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"Dann bleibt die Praxis wirklich zu!“

Alberschwende - Am Vormittag Ordination, dann eine Stunde Mittagspause, anschließend Vorsorge- und Spezialuntersuchungen, dazu noch ein paar Hausvisiten und statt der Abendordination eine Besprechung im aks: So sieht der Arbeitstag von Dr. Guntram Hinteregger aus.

Heute bleibt seine Ordination in Alberschwende aber geschlossen. Die niedergelassenen Ärzte des Bregenzerwaldes beteiligen sich fast geschlossen an der Kundgebung vor dem Landhaus.

Wollen Zeichen setzen

Doch unversorgt lassen sie ihre Patienten nicht zurück. Zumindest die drei diensthabenden Notärzte werden die Stellung halten. „Wir nehmen teil, weil wir ein Signal für mehr Kommunikation setzen möchten“, begründet Hinteregger. Der sich, wie andere Mediziner auch, nicht gegen sinnvolle Änderungen wehrt. „Aber man soll mit uns reden.“ Derzeit fahre die Politik eher die diktatorische Schiene, meint er unverblümt.

Keine Empfehlung

Seiner Leidenschaft für den Arztberuf haben die langwierigen Diskussionen um eine Reform des Gesundheitssystems nicht viel anhaben können. „Ich arbeite nach wie vor gerne und bereue die Entscheidung auch im Nachhinein nicht“, sagt Hinteregger. Dennoch würde er sich weniger Bürokratie wünschen. Immerhin geht bereits ein Drittel der Zeit für Verwaltungstätigkeiten drauf. Ältere Kollegen haben diese Gelassenheit nicht mehr. „Viele sind froh, dass sie bald aufhören können“, erzählt Guntram Hinteregger. Seinen Kindern würde er den Arztberuf nicht mehr empfehlen. Wiewohl er das in 20 Jahren angeeignete medizinische Know-how gerne weitergeben würde. Er selbst ist auch bei seinem Vater eingestiegen und weiß um die Qualität der gemeinsamen Arbeit. Seine beiden Ältesten, die demnächst maturieren, haben zumindest im Moment keinerlei gleichgelagerte Ambitionen. Der Vater kann es ihnen nicht verdenken.

Patienten solidarisch

Für ihn zählt deshalb das hier und jetzt. Weil sich das als höchst unbefriedigend darstellt, wird Guntram Hinteregger heute vor dem Landhaus stehen. „Wir können Dinge, die zu Lasten der Patienten und des Systems gehen, nicht kritiklos hinnehmen“, stellt er klar und fordert „Ehrlichkeit von der Politik“. Wenn sie gewisse Leistungen nicht mehr bezahlen wollen, müsse das gesagt werden. Die Patienten zollen ihm Solidarität für diese Haltung. „Es gab niemanden, der sich aufregte, weil heute die Praxis geschlossen ist“, zeigt sich Hinteregger erleichtert. Aber was, wenn alles Kundgeben nichts nützt und die Reform kommt, wie sie ist? „Dann bleiben die Ordinationen am 16. Juni wirklich zu.“

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