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Demographie revolutioniert die Touristik

Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung wird 2050 ein Alter von 65 oder mehr Jahren aufweisen. Viele Menschen werden dann anders als heute leben, wirtschaften, Freizeit verbringen.

Welche Auswirkungen dieser „doppelte demographische Wandel“ – Menschen werden an Jahren älter, und wegen geburtenschwacher Jahrgänge wird der Anteil der Älteren noch schwerer wiegen – auf den Tourismus haben könnte, hat das Institut für Tourismus- und Freizeitforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur in mehrjährigen Forschungen hinterfragt.

Dazu die Montafonerin DI Aurelia Kogler, Leiterin des Fachbereichs Freizeitwirtschaft und Dozentin für Freizeitökonomie an der HTW Chur: „Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass diese demokratische Verschiebung auch für Österreich gilt und ebenso für Deutschland, unseren wichtigsten Gästeherkunftsmarkt überhaupt. Die Generation 65+, eigentlich die Bevölkerungsgruppe 55+, wird zu einem nie da gewesenen Potenzial für unsere touristischen Anbieter werden, da sich die touristische Nachfrage der über 65Jährigen bis 2050 vervierfachen wird – die Anbieter müssen folglich in einem Ausmaß spezialisieren und diversifizieren, von dem sie sich heute noch gar keine Vorstellung machen“, sagt Kogler.

Denn das Spektrum dieser älteren Verreisenden wird z. B. vom 700 Euro-Rentner, der einen „Überlebens-Spagat“ bestreiten muss, bis zu vermögenden „WOOPie“-Pensionären reichen. Also den „well-off-old-people“, deren Kinder gut situiert und deren Immobilien bezahlt sind. Der Bogen spannt sich auch von ärmeren oder wohlhabenden Alten, die fit wie 50Jährige sind, bis zu kränkelnden Betuchten, oder von lebenslangen Partnern, die diesen Lebensabschnitt voll auskosten, bis zu Todesfall- oder Scheidungs-Singles, für die nicht mal gescheite Einzelzimmer existieren. „Hinzu kommt“, so Expertin Kogler, dass „das gefühlte Alter der Senioren heute um 10 Jahre niedriger ist als vor 30 Jahren, dass diese ,Best-Agers’ oft Lust- und Impulskäufer sind, die von der Werbung mit Anglizismen bombardiert werden, wiewohl sie in ihrer Jugend vielfach kein Englisch lernten“.

Vor allem jedoch, das habe das HTW-Forschungsprojekt auch zu Tage gefördert, suchen diese Senioren kaum einen Erholungsurlaub, zumal sie das ganze Jahr über Gesundheit und Wohlbefinden hätscheln können. „Als Reisemotiv stehen vielmehr Kulturgenuss, nicht alltägliche Bildungsangebote, auch unbeschwerte Geselligkeit im Vordergrund, da man Verstädterung/Vereinsamung mit zunehmendem Alter nachweislich als zunehmend belastend empfindet“, kam Kogler auf weitere Aspekte künftiger touristischer Angebotsgestaltung zu sprechen.

Und dann sind da noch zwei Positionen in dieser sehr breit gefächerten Typologie künftiger „gesetzter“ Gäste. Einmal jene, die alles bereist und erlebt haben und auf ihre alten Tage Urlaubsplätze/-quartiere suchen, die vor allem Berechenbarkeit und Sicherheit bieten. „Die möchten sich auch im Ferienort/Hotel ähnlich ,daheim’ fühlen wie an ihrem Wohnsitz“, interpretierte Kogler. Schließlich gelte es, auch die „Nostalgiker“ angebotsmäßig zu befriedigen: Menschen, die an mit ihren Eltern bereiste Urlaubsziele der Kindheit zurückkehren „und das besonders gern in Gesellschaft ihrer Enkel. Denn deren Eltern müssen ja den Lebensunterhalt verdienen“, beschrieb die Expertin eine gar nicht so seltene Konstellation.

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