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David spielt schon wie ein Goliath

Die NHL stellt sich um Eishockeytalent Reinbacher an.

Ob morgens, mittags oder abends, für David Reinbacher ist zu Hause am Esstisch ein Thema tabu: Eishockey. „Es gibt eine Ausnahme“, sagt Vorarlbergs Kufenjungstar: „Wenn mir selbst etwas am Herzen liegt, dann spreche ich mit meinem Vater darüber.“ Der ist in diesem Sport ziemlich kompetent: Harald Reinbacher (49) spielte jahrelang für den EHC Lustenau und war auch für das österreichische Nationalteam im Einsatz.

Sport und Beruf im Einklang

Dabei gibt es über David Reinbacher jede Menge zu reden. Der 18-jährige Rechtsschütze etablierte sich in der vergangenen Saison, als der EHC Kloten den Aufstieg in die National League fixierte, in der ersten Mannschaft. Nach zwei Toren und zwölf Vorlagen in 28 Spielen ist er in dieser Saison bei seinen Einsätzen auch international in den Fokus gerückt: Er wird als der beste Abwehrspieler seines Jahrgangs (2004) gehandelt. NHL-Analyst Corey Pronman stufte ihn in einer Bewertung im Draft 2023 als Nummer neun ein. Die Klubs von Vancouver, Ottawa, Washington, Boston, Winnipeg und Columbus beschränken sich nicht mehr nur auf die Bewertung ihrer Europa-Scouts, schicken eigene Talente-Entdecker aus Kanada und den USA in die Schweiz.

Die Pressetribünen sind bei den Spielen von Reinbacher brechend voll, und zwar mit dem Management von NHL-Klubs. Weil deswegen die Nachfrage bei den Schweizer Medien überbordend wurde, verhängte sein Klub ein Interviewverbot mit dem gebürtigen Hohenemser. Der heiß Begehrte selbst stört sich nicht am großen Rummel um seine Person. „Ich kann locker spielen. Es macht für mich keinen Unterschied, ob die NHL-Scouts hier sind. Sie können mich ja genauso gut in den Videoaufzeichnungen sehen“, sagt der österreichische Jung-Nationalmannschaftsakteur. „Ich muss meine Leistung bringen, dann sind alle zu­frieden.“

Zufrieden mit seinem neuen aufstrebenden Talent ist nicht nur der EHC Kloten, bei dem er viele Einsatzminuten erhält. Reinbacher arbeitet neben dem Eishockey auch noch an einer vierjährigen kaufmännischen Ausbildung. Nach zwei Jahren in der „United School of Sports“, einer Spezialschule für angehende Sportler, mit Abschlüssen wie Wirtschaftskunde, Rechnungswesen oder Englisch hat er gerade mit einem zweijährigen Praktikum begonnen. Bei der Firma AMR, spezialisiert auf Projektmanagement und Personalvermittlung, ist er für die Rekrutierung von Nachwuchskräften zuständig. „Es gefällt mir unglaublich gut, mein Chef ist noch dazu ein totaler Kloten-Fan.“

Papa und Bruder als Triebfeder

Neben Papa Harald war Bruder Tobias, er verteidigt aktuell für die Pioneers Vorarlberg, die große Triebfeder für David. „Er ist zwei Jahre älter und ich habe schon als kleines Kind zu ihm aufgeschaut. Was er gemacht hat, das wollte ich auch tun. Nach der Eishockeygrundausbildung unter den Trainern Sigi Haberl senior und Esa Siren folgten Nachwuchsstationen wie der SC Rheintal, Bülach und dann Kloten. „Mittlerweile bin ich fünf Jahre hier. Es hat mir von Anfang an gut gepasst, ich fühle mich sehr wohl.“

Wie lange die Zelte noch in der Schweiz aufgeschlagen sind, steht in den Sternen. Die Bemühungen der NHL-Klubs um Reinbacher bekommen bei seinem Management um Roly Thompson, Andrew Maloney und Georges Müller täglich neue Nahrung. Er wird von der gleichen Agentur wie sein großes Vorbild Roman Josi vertreten. „Die NHL ist das große Ziel jedes Eishockeyspielers. Ich werde hart daran arbeiten, dass es sich für mich erfüllen lässt.“

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