Das "Gösser" ist nun Geschichte

Die Ausräumarbeiten haben bereits begonnen. Christian und Caspar Greber.
Die Ausräumarbeiten haben bereits begonnen. Christian und Caspar Greber. ©fst

Am Sonntag wurde ausgetrunken – die Zukunft des Hauses steht in den Sternen.

BREGENZ. (fst) Und wieder endete ein Stück Alt-Bregenzer Wirtshauskultur: Genau 370 Jahre, nachdem zum ersten Mal im damaligen “Gasthaus Schwanen” in der Anton-Schneider-Straße ausgeschenkt wurde, schloss das “Gösser-Bräu” am Sonntag seine Pforten. Caspar Greber, der das Haus 20 Jahre lang führte, hatte am Sonntag noch alle seine Stammgäste und Freunde zum “Austrinken” eingeladen. Ab 18 Uhr gab es Freibier, solange der Vorrat reichte. Und er reichte. 1983 hatte sein Bruder Christian das Lokal übernommen, allen Unkenrufen zum Trotz, denn das Gösser war damals schon, vor 28 Jahren, mehr als sanierungsbedürftig.

Eine mutige Entscheidung

Die Gäste waren ausgeblieben. Kein Wunder, wer sich damals dennoch in der Zirbenstube das Essen schmecken lassen wollte, dem leisteten Ratten Gesellschaft. So gut die Küche auch gewesen sein mag, die kleinen Nager, die ungeniert durch die leere Gaststube liefen, verdarben auch den letzten Gästen den Appetit. Und dann kam Christian Greber und stürzte sich in das Abenteuer Gösser. Der damalige Bürgermeister Fritz Mayer schüttelte nur den Kopf und bewunderte den Mut des damals erst 25-jährigen Andelsbuchers. Mit dem Umbau der Küche wurde 1987 ein erster Schritt hin zur dringend notwendigen Renovierung gemacht. Fleiß und Ausdauer wurden belohnt. Die Gäste kamen.

“Neue Heimat suchen”

Walter Schneider erinnert sich noch gerne an diese Abende: “Wir werden das Gösser und Caspar Greber sehr vermissen.” Und er war nicht der Einzige, der noch einmal und damit zum letzten Mal im Gösser einkehrte. Die Bregenzer A1-Handballer trafen sich mit Roland Frühstück an ihrem Stammtisch, Caroline Fürst nahm Abschied vom “Gösser Theaterstadl”. “Wir verlieren zwar unsere Heimat und unseren Namen, aber unseren Humor verlieren wir nicht”, meinte sie und verriet, dass der Theaterstadl weitermachen würde. Als “Bregenzer Theaterstadl” an einem neuen Spielort.

Ein bisschen Wehmut

Ein bisschen Wehmut war schon dabei, als Christian Greber, so wie vor 28 Jahren, wieder am Zapfhahn stand und wenn Caspar auch nach außen hin fröhlich wirkte, leicht fiel ihm der Abschied nicht. Und so gab er die eine und andere Anekdote zum Besten. Bei den Bockbieranstichen war er als Moderator jeweils zur Bestform aufgelaufen, unvergessen der Fassanstich durch den damaligen Bürgermeister Siegi Gasser. Dieser hatte den Zapfhahn verkehrt herum ins Fass getrieben. Und so spritzte die Bierfontäne nach oben, statt nach unten. Nur eine von vielen Gösser-Geschichten . . . Die Zukunft des Gössers steht in den Sternen. Ein Investor müsste für Kauf und Renovierung mehrere Millionen locker machen. Zu befürchten ist, dass das altehrwürdige Haus der Spitzhake zum Opfer fallen könnte. Als “Gösser” wird es wohl nie wieder auferstehen. Und die Zukunft der beiden Wirte? Christian wird sich weiter um den Gebhardsberg und sein Catering-Unternehmen kümmern und Caspar möchte sich erst einmal ausspannen, bevor er sich in ein neues Abenteuer stürzt.

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