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Das Bioland - Ein umstrittenes Ziel

(VN) Bregenz - Der Kurs der Vorarlberger Landwirtschaft wurde gestern im Land intensiv debattiert. Ausgelöst hatte die Diskussion Grünen-Chef Johannes Rauch, der in einem VN-Interview mit scharfer Kritik – etwa an der hiesigen „Turbokuh-Mentalität“ – ein Umdenken in Richtung eines reinen Biolandes eingefordert hatte. Die Reaktionen auf Rauchs Vorstoß fielen gemischt aus; wobei keine Vorbehalte gegen Bio, sehr wohl aber gegen die Umwandlung Vorarlbergs in ein reines Bioland angemeldet wurden.
"Turbokuh-Mentalität"

So sprach sich Landesrat Erich Schwärzler gegen ein Diktat der Politik über die Bauern aus: „Es ist nicht Aufgabe der Politik, weder von Brüssel, Wien oder Bregenz, jedem Bauernhof vorzuschreiben, was er zu produzieren hat.“ Auch die Landwirtschaft habe zu wirtschaften: „Und das bedeutet, dass unsere Bauern als Unternehmer entscheiden, welche Produkte sie am Markt entsprechend den Konsumentenwünschen und Markterfordernissen anbieten.“ Im Übrigen schätze der Konsument die hohe Qualität der heimischen Lebensmittel genauso, wie das vielfältige Angebot. Und gerade in dieser Vielfalt liege eine große Zukunftschance: „Eine steigende Anzahl von Bio-Betrieben hat genauso Bedeutung wie Betriebe mit herkömmlichen Nutztierrassen oder Zuchtbetriebe.“ Man könne sich von der Vorarlberger Landwirtschaft gewiss vieles wünschen, legte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger nach: „Aber sie ist eben dem internationalen Markt ausgesetzt und muss sich dort behaupten.“ Und schließlich müssten ja auch die Bauernfamilien ein Einkommen erwirtschaften, „mit dem sie ihre Familie ernähren können. Es ist leichter über Landwirtschaft zu reden, als von ihr zu leben.“ Moosbruggers Ansage: „Ich bin für mehr Bio, aber nicht für Zwangs-Bio.“ Es habe ohnehin ein gesundes Wachstum in Richtung biologischer Produktion stattgefunden: „Die Bioprodukte sollten gleichmäßig mit der Nachfrage am Markt wachsen. Sonst machen wir die Nachfrage kaputt.“ Die Vorarlberger Landwirtschaft sei also „bereit, mehr Bio zu erzeugen, wenn der Preis stimmt und die Konsumenten kaufen“.

Türtscher will „noch mehr Bio“

Zuerst habe man „Bioland“ zu definieren, schloss Josef Türtscher (ÖVP) an. Auch sei hervorzuheben, dass Vorarlberg gemeinsam mit Salzburg ohnehin bereits den österreichweit höchsten Anteil an Biobauern habe. Türtscher kann dem Thema aber viel abgewinnen: „Für mich hat noch mehr Bio Platz.“ Allein schon wegen der Energiefrage: „Es stimmt, dass biologische Landwirtschaft weniger fossile Energie braucht.“ Nur: Der Abgeordnete will das Schritt für Schritt umgesetzt wissen. „Ich möchte die Bauern weder zwingen noch drängen, Bio zu werden. Davon halte ich gar nichts.“ Vielmehr müsse man zusammen mit den Konsumenten die entsprechende Nachfrage entwickeln: „Dann werden auch mehr Landwirte Bio produzieren.“ In Vorarlberg sei das Bekenntnis zu regionalen Lebensmitteln und zu Bio glücklicherweise ausgeprägter als anderswo. Und das sei gut so, zeige doch der deutsche Dioxin-Skandal wieder einmal: „Der Ruf von Konsumenten, vor allem aber vom Handel nach ganz billigen Nahrungsmitteln beschwört solche Skandale herauf.“

Allgäuer gegen Verordnung

Rauchs Kritik in Bezug auf die Turbokühe sei nicht angebracht, sagte Abgeordneter Daniel Allgäuer (FPÖ): „Von der Milchwirtschaft her gesehen, zählt Vorarlbergs Landwirtschaft zu den Schlusslichtern in der EU.“ Ihn ärgert eine prinzipielle Ungerechtigkeit: „Von der Wirtschaft fordert man Jahr für Jahr Zuwachsraten, die Landwirtschaft würde man dagegen am liebsten unter eine Käseglocke stellen.“ Allgäuer: „Ich lasse mir auch von niemandem verordnen, ob wir ein Bioland sein sollen. In Vorarlberg haben wir Platz für Biolandwirtschaft und für konventionelle Landwirtschaft.“ Es müsse jeder Betrieb seine eigene Ausrichtung finden. Gehe es Rauch wirklich um die Landwirtschaft, könne der Grüne ja heute im Ausschuss dem FPÖ-Antrag zur Leistungsabgeltung zustimmen. Rauch, Auslöser der Debatte, blieb unbeirrt: „Was bei der Energieautonomie möglich war, müsste auch bei der Umstellung der Landwirtschaft in Richtung Bioland möglich sein.“ Die Nachfrage in Vorarlberg nach mehr Bioprodukten sei bereits da, nur das Angebot nicht.

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