüllen zu können.

(APA/Reuters/dpa)

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