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Dem Milchgift auf der Spur

Bregenz - Die Informationen waren wie immer bei Zwischenfällen in China eher dürftig. Zumindest so viel konnte das Gesundheitsministerium in Wien Ende vergangener Woche an die Länder weitergeben

6244 Fälle von Kindern mit Nierensteinen hatten chinesische Behörden bis dahin zugegeben. Von 175 chinesischen Herstellern von Kindernahrung habe man 109 untersucht. Bei 20 Prozent fand sich Melamin im Milchpulver. Die giftige Chemikalie täuscht erhöhten Eiweißgehalt in minderwertigem Milchpulver vor. Es dürfte aufgrund von Importverboten seit 2002 nie nach Österreich gelangt sein. Dennoch zogen gestern die Mitarbeiter der amtlichen Lebensmittelkontrolle los.

Nach Wien zur Analyse

„Sie sammeln landesweit ein paar Hundert Proben“, die werden Dr. Bernhard Zainer zufolge dann nach Wien geschickt und auf Melamin untersucht. Weshalb in Wien? „Dort haben sie zur Analyse der Proben aus ganz Österreich ein Kompetenzcenter freigeschaufelt.“ Melamin schädigt die Nieren. Weniger die Organe erwachsener Personen, aber Babys können daran sterben. Das Gift, das sich auch in scharfen Reinigungsmitteln findet, kommt Zainer nicht zum ersten Mal unter. Vor Jahren tauchte es in verunreinigtem Tierfutter auf, genauso wie das Antibiotikum Chloramphenicol, das in Milchfutter aus der Ukraine nachgewiesen wurde oder das Dioxin, das 2007 Dorsch­leber ungenießbar machte. Importverbote in Ehren, aber, „was ist, wenn das Milchpulver auf dem Weltmarkt seine Herkunft China verliert“?

In Asia-Shops zuerst

Deshalb haben die Kontrolleure gestern Asia-Shops gleichermaßen heimgesucht wie chinesische Lokale im Land. „Wir waren in Fitness-Studios, weil dort Eiweiß-Pülverle zum Auffuttern verwendet werden.“ Große Käseproduzenten müssen dieser Tage die Herkunft von verwendetem Milchpulver nachweisen. Und am Heimweg schaute Zainer gestern noch bei einem Kälberzüchter vorbei, weil Milchpulver auch in der Kälbermast verwendet wird. Als Faustregel gilt, dass alle Importe, „die mehr als 50 Prozent Milchiges beinhalten“, an der EU-Außengrenze veterinärmedizinisch untersucht werden müssen. Aber schon die Aufschriften auf Packungen verschleiern manches, wenn sie ausschließlich in asiatischen Schriftzeichen aufgedruckt wurden. So stammt die Milchpackung, die Zainer gestern in die Hände fiel, in Wahrheit über einen ostösterreichischen Importeur aus Japan. Das chinesische Sportlerfutter wiederum wurde laut Aufschrift doch in den Niederlanden hergestellt. In wenigen Wochen weiß Zainer, ob man‘s auch essen sollte.

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