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Das Land des „Sowohl-als-auch“

Wenn’s Vorarlberg nicht gäbe, man müsste es erfinden.
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Ich sollte einmal in Saalbach-Hinterglemm für meine damaligen Münchner Arbeitskollegen Apfelstrudel beim Kellner bestellen, „weil ich doch eh Österreicher sei“. Woher man komme, fragte mich der Kellner. Seine Reaktion bringt das ganze Vorarlberger Identitätsdilemma auf den Punkt: „A Vurarlberger – du bist doch gor koa richtiga Österreicher!“ Richtig, wir sind in erster Linie Vorarlberger, dann begeisterte Europäer. Richtig, in Wien ist auch noch was. Aber Wien ist 700 Kilometer entfernt – exakt wie Paris! So gehört es auch zum Standardrepertoire jedes Vorarlberger Landeshauptmanns, „auf die in Wien zu schimpfen“. Die Politik tut das, um sich abzugrenzen, aufzuplustern – aber auch, weil die Bande zwischen den Vorarlbergern so stark sind, dass „die aus Wien uns sicher nix sagen müssen“. Eine Gallier-Situation, wie aus Asterix und Obelix, auch sprachlich. Unser Hochdeutsch ist mindestens so berüchtigt wie unser Dialekt. Etwas „B’sundriges“ halt. Der Vorarlberger umgibt sich nur mit Dingen, die ein ganz beosnderes Prädikat erfüllen: sie müssen vor allem „K‘hörig“ sein. A k’hörigs Auto, an k’höriga Fernseher. Wenn wir etwas machen, machen wir es vor allem „k’hörig“. Vorarlberg ist zu Recht stolz auf seine wirtschaftliche Weltmarktführer in lukrativen Nischen. Vorarlberg gibt sich touristisch nicht dem Alpenkitsch hin. Und muss trotz herausragender und mutiger Holz-Architektur zwischen all den E-Bikes und Roboter- Rasenmähern halt auch brutal aufpassen, nicht ins langweilig Biedere zurückzufallen. Es ist gar nicht so einfach, Nichtvorarlbergern zu verdeutlichen, wie sich Vorarlberg für einen Vorarlberger anfühlt. In unserer Welt ist Vorarlberg nämlich nicht Land, sondern mindestens Fast-Großstadt. Die Wahrheit liegt freilich irgendwo dazwischen. Zwischen Feldkirch und Bregenz sind die Gemeindegrenzen kaum mehr sichtbar. Alles wächst zusammen – bis auf ’s Ried, den geschätzten Central Park der Vorarlberger. Klar, Herausforderungen gibt’s immer. Anlässlich des Jubiläums darf man milde feststellen: Wenn’s Vorarlberg nicht gäbe, man müsste es erfinden. Dass Vorarlberg vor 100 Jahren in dieser Form erfunden wurde, soll uns jetzt Ansporn sein, Entscheidungen zu treffen, um die nächsten 100 Jahre voller Tatendrang zu ermöglichen.  Gerold Riedmann, VN-Chefredakteur

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