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Das Wirtshaus

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©Ulrich Gabriel

Hot Corner ist Barons Stammwirtschaft, der geliebte Ort, an dem jede Nacht derselbe Film abläuft: Spiel mir das Lied vom Tod. Alle spielen mit und sehen sich gleichzeitig selbst zu. Fehlerfrei wie auf der Leinwand. Lebensschwere Alte, betagt, lebensdurstig: die Klassiker vom Hot Corner. Es wird viel von den Drehs geredet. Kommt Sergio noch? Achselzucken. Husten und schweres Atmen erinnern an das Keuchen von Mortons Dampflokomotive. Hier rauchen nicht nur die Colts. Sergio wird die Schießerei vor der öden Station wieder mal versäumen. Die Szene spielt vor dem langen Bahnhof von Goat Village am Rande der Prärie, wo die Straße zum Clean-River verläuft, Richtung Swiss-Mountains. Auf halber Strecke kocht ein Chines für die Grenz-Cowboys. Ein paar Krähen flattern, ein verlassenes Storchennest hängt auf einem der stählernen Strommasten. Schüsse fallen. Die drei Pistoleros in ihren langen Staubmänteln sind tot. Der Namenlose hat sie erschossen. X-mal durchgespielt, x-mal erlebt. Marlboro, Soletti. Ein Bier nach dem andern, manchmal Whisky.

Warten. Trinken. Schauen. Cheyenne sitzt immer am selben Platz, hinter ihm eine Eule. Der Baron hockt neben Ennio. Der Narbige kommt immer später. Ist der Pferdezüchter da, entspannt sich ein angeregtes Gespräch. Aus jeder Ecke starren Eulen, alle mit demselben leeren Eulenblick und Telleraugen. Porzellanvögel. Sicher versteckt sich ein Zauber dahinter. Wo ist Sergio? Jeder trägt ständig seinen Colt bei sich. Nach zwölf folgt das Showdown. Sam steht mit rauchendem Colt da. Die Melodie hebt an, das Lied vom Tod steigt auf. Keiner nimmt Notiz. Alle kennen alle Szenen und spielen ihre sich nie ändernde Rolle wie ferngelenkt.

Wieder taucht der Namenlose auf. Kaum einer bemerkt ihn. Am ehesten noch Maureen, wenn sie hinter der Bar Gläser trocknet. Mundharmonika steht an der Theke und schweigt. Gesellt sich einer zu ihm, erwidert er die nötigsten Sätze. Die Filmmusik tönt aus der Jukebox hinterm dem Padrone. Sie lässt die Zeit vergessen. Warten. Das Quietschen des Windrads dringt durch. Once upon a time in the West. Jahre fallen unter den Tisch. Trinken. Die Luft steht. Goat Village ist das verschlafene Nest, das zu Nichts anderem gut ist. Schauen. Weiter nördlich errichten die Ellenbogenschoner der City Einkaufsbuden. Sugartown. Von dort verirrt sich niemand nach Goat Village. Einmal war Claudia Cardinale da, mit ein paar schwarzen Hilfssheriffs im Schlepptau. Es ist Winter. Vor der Bude lungern schmutzige Schneehaufen. Der Namenlose beginnt Mundharmonika zu spielen. Das Lied vom Tod. Einer wartet immer. Die Tür geht auf. Sergio. Endlich. Da capo.

©Ulrich Gabriel
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