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Dänemark: Kritik nach Misshandlungsvorwurf

Gegen eine dänische Offizierin, die wegen Verwürfen der Gefangenenmisshandlung im Südirak nach Hause zurückbeordert wurde, ist noch kein Gerichtsverfahren eingeleitet worden.

Das erklärte der Anwalt der 37-jährigen Annemette Hommel am Donnerstag. Die Frau hatte die Vorwürfe zuvor als grundlos und einen persönlichen Racheakt eines Dolmetscher zurückgewiesen. Auch andere dänische Soldaten im Irak werden beschuldigt, Gefangene misshandelt zu haben.

Der Chef der Ermittlungsbehörde der dänischen Streitkräfte, Per Lichtenstein, sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, die Unterlagen seien an ein Bezirksgericht gegangen. Wann Hommel befragt werden solle oder wann die Ende Juli begonnenen Ermittlungen abgeschlossen werden, sagte er nicht.

Am Dienstag hatte das Verteidigungsministerium vier Kommandanten im Irak mit der Begründung zurückbeordert, man könne „Zweifel an ihrer Urteilsfähigkeit“ haben. Zuvor hatte das Ministerium im Zusammenhang mit mutmaßlichen Gefangenenmisshandlungen lediglich von einem Offizier gesprochen. Ihm sei jedoch nicht Folter, sondern Verstoß gegen die Verhaltensregeln vorgeworfen. Laut dänischen Medien wird dem Offizier zur Last gelegt, dass er Gefangene geschlagen, ihnen Wasser verweigert und sie gezwungen haben soll, während der Verhöre in schmerzhaften Positionen zu stehen.

Ein ehemaliger Oberst einer Sondereinheit, Poul Dahl, sagte der Zeitung „Information“ unterdessen: „Wenn dänische Soldaten im Irak den Gefangenen Wasser verweigert haben und sie für längere Zeit auf dem Boden verharren ließen, dann haben sie nur getan, was sie zu Hause gelernt haben.“

Nach den Berichten über Gefangenenmisshandlungen durch dänische Soldaten hat die dänische Militärführung einen strengeren Verhaltenskodex für die Soldaten des Landes erlassen. Das Bataillon, das in der kommenden Woche die bisher im Irak stationierte dänische Einheit ablösen soll, habe „eine zusätzliche Unterweisung in guter Führung, der Achtung internationaler Konventionen und dem Kriegsrecht“ erhalten, sagte Armeesprecher Hans Vedholm am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Er nannte unter anderem die Wahrung internationaler Menschenrechte und die Bestimmungen zur Behandlung von Gefangenen und der Zivilbevölkerung.

Bei einem Besuch des Bataillons am Donnerstag appellierte der dänische Verteidigungsminister Sören Gade außerdem an die Soldaten, für Demokratie und Menschenrechte einzustehen.

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