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Wollte "das beste Selfie aller Zeiten": Geisel macht Foto mit Flugzeugentführer

Dieses Foto sorgt für Aufsehen: Seif Eddin M. und Ben Innes.
Dieses Foto sorgt für Aufsehen: Seif Eddin M. und Ben Innes. ©AFP/ Twitter
Breit grinsend steht der 26-jährige Brite neben einem Mann. Warum dieses Foto dieser Tage für Furore sorgt, darauf deutet nur ein kleines Detail hin: ein Sprengstoffgürtel. Erst Stunden später wird er sich als Attrappe herausstellen. 
Entführer gibt auf, Geiseln flüchten

Auf dem Bild zu sehen sind Ben Innes und jener Mann, der am Dienstag ein Flugzeug der EgyptAir auf dem Weg von Kairo nach Alexandria entführt und zur Landung in Zypern gezwungen hatte. Unblutig ging die Geiselnahme zu Ende, der Entführer ergab sich auf dem Flughafen in Larnaka schließlich widerstandslos. Alle Geiseln kamen frei und waren wohlauf.

AFP/ Ägyptisches Außenministerium
AFP/ Ägyptisches Außenministerium ©Diese Aufnahme einer Überwachungskamera soll den ägyptischen Flugzeugentführer zeigen. AFP/ Ägyptisches Außenministerium

Außenminister: “Kein Terrorist, ein Idiot”

Was den Entführer antrieb, ist auch nach stundenlangem Nervenkrieg nicht klar. Über das Tatmotiv herrscht bis zuletzt herrscht Verwirrung. Einen Terrorhintergrund schlossen zyprische Regierungssprecher bald aus. Vielmehr könnte es um eine Frau gegangen sein. Der Entführer habe Medienberichten zufolge ein Gespräch mit seiner Ex-Frau, einer Zyprerin, und die Freilassung oppositioneller Frauen aus ägyptischen Gefängnissen gefordert. Der ägyptische Außenminister später offiziell dazu: “Er ist kein Terrorist, er ist ein Idiot. Terroristen sind verrückt, aber sie sind nicht dumm. Dieser Typ ist es.”

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hijack1 ©Drei der bis zuletzt festgehaltenen Passagiere, darunter Ben Innes (Mitte), rennen kurz nach der Freilassung über das Rollfeld in Larnaka/ Zypern. Foto: APA/AFP

“Nichts zu verlieren”

Das alles wusste Ben Innes nicht, als er mit dem Entführer posierte. Der 26-jährige Brite war einer von vier Passagieren und vier Crewmitgliedern, die bis zum Ende im auf dem Rollfeld in Lanarka abgestellten Flugzeug als Geiseln gehalten wurden. Die übrigen Passagiere, mehr als 70 waren es insgesamt, hatte der Entführer zuvor freigelassen. Innes war auf einem Rückweg von einem Business-Trip, als Flug MS181 gekidnappt wurde.

Warum aber lässt sich ein junger Mann grinsend mit jemandem fotografieren, der droht, sich in die Luft zu sprengen? Diese Frage beantwortete der 26-Jährige der “Sun”: “Ich bin mir nicht sicher, warum ich es getan habe. Ich habe einfach meine Bedenken auf die Seite geschoben, während ich versuchte, angesichts aller Widrigkeiten frohen Mutes zu sein. Ich dachte mir, sollte diese Bombe echt sein, habe ich so oder so nichts zu verlieren, und so habe ich die Chance wahrgenommen, einen näheren Blick auf sie zu werfen”.

Gesagt, getan: “Nach einer Stunde des Herumsitzens und Wartens” habe er bei sich gedacht: “Warum nicht? Wenn er uns in die Luft jagen will, tut er das sowieso”. Der Brite bat daraufhin eine Stewardess, ihm beim Übersetzen zu helfen und im Zuge dessen um ein gemeinsames Foto. “Er (der Entführer; Anm.) zuckte nur die Achseln, so habe ich mich zu ihm gestellt und für die Kamera gelächelt, während die Stewardess das Foto knipste. Es sollte das beste Selfie aller Zeiten werden”.  Genau genommen wurde es das schon aus einem Umstand nicht: Innes hat das Foto nicht selbst geschossen, es handelt damit im eigentlichen Sinne nicht um ein Selfie.

“Typisch Ben”

Sicherheitsexperten kritisieren Innes scharf für die Aktion. Leichtsinnig hätte er sich und die anderen Geiseln so in Gefahr bringen können. Wie der Entführer reagieren würde, hätte schließlich niemand wissen können. Umso stolzer ist seine Verwandtschaft.  “Nur Ben hat es geschafft, ein Selfie zu bekommen”, schrieb eine Verwandte unter dem Hashtag “proud” auf Twitter. Und so mancher Freund meint indes lakonisch: Typisch Ben. Dementsprechend meinte etwa sein Mitbewohner Chris gegenüber der Daily Mail, dass Innes “vor nichts zurückschrecke… ich halte es für ziemlich übergeschnappt, aber das ist halt Ben, schätze ich.”

Wie ein Screenshot zeigt, den die Daily Mail publizierte, verschickte der in Aberdeen lebende Arbeitsschutzinspektor den Schnappschuss noch auf seine Befreiung wartend via WhatsApp an Freunde in Großbritannien, mit den Worten: “Du weißt, dein Junge lässt sich nicht verarschen!! Schalt die Nachrichten ein, Kumpel!!!” (red)

Video: Flugzeugentführer gibt auf

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