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Das Recht, Gewalt zu verschweigen

Die Gründe, warum Frauen vor Gericht nicht mehr aussagen wollen, sind vielfältig.
Die Gründe, warum Frauen vor Gericht nicht mehr aussagen wollen, sind vielfältig. ©APA
Feldkirch (VN-ec) - Gewalttäter haben ein leichtes Spiel, wenn Opfer nicht aussagen wollen.

Monika M. wurde von ihrem Freund geschlagen. Die Polizei kam, nahm den Sachverhalt auf und es kam zur Gerichtsverhandlung. Nun möchte die Bregenzerin doch nicht gegen ihren Lebensgefährten aussagen, obwohl die Beziehung seit Langem von Gewalt überschattet ist. Ein Fall wie viele. Nachbarn, Freunde, Polizei, Staatsanwaltschaft – alle wollen dem Opfer helfen. Wenn die Frau selbst nicht will, ist die Justiz machtlos. Gewiss – für den Schläger ein Schuss vor den Bug, mehr jedoch nicht.

Irrtum

Eine Anzeige „zurückzuziehen“, ist allerdings nicht möglich. Ist die gefährliche Drohung, Nötigung oder Körperverletzung angezeigt, nimmt das Verfahren seinen Lauf. Der Gesetzgeber sieht misshandelte Frauen als „mündig“ an. Sie sollen selbst entscheiden, wie es weitergeht. Die Motive, warum Freundinnen oder Ehefrauen einen „Rückzieher“ machen, sind vielfältig. Finanzielle und wirtschaftliche Motive stehen ebenso oft dahinter wie psychische Abhängigkeit oder die Hoffnung, dass sich der Mann bessert. Auf die Frage, ob man sich als Richter nicht darüber ärgert, dass alles „umsonst“ war, antwortet Othmar Kraft gelassen: „Nein. Das ist vom Gesetz so vorgesehen, und wenn ein Opfer sich für diesen Weg entschließt, akzeptieren wird das ohne nachzufragen.“

Aufgepasst

Dieses Entschlagungsrecht haben auch nahe Angehörige wie zum Beispiel Geschwister oder Kinder. Vor allem letztere tun sich schwer, gegen Mama oder Papa auszusagen. Insbesondere wenn sie wissen, dass Gefängnis droht. Wenn sich Opfer entscheiden, vor Gericht zu schweigen, darf ihre Aussage vor der Polizei ebenfalls nicht verwertet werden. Wurde der Vorfall aber von Dritten beobachtet, zum Beispiel wenn eine Nachbarin sieht, wie der Mann auf seine Frau eindrischt und sie verletzt, ist es um den Gewalttäter geschehen. Dann wird er aufgrund der Aussage dieser Zeugin verurteilt und das Opfer kann ihn vor der Strafe nicht bewahren.

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