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Debatte um Luegerstraße: "Fraglich, ob Namensänderung zielführend ist"

Die Luegerstraße in Feldkirch wird jetzt in der Stadtvertretungssitzung zum Thema: VP-Verkehrsstadträtin Angelika Lener sieht die Diskussion skeptisch.
Die Luegerstraße in Feldkirch wird jetzt in der Stadtvertretungssitzung zum Thema: VP-Verkehrsstadträtin Angelika Lener sieht die Diskussion skeptisch. ©VOL.AT
Feldkirch - Die Diskussion um Antisemit Karl Lueger hat nun auch die Feldkircher Stadtvertretung erreicht. Laut Verkehrsstadträtin Angelika Lener (ÖVP) wird in einer der nächsten Sitzungen eine Namensänderung der Straße diskutiert.
"Man müsste Anrainer miteinbeziehen"
Luegerstraße in Klagenfurt: Keine Änderung

Ob eine Namensänderung in Feldkirch realistisch sei, darauf will sich Lener nicht festlegen. Auch die Stimmung innerhalb der ÖVP könne sie nicht voraussagen. Aus juristischer Sicht muss laut Verkehrsstadträtin Angelika Lener eine solche Namensänderung in der Stadtvertretungssitzung diskutiert bzw. beschlossen werden. Die nächste Sitzung findet am 29. Mai statt.

Für Lener war Lueger ein Faktum in der Geschichte Österreichs

Im Gespräch mit VOL.AT bestätigte Lener, dass der Stadt Feldkirch die Problematik um Karl Lueger bewusst sei. Lener möchte die Debatte differenzierter sehen: Für sie persönlich sei es fraglich, ob eine Namensänderung zielführend ist. Karl Lueger war laut Lener nur ein Faktum in der Geschichte Österreichs. Es müssten die Rollen vieler Personen und Organisationen hinterfragt werden. Die Debatte müsse demzufolge breiter geführt werden. “Mit der Änderung eines Straßennamens kann kein Geschichtsbild bereinigt werden”, so Lener.

Loewy: Namensänderung “begrüßenswert”

Hanno Loewy, Leiter des Jüdischen Museum in Hohenems, würde eine Umbenennung der Luegerstraße begrüßen. Allerdings könne so etwas nur gemeinsam mit den Anrainern vor Ort umgesetzt werden. “Eine Umbenennung ist ein sehr sensibles Thema”, so Loewy im Gespräch mit VOL.AT. Tatsache sei aber, dass Lueger der Kopf einer politischen Bewegung war, die offen gegen das Judentum hetzte. Demzufolge seien derartige Straßenbezeichnungen nicht mehr zeitgemäß.

Luegerstraße seit 1910

Nach VOL.AT-Recherchen ist der Name der Luegerstraße in Feldkirch auf den österreichischen Politiker Karl Lueger (1844-1910) zurückzuführen. Der frühere Wiener Bürgermeister Karl Lueger gilt nicht nur als Erneuerer kommunaler Dienstleistungen, sondern vor allem als Populist, der Judenhetze zum Teil seiner politischen Strategie machte. Laut Heimatbuch Altenstadt hat die christlich-soziale Partei nach Luegers Tod im Jahre 1910 “zu Ehren” des Politikers die Namensgebung in Feldkirch veranlasst.

Lueger-Ring in Wien: ÖVP warnt vor “Säuberungswelle” der Grünen

Auch die Umbenennung des Wiener Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring sorgt weiter für Wirbel: Der ehemalige VP-Nationalratspräsident und Obmann des Seniorenbundes, Andreas Khol, hat den Koalitionspartner der Wiener SPÖ, die Grünen ins Visier genommen: “Sie beabsichtigen eine umfassende Säuberungswelle.” Er fühle sich an George Orwells Roman “1984” erinnert, berichtete Khol.

In dieser Zukunftsversion säubere ein totalitäres Regime die Sprache – und erfinde Neusprech, mit politisch korrekten Bezeichnungen. Die nun geplante Umbenennung bedeute einen Bruch mit der bisherigen Praxis, mit historischen Orts- und Straßenbezeichnungen sorgsam und behutsam umzugehen. “Ich bin besorgt über den intoleranten Umgang mit der Vergangenheit”, kritisierte Khol. Die Maßnahme, so befand er, erfolge “überfallsartig”. (AHA)

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