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Dem Ärztemangel auf der Spur

Der Ärztemangel an Vorarlbergs Spitälern ist das Thema der morgigen Aktuellen Stunde im Landtag.
Der Ärztemangel an Vorarlbergs Spitälern ist das Thema der morgigen Aktuellen Stunde im Landtag. ©Bilderbox
Bregenz (VN/Andreas Dünser) – Am Dienstag tagt der Landtag, die SPÖ gestaltet die Aktuelle Stunde – und widmet selbige dem von den VN aufgedeckten Ärztemangel. „Dass der Ärztemangel an Vorarlbergs Spitälern wirklich akut ist, zeigt die Situation der Anästhesieabteilung im LKH Feldkirch“, sagt Abgeordnete Gabi Sprickler-Falschlunger (55).

Narkoseärzte aus anderen Spitälern müssten aushelfen, weil es an Personal fehlt: „Dabei sind auch diese Ärzte an ihren eigenen Spitälern voll ausgelastet.“ Auch andere Abteilungen seien dünn mit Fachärzten versorgt, Engpässe aufgrund der Personalknappheit oft nicht mehr kompensierbar. „Es wäre naiv zu glauben, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gesichert ist, wenn man zur Tagesordnung übergeht. Wir brauchen mehr Fachärzte an den Spitälern.“ Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass an Vorarlbergs Spitälern rund 20 Fachärzte fehlen – um den normalen Betrieb aufrechterhalten zu können. „Es ist aber schwer abschätzbar“, sagt Sprickler-Falschlunger, „das jetzige System kann bereits an seine Grenzen geraten, wenn nur zwei Fachärztinnen gleichzeitig schwanger werden“.

Wochenlanges Warten

Den Ärztemangel zu spüren bekam Stefan (Name von der Redaktion geändert) aus Feldkirch. Nach einem Sportunfall am Knie verletzt, wartete der Angestellte wochenlang auf einen Operationstermin am LKH Feldkirch. Einen Tag, bevor Stefan ins Spital hätte einrücken müssen, kam ein Anruf. Man bedauere, der Termin müsse verschoben werden. Auch ein weiterer Termin wurde abgesagt, ebenfalls äußerst kurzfristig.

Walla mit klaren Worten

„Das Problem ist nach wie vor sehr groß und ungelöst“, warnt Spitalsärztesprecher und Ärztekammer-Vizepräsident Burkhard Walla (45), „die Qualität der Versorgung ist massiv gefährdet.“ Vergangene Woche seien zwar Entlastungsmaßnahmen vorgestellt worden: „Doch hat das noch nicht so viel gebracht, dass man sich zurücklehnen kann.“ Was erwartet sich Walla? „Wir brauchen mittelfristig eine Strukturveränderung mit einer Angleichung des Gehaltssystems und auch des Arbeitsvolumens an die Schweiz und an Deutschland.“ Im Vergleich zu diesen Ländern würden Spitalsärzte bei uns „wesentlich mehr arbeiten und das um weniger Geld“. Doch auch kurzfristige Maßnahmen seien vonnöten, „Maßnahmen, die zeigen, dass die Politik das Problem verstanden hat“. Wie dramatisch ist die Situation? „Fällt nur ein Facharzt aus, kann die Routine teilweise nicht mehr bewältigt werden, können die Dienste nicht mehr dem Arbeitszeit-Gesetz konform abgewickelt werden.“

Arbeiten an der Gehaltsreform

„Es herrscht Handlungsbedarf“, sagt Noch-Gesundheitslandesrat Markus Wallner (44) offen. Man müsse näher zum Kern des Problems: „In den Jahren der Wirtschaftskrise konnten wir da weniger einsteigen. Aber wir haben stets gesagt, dass wir das mittelfristig machen werden.“ Seine Ansage: „Die Arbeitsgruppe ‚Gehaltsreform‘ hat ihre Arbeit aufgenommen. Wir wollen innerhalb von Wochen klären, wie wir weiterkommen.“ Zudem würden Rekrutierungsmaßnahmen auf Hochtouren laufen, „in anderen Bundesländern, in Deutschland, auch in anderen Staaten“. Der Opposition ist dies zu wenig. Laut Hubert Kinz (FP,51) „waren die Arbeitsbedingungen und das Image, in Österreich als Arzt zu arbeiten, gut. Das gilt heute nicht mehr.“ Kinz rügt Wallner: „Die eingeführten Neuerungen oder Änderungen waren marginal, entweder längst überfällig, oder schlicht Augenauswischerei.“

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