Das Rathaus als Architekturjuwel

©Hämmerle
Architektur des Rathauses stand kürzlich im Fokus der Betrachtung.

Lustenau. Von außen kennen es alle Lustenauer, drinnen waren die meisten von ihnen. Als Architekturjuwel wahrgenommen haben es wohl die wenigsten: Das Rathaus Lustenau wurde 1955 von Vorarlbergs erster Architektin, Adelheid Gnaiger, in einer Arbeitsgemeinschaft geplant. In Anerkennung ihres Werks und der Architektur der Nachkriegsmoderne wurde das Haus samt Erweiterungsbau 2012 unter Denkmalschutz gestellt. Nun würdigt eine gerade erschienene Publikation erneut das Leben und Schaffen der bedeutenden Architektin und Pionierin Adelheid Gnaiger.

In der Publikation „Adelheid Gnaiger 1916 – 1991. Die erste Architektin Vorarlbergs” hat Architekturhistorikerin Ingrid Holzschuh mithilfe von Tochter Jutta Gnaiger-Rathmanner den Nachlass der Feldkircher Architektin aufgearbeitet. Die Dokumentation über die außergewöhnliche Frau und Architektin wurde bewusst und ausschließlich von Frauen verfasst und gestaltet, wie Holzschuh bei der Präsentation des Bandes im Lustenauer Rathaus betonte.

Öffentliche Wahrnehmung

Vorarlbergs Architektur der Gegenwart ist international anerkannt, Bauten aus den 1950ern und 1960ern hingegen waren lange in Vergessenheit geraten. Seit einigen Jahren steht die Architektur der Nachkriegsmoderne in neuem Licht: Die Diskussion, zu der die Marktgemeinde Lustenau anlässlich der Buchpräsentation „Adelheid Gnaiger 1916-1992. Die erste Architektin Vorarlbergs” geladen hat, weckte das Interesse, genauer hinzusehen und die eigene Wahrnehmung für Bauten der 1950er- und 1960er-Jahre zu schärfen, denn eine Architekturgeschichte gehört in Vorarlberg noch geschrieben. Architekturhistorikerin Ingrid Holzschuh, Landeskonservatorin Barbara Keiler und Architekt Erich Steinmayr erläuterten in einem fachlichen Diskurs unter Moderation von Marina Hämmerle, Projektleitung Zentrumsentwicklung, die architektonische und städtebauliche Qualität des Rathauses Lustenau. Das Rathaus Lustenau mit Haupthaus und Pavillon aus 1958 und dem Erweiterungsbau aus 1996 sei ein positives Beispiel für die Wertschätzung dieses baukulturellen Erbes und den denkmalpflegerischen Umgang mit Bauten der Nachkriegsmoderne. Als eines der wenigen noch erhaltenen öffentlichen Gebäude der Architektengemeinschaft Gnaiger/Götsch/Griss und befindet es sich weitestgehend in unverändertem oder sensibel adaptiertem Zustand. Mit ein Grund, warum das knapp 60-jährige Gebäude, als auch der viel jüngere Erweiterungsbau 2012 denkmalgeschützt wurden.

Das Rathaus sei provokant für seine Zeit und den Ort gewesen, geht aus der Begründung des Bundesdenkmalamtes hervor, andererseits war es ein optimistisches Zeichen für die schnell wachsende Marktgemeinde Lustenau. Bis heute gilt es als moderner, zeitloser Verwaltungsbau mit hoher Funktionalität und Flexibilität. Zur besonderen Ästhetik des Hauses tragen die noch im Originalzustand erhaltenen Bau- und Ausstattungsdetails bei: Fenster, Türen und Beschläge, Uhren, Wandverkleidungen, Bodenbeläge und Beleuchtungen aus den 1950er- Jahren lassen bei Nutzern und Besuchern eine besondere Stimmung aufkommen.

„Durch und durch richtig”

Mit dem Erweiterungsbau hat Erich Steinmayr in einer neuen Sprache, mit neuen Materialen und Technologien eine stimmige strukturelle Affinität zum Bestand aus den 1950ern geschaffen. Um die Anforderungen zu erfüllen und unter anderem die Hoheitsverwaltung unter einem Dach zu vereinen, hat Steinmayr statt in die Höhe in die Tiefe gebaut. Im Erdgeschoss befindet sich das Tiefbauamt, im ersten Stock sind die Büros des Hochbaus. Die Räume im Untergeschoss werden für Sitzungen genützt und sind durch einen eigens angelegten Garten – die letzte Arbeit des Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast, von Kienast Vogt und Partnern – belichtet.

Mittlerweile sind Haupthaus und Pavillon des Rathauses in die Jahre gekommen und eine Sanierung steht an. Besonders die großen Fensterflächen stellen dabei eine Herausforderung dar. Barbara Keiler vom Denkmalamt ist optimistisch, dass „mit guten Partnern auf allen Ebenen eine behutsame Sanierung im Sinne des Denkmalschutzes gelingen wird.”

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